Am vergangenen Donnerstag, den 2. April, fand im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Sichtbar werden“ ein weiterer wichtiger Abend statt. Im Frauenladen Paula kamen Interessierte, Community-Mitglieder und Engagierte zusammen, um sich mit einem bislang wenig beleuchteten Kapitel queerer Geschichte auseinanderzusetzen: dem drohenden Sorgerechtsentzug bei Müttern in lesbischen* Beziehungen.
Im Zentrum steht ein Forschungsprojekt im Auftrag der Bundesstiftung Magnus Hirschfeld (BMH), durchgeführt von den Historikerinnen Dr. Kirsten Plötz und Maria Bühner. Während Dr. Plötz krankheitsbedingt nicht teilnehmen konnte, brachte Maria Bühner eindrücklich ihre Forschungsperspektiven ein, insbesondere zu Ostberlin.
Maria Bühner, Kulturwissenschaftlerin und Historikerin, hat kürzlich ihre Dissertation zur Subjektivierung lesbischer und frauenbegehrender Frauen in Ostdeutschland (1945–1994) abgeschlossen. Ihre Forschung zeigte auch an diesem Abend, wie tiefgreifend staatliche, juristische und gesellschaftliche Mechanismen in das Leben lesbischer Mütter eingriffen.
Das Projekt untersucht Fälle aus Ost- und Westberlin zwischen 1945 und 1999 und macht deutlich: Die Angst vor Sorgerechtsentzug war über Jahrzehnte hinweg allgegenwärtig – und stellte für viele Frauen eine massive Barriere dar, ihre sexuelle Identität offen zu leben.
Besonders wertvoll war die anschließende Diskussion, in der Erfahrungen, Fragen und Perspektiven geteilt wurden. Deutlich wurde: Diese Geschichte ist nicht nur Vergangenheit, sondern wirkt bis heute nach.
Ein zentrales Anliegen des Projekts bleibt die Suche nach Zeitzeug*innen. Gesucht werden Mütter, Kinder oder Personen aus dem Umfeld, die Erfahrungen mit Sorgerechtsentzug oder entsprechender Bedrohung gemacht haben. Hinweise und Vernetzung sind ausdrücklich willkommen.
Kontakt: sorgerechtsentzug@mh-stiftung.de
Mehr Informationen zum Projekt: https://mh-stiftung.de/projekte/sorgerechtsentzug-bei-muettern-in-lesbischen-beziehungen-in-berlin/
Die Reihe „Sichtbar werden“ setzt genau hier an: Erinnerung schaffen, Wissen teilen und gemeinsam darüber sprechen, was diese Geschichte für unsere Gegenwart bedeutet.
