31. Geburtstag von Paula Panke

#unverzichtbarfeministisch

31 Jahre Frauenzentrum Paula Panke – das sind 31 Jahre feministische Power! Auch so ein verrücktes Jahr wie das letzte und eine Pandemie können die Tatkraft und Lebensfreude von Paula Paula nicht trüben. Im Gegenteil – sie befindet sich gerade in einem Erneuerungsprozess mit einem wachsenden und sich verjüngendem Team. Zwar können in diesem Januar aus bekannten Gründen keine der schon legendären Paula-Geburtstagspartys mit Büfett, vielen Gäst*innen und DJane feiern. Aber das holen wir so schnell wie möglich nach!

Eine Menge haben wir gemeinsam auf dem Weg geschafft – vor allem tausende Frauen beraten, geschützt, gebildet, inspiriert und ’empowert’. Doch viel ist noch zu tun. Lasst uns deshalb weiter aktiv bleiben und auch feiern!

Paula blickt zurück auf 31 Jahre feministische Aufbauarbeit – gemeinsam mit drei ‘klugen, gewitzten Schwestern’ – wie es Astrid Landero bei der gemeinsamen 30-Jahr-Feier von Matilde, EWA und Frieda im Oktober 2020 formulierte. Bis heute sind brennende Themen: Frauen in prekärer Beschäftigung, Altersarmut, fehlende Kinderbetreuung, häusliche Gewalt, Antifeminismus und viel Skepsis gegenüber soziokulturellen Frauenprojekten.

Auf ein fröhliches, gesundes und feministisches neues Lebensjahr mit Paula Panke – unverzichtbar feministisch ins Jahr 2021.

Unsere aktuellen Beratungsangebote

Logo Paula Panke

Liebe Besucher*innen,


um die mögliche Verbreitung des Corona-Virus zu unterbrechen, ist das Frauenzentrum Paula Panke sowie der Frauenladen Weißensee nur eingeschränkt für den Publikumsverkehr geöffnet.

Seit dem 2. November 2020 finden bis auf Weiteres

  • finden die Gruppen nicht statt – NUR die Farsi-Gruppe und die Yoga-Kurse online
  • Veranstaltungen ausschließlich ONLINE,
  • keine Exkursionen.

Die Sozial-, Lebens- und Rechtsberatungen finden weiterhin 1:1 vor Ort statt.

Beim Betreten unserer Räume gelten unsere Hygiene-Regeln.

Ab dem 3. Februar 2021 Telefon-Hotline für Alleinerziehende:

mittwochs von 15.30 Uhr – 16.30 Uhr

Tel. 030 / 480 99 846


Für eine Beratung vereinbart bitte vorher einen Termine per Telefon zu folgenden Zeiten :

Standort Pankow: Tel. 030 / 485 47 02
Mo: 10.00 – 12.00 Uhr
Di: 16.00 – 18.00 Uhr
Do: 10.00 – 12.00 Uhr

An unserem Standort in Weißensee berät dich unsere Mitarbeiterin in folgenden Zeiten:

Standort Weißensee Tel. 030 / 96 06 37 61

Mo: 14.00 – 16.00 Uhr
Di: 15.00 – 17.00 Uhr
Do: 10.00 – 13.00 Uhr

Viele wollen uns unterstützen

Mit unserem Newsletter bleiben Sie immer informiert.

Hier können Sie unser Programm 01/02 2021 herunterladen:

Lesung mit Lea Streisand: Immer bereit

Lea Streisand, Foto: Paula Panke

Wir sind ‚immer bereit‘ – trotz Lockdown – zumindest digital. Bei Paula Panke zum Jahresauftakt 2021 ist am 14. Januar Lea Streisand zu Gast, Schriftstellerin und Kolumnistin bei radioeins vom rbb und bei der taz. Außerdem ist sie Mutter im Lockdown und für ihre spitze Zunge bekannt. Die Fangemeinde wartet dieses Mal nicht Füße scharrend im Veranstaltungsraum, sondern über 70 Gäste – die gar nicht alle bei uns reingepasst hätten –  vor ihren Bildschirmen zu Hause darauf, dass unser YouTube-Kanal endlich startet.

Lea liest aus ihrer Kolumne ‚Es war schön jewesen‘ für radioeins und aus der taz-Kolumne ‚Immer bereit‘ – passend zu unserer aktuellen Ausstellung ‚Immer bereit!?‘ von der Künstlerin Doreen Trittel (hehocra). Sie ist etwas aufgeregt bei ihrem ersten semi-öffentlichen Auftritt nach Wochen und Monaten.

Wozu sind wir immer bereit?

Lea kennt noch den Pioniergruß aus DDR-Zeiten: Dazu die Hand hochreißen über den Scheitel. Mit Begeisterung. Denn ja – der Gruß beweist: ich bin nicht mehr klein, sondern Pionier(in)!

Heute ist sie u.a. als soloselbständige Künstlerin immer bereit. Da sie wegen Corona (ja, wir müssen das Wort hier aus dokumentarischen Gründen mal beim Namen nennen) nicht mehr ins Studio kann, um ihre Kolumne aufzunehmen, spricht sie seit Monaten gegen ihr Bücherregal. Damit es nicht so hallt. Ihr Redakteur schneidet dann den Rest.

Lea spricht über Kindererziehung: eine gesellschaftliche Aufgabe, keine Privatsache. Eltern in der Pandemie allein zu lassen sei institutionelle Kindeswohlgefährdung durch die Politik. „Lasst uns wütend sein. Denn Wut ist der Eiter der Seele und muss entfernt werden.“

Als Kolumnistin gelingt es ihr trotz ernster Themen humorvoll die Kurve zu kriegen. Die Kommentare im Chat zeigen: Das kommt an. Lachen, Freude, Erleichterung. Ein schöner Abend trotz aller Einschränkungen. Wir haben die Lesung für euch aufgezeichnet.

Und wir können euch versprechen: Es war schön jewesen und wir sind immer bereit Lea wieder zu uns einzuladen.

2020 – Was für ein Jahr!

Liebe Kolleginnen, Mitstreiter*innen und Unterstützer*innen,

Unverzichtbar feministisch

Mit Euch die besten!

Danke sagt das
Frauenzentrum Paula Panke e.V.

was für ein Jahr liegt hinter uns! Ein pralles, bewegendes Jahr, durch das wir mit eurer Hilfe tapfer hindurchgesteuert sind. Selten waren unsere Teampower und unser Zusammenhalt so gefragt wie in diesem 2020er Frühjahr, Sommer und Herbst.


Inmitten von Corona-Pandemie, “gewürzt” mit Einbrüchen, Wasserschaden und rechtspopulistischen Angriffen, ist unser Paula-Panke-Team nicht nur unermüdlich tätig gewesen, sondern sogar noch gewachsen – von 7 Kolleginnen im März auf 10 im Dezember. Dazu ist so manches Know how und (dank Bezirk, Senat und Bund) einiges an digitaler Ausrüstung hinzugekommen.


Das Frauenzentrum Paula Panke war hier im Kiez ein Ort des Miteinanders trotz Abstandregeln und Hygieneauflagen. Über 200 Masken wurden im Frühjahr ehrenamtlich genäht, zahllose Säcke mit Spenden für geflüchtete Menschen bei Paula gesammelt und nach Griechenland transportiert. “Nebenbei” haben wir den Relaunch für unsere Webseite vorbereitet und unser Programm digitalisiert. Sogar eine neue Veranstaltungsreihe, die “Paula Talks” ist im Sommer auf die Welt gekommen und Home Office ist auch bei uns kein Fremdwort mehr.


Aber das Wichtigste bei all dem war, dass wir immer auf eure Unterstützung, eure Solidarität zählen konnten. Eure vielen kleine und großen Gesten und Hilfestellungen – auch in Form von Spenden! – geben uns Mut und Energie, immer weiterzugehen und den Raum für eine vielfältige, demokratische und geschlechtergerechte Gesellschaft Schritt für Schritt zu erweitern.


Dank euch und mit euch werden wir voller feministischer Power das neue Jahr angehen. Gemeinsam werden wir weiterhin unser Bestes geben und mit euch die besten sein! Wir freuen uns auf das kommende Jahr … mit hoffentlich wieder mehr persönlicher Begegnung, noch mehr leuchtender Zukunft und weniger Unwetter. 🙂


Im Namen des Teams und des Vorstands von Paula Panke sagen wir herzlich DANKESCHÖN und wünschen allen einen guten Start ins Jahr 2021.


Herzliche Grüße
Kathrin Möller
& das Team von Paula Panke

Geschlechtergerecht durch die Pandemie?

Am Freitag, den 4.12.2020 fand die 18. efas-Fachtagung zu dem Thema „Geschlechtergerecht durch die Pandemie? Ökonomische Analysen aus feministischer Perspektive“ online auf Zoom statt. Wir von Paula Panke waren als Teilnehmerinnen auch dabei und haben viele spannende Einblicke in die neuesten Forschungen zu Geschlechtergerechtigkeit, Gleichstellung, Care-Arbeit und häuslicher Gewalt in Bezug auf die Corona-Pandemie bekommen.

Die Online-Tagung teilte sich in insgesamt drei Sessions mit unterschiedlichen Schwerpunkten, zu welchen in Form von Kurzvorträgen aktuelle Forschungen vorgestellt und im Anschluss diskutiert wurden.

Das Thema der ersten Session war „Die Corona-Krise und ihre politische Bearbeitung – wie sind Frauen betroffen?“. In vier verschiedenen Kurzvorträgen wurden unter anderem die Auswirkungen von COVID-19 auf Frauen im Bekleidungssektor, gleichstellungspolitische Antworten auf die Arbeitsmarktentwicklung in der Coronakrise und das unterschiedliche berufliche Ansteckungspotential diskutiert. Dieses ist beispielsweise, wie Dr. Katharina Dengler darlegte, bei Frauen deutlich höher, da sie vermehrt in Berufen arbeiten, in denen die Ansteckungsrisiken höher sind. Auf diese Weise kann es zu einer Benachteiligung von Frauen in der Pandemie kommen.

Die Boni für Pflegepersonal bleiben gering

In der zweiten Session zum Thema „Weibliche (Care-)Arbeit zwischen neuer Sichtbarkeit und andauernder Unterbewertung“ drehte sich alles um die Frage, wie die Corona-Krise sich auf Care-Arbeit, deren Anerkennung und Bezahlung auswirkt. Franziska Dorn präsentierte beispielsweise ihre Forschung, in der sie zeigte, dass die Boni an Altenpfleger*innen und Krankenpfleger*innen deutlich geringer ausfielen als in anderen Branchen. Sie betonte, dass eine höhere Bewertung von Care-Arbeit außerhalb des Marktes stattfinden muss. Neue Ideen, wie Pflegearbeit bewertet und gemessen werden kann, sind nötig, um die prekäre Situation derjenigen, die in Pflegeberufen arbeiten, zu verändern.

Systemrelevanz bleibt ein leerer Begriff

Auch Prof. Dr. Margarete Kreimer und Dr. Barbara Hönig kamen zu dem ernüchternden Schluss, dass die stärkere Wahrnehmung von Care-Berufen in den Medien relativ konsequenzlos geblieben ist. Nachhaltige Verbesserungen sind bisher nicht erfolgt. Trotz der Einstufung als systemrelevant bleibt die Situation schwierig und prekär. Systemrelevanz bleibt in dieser Hinsicht ein leerer Begriff.

Gleichberechtigung zu Lasten anderer Frauen in der Türkei

Dr. Irem Güney-Frahm zeigte eine globale Perspektive auf Care-Arbeit am Beispiel der Türkei auf. Sie legte dar, dass dort die Gleichberechtigung von Frauen häufig zu Lasten anderer Frauen erreicht werde: Berufstätige Frauen mit guten Bildungshintergrund haben oftmals Haushaltshilfen aus ökonomisch schwächeren Ländern und verlagern somit lediglich die Ungerechtigkeit.

Home Office – Besser zuhause?

Die dritte und letzte Session trug den Titel „Besser zuhause?“ und beschäftigte sich unter anderem mit Fragen zu Home Office und häuslicher Gewalt.

Es wurde deutlich, dass die Tatsache, dass Frauen nun viel mehr zuhause sind, sehr ambivalente Auswirkungen hat: Viele Frauen sehen das Home Office als positive Veränderung, die ihnen mehr Zeit gibt und die Arbeitszeiten entzerrt. Einige kommen aber auch schlechter zurecht im Home Office, beispielsweise, weil sie zuhause kein eigenes Arbeitszimmer haben und weil eine Kinderbetreuung im Home Office so gut wie nicht möglich und immer noch hauptsächlich Aufgabe der Frauen ist. Forschungen zeigen, dass trotz gleicher beruflicher Belastung Mütter häufiger alleine betreuen als Väter.

Mehr häusliche Gewalt in der Pandemie

Dr. Cara Ebert und Prof. Dr. Janine Steinert zeigten zudem auf, wie sich COVID-19 auf Gewalt gegen Frauen und Kinder auswirkt. Dadurch, dass Frauen den Tätern schlechter entkommen können, es schwerer ist, externe Hilfe zu bekommen und das Level häuslicher Gewalt in Krisen immer höher ist, ist von einer Zunahme häuslicher Gewalt auszugehen. Die beiden Forscherinnen bemängelten aber auch, dass die Datenlage dazu bisher nicht besonders ergiebig ist. Ihr Fazit: Es ist nicht unbedingt immer besser, sondern häufig auch gefährlicher zuhause. Psychologische Angebote sowie KiTas und Schulen sollten offenbleiben, um so einem Anstieg häuslicher Gewalt entgegenzuwirken.

efas Nachwuchsförderpreis

Am Ende der Online-Tagung wurde noch der efas- Nachwuchsförderpreis 2020 an Julia Bringmann verliehen. Sie erhielt diesen für ihre Masterarbeit ‚Daddy Months’ – An Engine of Change Towards More Gender Equality in Parenting Couples.

Bürger*innen Sprechstunde mit Katrin Seidel

Am 17. November 2020 fand unsere erste Bürgerinnen*Sprechstunde mit Katrin Seidel von der Partei DIE LINKE statt. In einem ausführlichen Gespräch mit Nadja von Paula Panke beantwortete Frau Seidel Fragen zu Themen wie Kinder-, Jugend- und Familienförderungen, zu häuslicher Gewalt, Inklusion und musikalischer Bildung in Berlin.

Nadja Bungard und Katrin Seidel im Gespräch

Unterstützung von strukturell benachteiligten Kindern und Jugendlichen in der Coronazeit

Auf die Frage, welche Strategien es gibt, um in der Coronazeit Kinder und Jugendliche, die zuhause wenig Hilfe erfahren, zu unterstützen, erzählt Frau Seidel, dass im ersten Lockdown zu 20% der Kinder aus strukturell benachteiligten Familien kein Kontakt aufgenommen werden konnte.

Um dies in der Zukunft zu verhindern, müssen dringend multiprofessionelle Teams gestärkt und ausgebaut werden. Zudem ist es wichtig, dass das pädagogische Fachpersonal mehr Medienkompetenz erwirbt und dass eine gute digitale Ausstattung an allen Schulen vorhanden ist.

Was für Frau Seidel ebenfalls dazu gehört, alle Kinder mit mobilen Endgeräten auszustatten. Im November wurden bereits 41.500 Geräte gekauft und an Kinder verteilt. Inzwischen gibt es immer mehr Geräte zum Ausleihen, so dass der Bedarf gedeckt werden kann. Kinder dürften aber mit dem Umgang nicht allein gelassen werden.

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Pankower Ehrenamtspreis für Dr. Regina Wegner

Regina Wegner im Gespräch, Foto: Carolin Weinkopf
Regina Wegner (Mitte) im Gespräch, Foto: Carolin Weinkopf

Wir freuen uns sehr, dass unsere Vorstandsfrau Dr. Regina Wegner für ihre langjährige Arbeit für unseren Verein dieses Jahr mit dem Pankower Ehrenamtspreis gewürdigt wurde. Am 4. Dezember 2020 war die feierliche Preisverleihung im Pankower Rathaus, an der wir leider wegen der Hygienebestimmungen nicht teilnehmen konnten.

Wir bedanken uns auch auf diesem Wege ganz herzlich für ihre zuverlässige Unterstützung der Arbeit unseres Vereins und senden unseren Dank und unsere Glückwünsche.

Schon seit 11 Jahren ist Regina Wegner ehrenamtlich als Mitfrau im Vorstand des Frauenzentrums Paula Panke e.V. tätig. Sie ist nicht nur für den Bereich der Zufluchts- und Schutzwohnungen verantwortlich, sondern begleitet auch die Arbeit unseres Frauenladens in Weißensee.

Seit vielen Jahren engagiert sie sich für die Gleichberechtigung und Bildung von Frauen. Beispielsweise initiierte die pensionierte Literatur- und Englischlehrerin den Politisch-Philosophischen Dialog, der regelmäßig bei Paula Panke stattfindet. Daneben ist sie Mitinitiatorin einer Theatergruppe bei Paula Panke und gestaltet seit zwei Jahrzehnten inhaltlich einen Ost-/West-Frauentreff, der zweimal im Jahr stattfindet.

Mit ihrem Wissen und ihrer Kreativität unterstützt sie unsere Arbeit nicht nur ganz praktisch bei der Übersetzung von Texten, sondern auch bei zahlreichen Bildungsveranstaltungen.

An dieser Stelle ein ganz großes DANKESCHÖN REGINA!!

„NEIN zu Gewalt an Frauen!“ Ein Gespräch mit Astrid Landero und Ksenia Sizyakova

Am 25. November ist jedes Jahr internationaler Aktionstag gegen Gewalt an Frauen. Dass es auch immer noch dringend nötig ist, über das Thema zu sprechen, zeigen allein schon die Zahlen in Deutschland:

2019 registrierte das BKA 142.000 Fälle von Gewalt in Partnerschaften in Deutschland. 80 % der Betroffenen waren Frauen. 117 Frauen starben 2019 in Deutschland durch ihre Partner oder Ex-Partner. In der Corona-Krise 2020 verzeichneten die Hilfeeinrichtungen zunehmende Fallzahlen von Gewalt in Familien, besonders gegen Frauen und Kinder.

Es ist dieses Jahr mehr denn je Zeit über geschlechtsspezifische Gewalt in einem Kontext von Abwertung und Unterdrückung von Frauen und einem absoluten Besitzanspruch durch Männer zu sprechen.

Aus diesem Anlass haben wir am Abend des 25. Novembers zwei Gästinnen eingeladen, die in dem transnationalen Projekt der filia-Stiftung „Stärkung der Zivilgesellschaft und von Frauenorganisationen“ für das Frauenzentrum Paula Panke mitgearbeitet haben.

Astrid Landero, die bis März 2020 Geschäftsführerin von Paula Panke war, hat dieses Projekt von Anfang an mit begleitet. Ksenia Sizyakova als junge Feministin hat bei den Online-Workshops mitgewirkt, um eine transnationale Kampagne der Frauenorganisationen aus Armenien, Georgien, der Ukraine und Berlin zu entwickeln.

Nadja, Astrid und Ksenia im Gespräch

Gewalt an Frauen ist ein strukturelles Problem

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„Reden wie Rosa“ – Was ich beim Redeclub für Frauen* gelernt habe

von Linda Davis

Seit September 2020 findet jeden zweiten und vierten Mittwoch im Monat der Frauen*redeclub „Reden wie Rosa“ statt.

„Reden wie Rosa“ möchte Frauen* stärken, selbstbewusster öffentliche Bühnen zu betreten. Er ist vom Konzept her inspiriert von dem Prinzip der Toastmasters-Clubabende, bei denen nach einer klaren Struktur verschiedene vorbereitete und spontane Reden gehalten werden und die Teilnehmer*innen bestimmte Rollen besetzen.

Beim letzten Zusammentreffen des Redeclubs, das noch in Person und nicht per Zoom stattfand, war ich als Praktikantin von Paula Panke auch dabei um mir anzuschauen, was dort eigentlich passiert und wie man lernen kann, gut und frei vor anderen zu reden.

Ablauf des Frauen*redeclubs “Reden wie Rosa”

Die Inspiration kommt von Rosa Luxemburg

Namentlich ist der Redeclub inspiriert von Rosa Luxemburg, die nicht nur dafür berühmt ist, eine wichtige Vertreterin demokratisch-sozialistischen Handelns und Denkens zu sein, sondern auch als starke und beeindruckende Rednerin.
Das Ziel des Redeclubs ist also klar: In einer wertschätzenden Atmosphäre zu lernen, überzeugend frei reden zu können, Führungs- und Moderationskompetenzen zu entwickeln und selbstbewusster vor Publikum aufzutreten. Und das unter Frauen*, die alle voneinander lernen wollen und sich dabei von den anderen unterstützen und inspirieren lassen möchten.

Strukturierte Abläufe und viele Möglichkeiten, mitzumachen

Wie bei den Toastmasters-Clubabenden hat auch der Redeclub für Frauen* einen relativ klaren und strukturierten Ablauf: Zuerst werden verschiedene Rollen verteilt: Es gibt zum Beispiel eine Zeitnehmerin, eine Zuhörerin, eine Äh-Zählerin, eine Gesten-Beobachterin und eine Schöne-Wörter-Sammlerin. Dann halten drei Frauen nacheinander eine kurze Rede, die zwischen fünf und sieben Minuten lang sein darf. Nach einer kurzen Pause gibt es Raum für Stegreifreden. Das bedeutet, dass alle Frauen, die bisher noch nicht vor den anderen geredet haben, eine kurze, mindestens einminütige und spontane Rede zu einem vorgegebenen Thema halten dürfen. Danach folgen Feedback-Reden zu den ersten drei vorbereiten Reden.

Wertschätzendes Feedback ist wichtig

Nach einem kurzem Ankommen und einer Vorstellungsrunde wird zuerst noch einmal darüber gesprochen, wie gutes Feedback gegeben werden kann: Am besten so konstruktiv wie möglich, lieber beschreibend als bewertend, möglichst konkret und in Ich-Form. Im Verlauf des Abends merke ich, dass alle Frauen wirklich gut darin sind, auf eine wertschätzende, respektvolle und freundliche Art Feedback zu geben. Selten habe ich Gruppen erlebt, in denen die Ansprüche an gutes Feedback so gut umgesetzt wurden und gleichzeitig aber auch das Gefühl entstand, dadurch etwas gelernt und für sich selbst mitgenommen zu haben.

Tipps für ein gutes Feedback

Mit ‚Eisbrecherreden‘ fangen alle an

An diesem Abend sind zwei Frauen mit ihrer ‚Eisbrecherrede‘ dran, das heißt, das ist ihre erste Rede, die sie vor der Gruppe halten werden. Ich bin beeindruckt, wie souverän sie ihre Reden trotz anfänglicher Nervosität halten und wie es beiden auf sehr unterschiedliche Weise gelingt, die Aufmerksamkeit ihrer Zuhörerinnen zu bekommen.

Nach jeder Rede dürfen alle auf kleinen Zetteln ein kurzes Feedback verfassen und aufschreiben, was ihnen besonders gut gefallen hat und was sie sich für die nächste Rede noch zusätzlich wünschen würden.

Kathrin hält eine Rede

Reden halten ist gar nicht so einfach!

Nach einer kurzen Pause ist es dann Zeit für die Stegreifreden. Hierfür zieht diesmal nacheinander jede Frau einen kleinen Zettel mit einem Sprichwort, zu dem sie dann eine Minute spontan reden darf, was sie möchte. Jetzt bin ich auch dabei und darf eine kurze Rede halten. Obwohl ich eigentlich immer dachte, dass ich ganz gut reden kann, merke ich, dass es doch gar nicht so einfach ist. Ich bin plötzlich doch nervös, weiß gar nicht mehr so genau, was ich eigentlich sagen soll und ob das alles Sinn ergibt, was ich erzähle. Dadurch bin ich noch beeindruckter von den Frauen, die sich zu Beginn getraut haben, über fünf Minuten frei vor Publikum zu reden.
Ich bin froh, als die Minute vorbei ist, gleichzeitig aber auch stolz, mich getraut zu haben. Und ich habe das Gefühl, dadurch jetzt schon einiges über das Reden halten gelernt zu haben.

Wie wichtig bei „Reden wie Rosa“ nicht nur das Reden, sondern auch das Feedback ist, merkt man zum Schluss noch einmal. Es wird sich besonders viel Zeit für einzelne Feedbackreden genommen, dafür, die verschiedenen Rollen, die zu Beginn verteilt wurden, auszuwerten und die Feedbackzettel zu verteilen, die fleißig ausgefüllt wurden. Auch ich bekomme ein paar Feedbackzettel für meine kurze Rede und merke, wie schön und bestärkend es ist, eine positive Rückmeldung zu bekommen.

Sandra hält eine Rede

Ein wichtiger Raum für Frauen* wird geschaffen

Am Ende des Abends bin ich ziemlich beeindruckt. Ich bin vor allem beeindruckt von der Gruppe, ihrem wertschätzenden und offenen Umgang miteinander und von dem Mut der Frauen, eine freie Rede vor allen anderen zu halten. Ich merke, was für ein schöner und sicherer Raum mit dem Redeclub geschaffen wurde, in dem Frauen* sich ausprobieren und weiterentwickeln können, ohne Angst haben zu müssen, unterbrochen, kritisiert oder nicht ernstgenommen zu werden. Und ich merke, dass es doch gar nicht so einfach ist, eine Rede zu halten. Aber wahrscheinlich gibt es kaum einen besseren Ort für Frauen* dafür, es zu üben als „Reden wie Rosa“.

Der Redeclub „Reden wie Rosa“ findet weiterhin statt, derzeit auf Zoom.
Interessierte Frauen* mit und ohne Redeerfahrung sind jederzeit willkommen. Weitere Informationen gibt es auf unserer Webseite und auf unserer Facebook-Seite.

Nächste Termine:

Mi, 25. November, 19-21 Uhr

Mi, 9.+ 23. Dezember, 19-21 Uhr

Die „Jahrhundertfrau“ – in Abend mit der Künstlerin Gisela Stiller

Zur Ausstellung ihrer Werke im Frauenladen Paula kam Gisela Stiller zu einem Gesprächsabend.  Ihre Ausstellung ist dort noch bis zum Frühjahr 2021 zu bewundern. Dr. Helga Adler, eine frühere Leiterin des Frauenzentrums Paula Panke, interviewte sie. Es war eine gut besuchte, sehr lebendige Veranstaltung. Leider konnten wegen der Corona-Auflagen nicht alle Interessierten kommen.

Arbeit von Gisela Stiller, Foto: Gisela Stiller
Arbeit von Gisela Stiller, Foto: Gisela Stiller

92 Jahre und voller Lebensenergie

Wir waren äußerst beeindruckt von der 92-jährigen Künstlerin, sie strahlte eine große Zufriedenheit, Freundlichkeit und geistige Präsenz aus. Wir waren begeistert von ihrer sprühenden funkelnden Lebensenergie. Noch heute bewegt sich mit dem Fahrrad durch die Stadt. Was ist ihr Geheimnis? So voller Energie und positiver Haltung möchten wir auch gerne im Alter sein, sogar jetzt!


Nie den Humor verlieren


Den ganzen Abend lang war sie hellwach und teilte ihre Erinnerungen mit uns. Und immer wieder sagte sie: „Da hatte ich wieder Glück“, obwohl sie viel Schreckliches gesehen hat. Es wurde uns klar, wie selten es wird und wie wertvoll es ist, noch solche Zeitzeuginnen anzutreffen!
Sie bezeichnete sich als „Jahrhundertmensch“. Sie sagt, dass sie ihren Humor nie verlieren wird, sie sei abgeklärt – vier Gesellschaftssysteme hat sie miterlebt. Allerdings warnt sie davor, dass „die Braunen“ wiederkommen könnten. 

Faschismus – schlimmer als die Hölle


Sie ist 1928 in Nordhausen in Thüringen geboren, hat dort lange gelebt und auch jetzt bestehen Verbindungen dahin. Sie bezeichnet sich als Kind der 30iger Jahre, die sie geprägt hätten. Hinter dem Zaun ihres Hauses war eine Nebenstelle des KZ Buchenwald. Durch den Ort marschierten Zehntausende Kriegsgefangene. Zwangsarbeiter mussten im Berg geheime Waffen produzieren. Alle sahen es und wussten das. Sie war bei den „Jungmädels“, die mit auf den Endsieg hofften. In ihrer Klasse waren fünf Roma, die ermordet wurden. Wenn sie sich daran erinnert, kann sie „heute noch heulen“.

Sie kommt aus einer streng katholischen Familie und hatte als Kind Angst vor der Hölle. Während des Faschismus wurde diese Angst von noch Schlimmerem verdrängt. Im Gespräch ging es viel um diese Zeit und die Zeit nach dem Krieg, Russen und Amerikaner…Die Diskussion war geradezu turbulent.

Die Kunst – ihr drittes Leben

Ihr Vater war Architekt. Bereits als Kind malte und zeichnete sie mit Begeisterung. Ihrer Kunstlehrerin, die ihre Begabung erkannte und förderte, ist sie heute noch sehr dankbar. Sie machte eine Lehre als Buchbinderin und besuchte die Fachschule für Polygrafie. Mit einer anderen Frau zusammen baute sie eine Werkstatt zur Rehabilitation auf und arbeitete dort lange Zeit als Hauptkraft. Mit 60 Jahren ging sie in Rente und sagte: „So, jetzt mache ich etwas ganz anderes – etwas, was ich will!“ Und sie folgte ihrer Leidenschaft für Kunst und fing ihr drittes Leben an. Das kann sie jedem ans Herz legen. Dann kam auch die Zeit der Wende 1989…

Mit 75 Jahren von Thüringen nach Berlin-Weißensee


2003, mit 75 Jahren, wagt sie den Sprung nach Berlin. Entgegen mancher Prognosen fühlt sie sich in Berlin-Weißensee sehr wohl. Sie malt und tanzt und hat ein Netz von Freundschaft und Verwandtschaft um sich herum gewebt. Ihr Kindheitstraum hat sich erfüllt!  Auf unkonventionelle Art bekommt sie an der Volkshochschule eine tolle künstlerische Ausbildung, für die sie sehr dankbar ist. Ihre beiden Mentoren kamen zu unserer Veranstaltung.

Malen – viel Spaß und Sehnsucht

Die Hauptgebiete von Gisela Stiller sind Natur- und Stadtlandschaften. Sie beschäftigt sich auch intensiv mit Aktmalerei. Das kann im Frauenladen Paula ebenfalls bewundert werden. Auch wenn sie heute nicht mehr so viel malen kann, ist es für sie nach wie vor mit viel Spaß und Sehnsucht verbunden. Bei einer Ausstellung über das künstlerische Buch wurden auch ihre handwerklichen Fähigkeiten bestaunt. Sie hat das in ihrem Beruf gelernt und liebt diese Arbeit ebenfalls. Sie verkauft nichts. Sie hat schon viele ihrer Kunstwerke an die ihr lieben Menschen verschenkt und versprochen.

Auf die Frage, ob sie noch einen Traum hätte, was sie gerne malen würde, sagte sie: „Bäume und Vögel, Vögel!“