Unsere aktuellen Beratungsangebote

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Liebe Besucher*innen,


um die mögliche Verbreitung des Corona-Virus zu unterbrechen, ist das Frauenzentrum Paula Panke sowie der Frauenladen Weißensee nur eingeschränkt für den Publikumsverkehr geöffnet. Bis auf Weiteres gibt es:

  • keine Gruppen vor Ort statt – dafür einige (neue) Gruppen im ONLINE-Format, siehe hier: Aktuelle Gruppen
  • Veranstaltungen ebenfalls ausschließlich ONLINE, siehe hier: Aktuelle Veranstaltungen,
  • keine Exkursionen.

Die Sozial-, Lebens- und Rechtsberatungen finden weiterhin 1:1 vor Ort statt. Wir bitten um Terminvereinbarung zu unseren Tel.-Sprechzeiten oder per Mail.

Die Beratung und der Besuch des Frauenzentrums Paula Panke sind aktuell nur mit einem negativen Corona-Test möglich. Falls ihr kein zertifiziertes Testergebnis habt, erhaltet ihr bei uns im Vorgarten einen Selbsttest gegen Spende. Seid dafür bitte 20 Minuten vor dem Termin da. Eine telefonische Beratung ist außerdem möglich.

Beim Betreten unserer Räume gelten unsere Hygiene-Regeln.

Wir sprechen folgende Sprachen:

Englisch, Polnisch, Französisch, Finnisch, Russisch, Farsi und Dari

We talk:

English, Polish, French, Finnish, Russian, Farsi and Dari

Telefon-Hotline für geflüchtete Frauen:

dienstags von 10 Uhr – 12 Uhr

Tel. 030 / 485 47 02

Telefon-Hotline für Alleinerziehende:

mittwochs von 15.30 Uhr – 16.30 Uhr

Tel. 030 / 480 99 846


Für eine Beratung vereinbart bitte vorher einen Termine per Telefon zu folgenden Zeiten :

Standort Pankow: Tel. 030 / 485 47 02
Mo: 10.00 – 12.00 Uhr
Di: 16.00 – 18.00 Uhr
Do: 10.00 – 12.00 Uhr

An unserem Standort in Weißensee berät dich unsere Mitarbeiterin in folgenden Zeiten:

Standort Weißensee Tel. 030 / 96 06 37 61

Mo: 14.00 – 16.00 Uhr
Di: 15.00 – 17.00 Uhr
Do: 10.00 – 13.00 Uhr

Wir sind mit dabei: 15. – 28. März 2021

Pankow-gegen-Rassismus

Viele wollen uns unterstützen

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Hier können Sie unser Programm 03/04/05 2021 herunterladen:

Im FrauenMärz 2021 gibt es von Pankower Frauenprojekten wieder viele interessante Veranstaltungen:

Paulas Lese-Tipp: Eine Berliner Busfahrerin erzählt

Hansa-Titel, Foto: Paula Panke
Das Buch aus dem Hanser-Verlag,
Foto: Paula Panke

„Wenn Frauen in Männer-Domänen vordringen“ – so könnte auch der Titel dieses Buches von Susanne Schmidt heißen, die ihre Erlebnisse als Berliner Busfahrerin aufgeschrieben hat. Es heißt jedoch: „Machen Sie mal zügig die Mitteltür frei“ – denn das ist einer der häufigsten Sätze, die sie in ihrem Berufsleben als Busfahrerin gesagt hat. Ohne ‚bitte‘ natürlich, sonst wirkt das in Berlin nicht.

Susanne Schmidt erzählt von der Schönheit des Berufs und den vielen berührenden bis wundersamen Begegnungen mit ihren Fahrgästen. Sicher wäre sie bis zur Rente Busfahrerin und damit eine der König*innen der Straße geblieben, wären da nicht die langsamen Mühlen einer seit dreißig Jahren mahlenden Männer-Domäne gewesen.

Überrascht von dem Aufruf der BVG, gezielt Frauen über 50 Jahren zu Busfahrerinnen auszubilden, hatte sie sich neugierig für den Neustart entschieden. In kurzer Zeit lernte sie viel über Busse, Technik und Tarife.

Sie erzählt von dem Widerwillen einiger Lehrer der Verkehrsakademie, Frauen auszubilden, von dem festen Glauben eines Fahrlehrers, dass Frauen unmöglich ihm ebenbürtig Kurven im Kreisverkehr lenken können bis hin zu offener Ablehnung: „Viele Busfahrer fühlten sich allein von dem geplanten Anstieg an Kolleginnen bedroht.“

Die Geschäftsleitung der BVG hatte offensichtlich beschlossen, die gesetzliche vorgeschriebene Frauenquote mal anzugehen, jedoch ohne alle Beteiligten mitzunehmen und die Arbeitsbedingungen anzupassen. Das fängt an bei dem Essensangebot in der Kantine (Kartoffelsalat, Pommes, Schnitzel) über fehlende Toiletten für Frauen – in der Verkehrsakademie und vor allem unterwegs – bis hin zu im doppelten Sinne des Wortes unterirdischen Pausenräumen für die Busfahrer*innen.

Lese-Tipp weil:

Bitte unbedingt lesen! Das Buch ist nicht nur unterhaltsam, weil direkt aus dem Leben gegriffen, sondern verlangt dem Leser im Nachhinein Hochachtung für die Busfahrer*innen ab, die uns rund um die Uhr sicher durch den dicksten Verkehr lenken und dabei mit den skurrilsten sozialen Situationen fertig werden müssen. Klar ist auch: mehr Busfahrerinnen und damit Veränderung im System BVG würde auch das Leben der Busfahrer viel schöner machen.

Bildungsreihe 2021/2022: „Feministisch in die Zukunft“

Feministisch in die Zukunft - Logo: Xuehka
Feministisch in die Zukunft – Logo: Xuehka

Wie sehen feministische Zukunftsvisionen aus? Wie können gerade in schwierigen Zeiten neue Wege und Formen von feministischer Solidarität entdeckt werden? Wie können Brücken zu anderen Bewegungen wie beispielsweise der Klimabewegung geschlagen werden? Und was können wir aus der Vergangenheit mitnehmen und lernen?

Diese und viele weitere Fragen möchten wir in unserer neuen Bildungsreihe mit dem Titel „Feministisch in die Zukunft“ in den Blick nehmen. Ab März werden wir uns in den kommenden zwei Jahren in Form von Diskussionsrunden, Workshops, Lesungen und vielen weiteren Formaten den Aspekten einer feministischen Zukunft widmen. Gemeinsam wollen wir uns weiterbilden, uns austauschen, eigene Ideen entwickeln und umsetzen.

Wir sind der Meinung, dass der Weg in die Zukunft feministisch sein muss. Denn ganz gleich ob die Klimakrise, Frauen- und LGBTIQ*-Feindlichkeit, rechtsradikale Strömungen, Rassismus oder andere Formen struktureller Diskriminierung: Immer steckt auch ein patriarchalisch-hierarchischer Machtanspruch dahinter. Genau diese Machtansprüche und die mit ihnen einhergehenden Ausbeutungs- und Unterdrückungsformen gilt es sichtbar zu machen und zu bekämpfen, um unsere Zukunftsvision einer gerechten und lebenswerten Welt für alle Realität werden zu lassen.

Für uns ist klar: Eine feministische Zukunft ist divers, intersektional und anti-rassistisch, muss generationenübergreifend und interkulturell gedacht werden. Ohne das Einbeziehen verschiedener Erfahrungen und Identitäten kann sie nicht funktionieren. Gerade im Austausch mit Menschen unterschiedlicher Generationen, Lebensrealitäten und Diskriminierungserfahrungen entstehen neue Ideen und können Kämpfe verbunden werden. Das stärkt nicht nur die Solidarität, sondern bündelt und vereint auch Kräfte und Ressourcen im Kampf für eine gerechtere Zukunft.

In der Vergangenheit wurden schon viele wichtige Errungenschaften auf dem Weg zu einer Gleichstellung aller Menschen erzielt. Darum wollen wir in unserer neuen Bildungsreihe nicht nur in die Zukunft schauen, sondern auch die Vergangenheit und die Gegenwart miteinbeziehen und von unseren Vordenker*innen und Wegbereiter*innen lernen.

Feministisch in die Zukunft zu blicken bedeutet auch, einen tiefgreifenden, sozial-ökologischen Wandel anzustreben und die Klimakrise als soziale Krise und Teil des patriarchalen Systems zu betrachten. In unserer Bildungsreihe möchten wir daher auch ein besonderes Augenmerk auf die Verknüpfung von Feminismus und Klimagerechtigkeit werfen.

Wir freuen uns darauf, all diese Aspekte in den nächsten zwei Jahren näher zu beleuchten und gemeinsam mit euch feministisch in die Zukunft zu starten!

Gutes Wetter, harte Zeiten – für den Feminismus streiten!

Unsere Eindrücke von der Demo der Alliance of International Feminists am 8. März 2021 – von Linda Ann Davis

Am 8. März, dem feministischen Kampftag, war so einiges los in Berlin. Wir von Paula Panke e.V. waren nicht nur in unserem Frauentags-TV (hier verlinken) und bei unserer LassPlatzen-Aktion (auch verlinken) zu sehen, sondern auch auf der Demo der Alliance of International Feminists dabei, die um 14 Uhr vor dem Brandenburger Tor startete.

Demo 8. März 2021, Foto: Paula Panke
Demo 8. März 2021
Foto: Paula Panke

Eine Demo für alle Frauen, trans und inter Personen

Obwohl es am 8. März zahlreiche Aktionen gab, war das neben der großen Kundgebung um 11 Uhr die einzige große Demonstration, die an diesem Tag stattfinden konnte. Umso wichtiger, dass diese Demo nicht nur für alle Frauen, trans und inter Personen, sondern ganz besonders alle trans Frauen, Frauen der Arbeiterklasse, geflüchtete Frauen, schwarze Frauen, indigene Frauen, Frauen of Color und behinderte Frauen war. Cis-Männer waren explizit ausgeladen, da es bei der Demo um die gemeinsamen Erfahrungen von FLINTA* (d.h. Frauen, Lesben, Inter, Trans, Asexuals) und das Bündeln von deren Kräften gehen sollte. Cis-Männer wurden aufgefordert, sich auf andere Weisen gegen Gewalt an Frauen zu beteiligen.

Große Demo – unter Einhaltung der Hygieneregeln

Bei strahlendem Sonnenschein standen wir also um 14 Uhr in der Nähe des Brandenburger Tors. Nach und nach füllte sich der gesamte Platz und die Straße so weit, dass ein Ende der Menschenmenge nicht mehr zu erkennen war. Überwiegend junge Menschen waren zu sehen. Viele hatten Schilder mit kreativen Sprüchen, aber auch mit Namen ermordeter Frauen dabei, die zusätzlich auf die mangelnde Aufklärung dieser Morde aufmerksam machten. Die Stimmung war gut. Alle schienen sich zu freuen, dass sie nach so langer Zeit wieder an einer Demonstration teilnehmen konnten. Auch ich war schon lange nicht mehr bei einer so großen Veranstaltung gewesen und fühlte mich anfangs fast ein wenig unsicher. Ich war froh, dass sich ausnahmslos alle an die Maskenpflicht und die weiteren Hygieneregeln hielten.

Über einen Lautsprecher ertönte Musik und Redebeiträge der Veranstalterinnen. Auch sie betonten neben den geltenden Hygieneregeln noch einmal, wie wichtig ein intersektionaler Feminismus ist, der Mehrfachdiskriminierung aufdeckt und der die Erfahrungen unterschiedlicher FLINTA* in den Blick nimmt. Mit lautem Klatschen stimmte ihnen die Menschenmenge zu.

Gemeinsames Handeln ist wichtig

Die Veranstalterinnen der Demo machten noch einmal deutlich, dass nicht alle Frauen gleichermaßen von Sexismus und Diskriminierung betroffen sind und es ganz verschiedene Erfahrungen und Formen der Diskriminierung gibt. Aber gleichzeitig machten sie auch klar, dass wir alle zusammenhalten und gemeinsam für unsere Rechte und für Gleichstellung auf die Straße gehen müssen.

Viel Aufmerksamkeit für feministische Themen

Die Demonstration von über 10.000 Menschen in Gang zu bringen war gar nicht so einfach, aber nach einer Weile begannen wir singend und rufend unsere Route, die über Unter den Linden und Friedrichstraße bis zum Pergamonmuseum führte. Rufe wie „Our bodies, our choice – raise your voice“ und „Gegen Macker und Sexisten – Fight the Power, Fight the System!” waren zu hören. Viele Passant*innen blieben stehen, drehten sich nach uns um, wir sorgten eindeutig für viel Aufmerksamkeit.

8. März ist jeden Tag

Die Stimmung blieb die gesamte Zeit ausgelassen und trotzdem friedlich, obwohl es um so wichtige und ernste Themen wie Gewalt an Frauen, Femizide, Sexismus und das Abtreibungsverbot ging. Die große Anzahl an FLINTA*-Personen, die hier zusammenkam, die gemeinsamen Ziele, das gute Wetter und die Freude, endlich wieder die politischen Forderungen auf die Straße bringen zu können, sorgten für ein schönes Gemeinschaftsgefühl, das entstand. Ich fühlte mich mit meinen Mitstreiter*innen verbunden und merkte, was für eine Kraft und Stärke von uns ausging und was alles bewirkt werden könnte, wenn wir unsere Kämpfe verbinden und zusammen für die Abschaffung des Patriarchats kämpfen.

Auf vielen Plakaten war auch der Spruch „8. März ist jeden Tag“ zu lesen – das stimmt. Wir müssen jeden Tag für unsere Ziele kämpfen, uns jeden Tag miteinander vernetzen und uns gegenseitig unterstützen. Nicht nur am 8. März, sondern auch an den restlichen 364 Tagen des Jahres ist feministischer Kampftag! Das machte die Demonstration am 8. März noch einmal deutlich.

Berliner Frauenpreis 2021 für Astrid Landero

In diesem Jahr wurde der Berliner Frauenpreis an Astrid Landero, unsere ehemalige Geschäftsführerin und Leiterin des Frauenzentrums Paula Panke, verliehen. Wir freuen uns besonders, dass endlich einmal einer Frau aus dem Osten des Landes dieser Preis verliehen wird.

In der Begründung der Senatsverwaltung heißt es:

„Ich freue mich, dass wir mit Astrid Landero eine Frau auszeichnen, die sich seit Jahrzehnten für die Gleichstellung von Frauen einsetzt – mit einem ganzheitlichen Ansatz und auf ganz unterschiedlichen Ebenen”, schreibt Gleichstellungssenatorin Dilek Kalayci in der Pressemeldung.
Hier geht es zu der gesamten Meldung

⁠⁠Wir freuen uns riesig über diese Ehrung und sagen:

HERZLICHEN GLÜCKWUNSCH, liebe Astrid!⁠⁠

Wir danken ihr für ihren unermüdlichen Einsatz nicht nur für die Gleichstellung der Frauen, sondern aller Menschen, besonders aber als Streiterin für Frauenrechte mit Herz und Menschlichkeit. Sie ist feministische Vordenkerin und schafft es durch ihre Art, die Generationen zu verbinden.⁠⁠

Liebe Astrid, wir freuen uns, dich weiter an unserer Seite zu wissen und gemeinsam den Weg in eine feministische Zukunft zu bereiten und zu beschreiten.

Zwei neue Online-Gruppen bei Paula Panke

Wir freuen uns, dass ab März 2021 bei Paula Panke zwei neue Online-Gruppen starten!


Künftig findet jeden 1. und 3. Freitag im Monat unser Frauentreff „Kaffee und Kiez“ statt, jeden 2. und 4. Freitag im Monat unser Sprachtreff „Zu Gast bei Masi“. Zunächst treffen wir uns mit beiden Gruppen online auf Zoom, hoffentlich aber irgendwann auch vor Ort.

Die letzten Monate waren durch die Corona-Pandemie für viele schwierig und einige haben sicherlich mit Isolation, Einsamkeit und der Einschränkung sozialer Kontakte zu kämpfen. Dagegen möchten wir etwas tun und nicht warten, bis Treffen vor Ort wieder möglich sind. Deshalb haben wir unsere zwei neuen Online-Gruppen ins Leben gerufen. Wir möchten euch damit den Raum geben, euch trotz der Corona-Beschränkungen in entspannter Atmosphäre auszutauschen, zu unterhalten, neue Kontakte zu knüpfen und alte zu festigen. Denn auch über Zoom können tolle Gespräche, Bekanntschaften und Diskussionen entstehen, das haben wir im letzten Jahr eindeutig gelernt.

Online-Frauentreff “Kaffee & Kiez”

Fr., 5. März 2021 – 15.00-16.30 Uhr
(dann jeden 1. + 3. Freitag im Monat von 15.00 – 16.30 Uhr)

Teilnahme kostenfrei | Anmeldung: gruppen@paula-panke.de

Wir freuen uns, dass bereits diesen Freitag, den 5. März, der neue Online-Frauentreff „Kaffee und Kiez“ startet. In gemütlicher Runde möchten wir hier bei einem Heißgetränk von zu Hause aus über verschiedene Themen ins Gespräch kommen. In unserem ersten Treffen wollen wir uns über unsere Lieblingsfilme austauschen und neue Ideen für unseren nächsten Lockdown-Filmabend sammeln. Natürlich sind wir auch offen für eure Ideen und freuen uns auf den Austausch über die Themen, die euch gerade bewegen! Themenwünsche für die folgenden Treffen sind ebenfalls immer willkommen.

Online-Sprachtreff “Zu Gast bei Masi”

Fr., 12. März 2021 – 15.00-16.30 Uhr
(dann jeden 2. + 4. Freitag im Monat von 15.00 – 16.30 Uhr)

Teilnahme kostenfrei | Anmeldung: gruppen@paula-panke.de

Nächste Woche, am 12. März startet unser Sprachtreff „Zu Gast bei Masi“. Der Sprachtreff ist für alle Frauen, die Lust haben, ihr Deutsch zu verbessern, oder die gerne andere Frauen beim Deutsch lernen unterstützen möchten. Wir wollen uns dabei über interessante Themen austauschen und voneinander lernen. Wir freuen uns auf viele neue Gesichter und neue Ideen! Ganz egal, welche Sprache eure Muttersprache ist, alle Frauen sind herzlich willkommen, teilzunehmen und sich einzubringen.

Für sowohl den Frauentreff „Kaffee und Kiez“ als auch den Sprachtreff könnt ihr euch unter gruppen@paula-panke.de anmelden. Nach der Anmeldung erhaltet ihr den Zoom-Link, über den ihr an den Treffen teilnehmen könnt.

Wir freuen uns auf euch!

Zum Frauentag : berlinweite Aktion #LassPlatzen

Am 8. März um 12 Uhr lassen wir es nachhaltig platzen!

Zum Internationalen Frauentag rufen wir alle Berliner*innen auf, am Ort ihrer Wahl Hindernisse platzen zu lassen, die den Weg zur Gleichstellung blockieren.

  • Blast Luftballons, Papiertüten oder ausgediente Verpackungen auf!
  • Beschriftet sie mit allem, was eurer Meinung nach weg muss:
    Ungleiche Bezahlung, Gewalt gegen Frauen, § 218, das Patriarchat …
  • und alles, was sonst noch dringend wegmuss! und…
    LASST ES PLATZEN!!
  • Ladet eurer Video von der Platzaktion mit den Hashtags
    #LassPlatzen und #FrauenMaerzBerlin bei Instagram, Facebook und/oder Twitter hoch.
  • Räumt der Umwelt zuliebe bitte hinterher alle Reste weg.

Wir sagen es laut: #LassPlatzen!

Für das Video danken wir Kirsten Wechslberger

Danke fürs Mitmachen bei #LassPlatzen

Video-Schnitt: Kirsten Wechslberger

Frauentags-TV zum 8. März 2021 bei Paula Panke

von Linda Davis

Dieses Jahr war der Frauentag ganz anders als sonst. Coronabedingt konnten keine großen Demonstrationen oder Veranstaltungen vor Ort stattfinden. Um dennoch unseren politischen Forderungen Raum zu geben, fand bei Paula Panke e.V. unser erstes Frauentags-TV statt. In drei Panels sprachen wir live auf YouTube mit verschiedenen Referent*innen über Themen, die uns und unsere Gesellschaft aktuell bewegen und diskutierten mit den Zuschauer*innen per Chat.

Panel 1: Gleichstellung und Klimaschutz

>> im Youtube-Video ab: 0:01:20 Std.

Im Eröffnungs-Panel ging es um „Gleichstellung und Klimaschutz“. Mit Stephanie Wittenburg, der neuen Pankower Gleichstellungsbeauftragten und Angelika Haaser, der neuen Klimaschutzbeauftragen des Bezirksamts Pankow, sprach unsere Mitfrau und Klimaaktivistin Linda Ann Davis unter anderem darüber, wieso Klimaschutz und Geschlechtergerechtigkeit zusammen gedacht werden müssen und welche konkreten Ideen und Projekte in Pankow in Planung sind.

Es geht um einen gemeinsamen Kampf für Gerechtigkeit

Beide Referentinnen betonen, dass sowohl der Klimabewegung als auch der Frauenbewegung ein tiefes Gerechtigkeitsempfinden zugrunde liege und dass es immer um eine gerechte Verteilung von Ressourcen gehe. Beispielsweise seien finanzielle Ressourcen immer noch ungleich verteilt. Da Frauen heutzutage immer noch öfter Care-Arbeit übernehmen, verfügen Männer meist über größere finanzielle Ressourcen. Und obwohl Frauen häufiger und stärker von den Folgen des Klimawandels betroffen sind, seien sie durch mangelnde finanzielle Ressourcen gleichzeitig schlechter in der Lage, auf den Klimawandel zu reagieren, erklärt Angelika Haaser.

Beide Referentinnen sind sich einig, dass es im Hinblick auf die Klimakrise also nicht nur um Klima- oder Umweltschutz geht, sondern vorrangig darum, Ungerechtigkeiten aufzudecken und gerechte Verhältnisse zu schaffen.

Macht-Ressourcen müssen neu verteilt werden

Dass neben finanziellen Ressourcen auch Macht-Ressourcen eine große Rolle im Kampf gegen den Klimawandel spielen, macht Stephanie Wittenburg deutlich. „Es geht immer darum, dass möglichst viele Menschen mit unterschiedlichen Perspektiven am Tisch sitzen sollten, damit bestimmte Blickwinkel in der Diskussion nicht hintenüberfallen,“ erklärt sie. Dies sei allerdings bisher noch nicht der Fall. Die meisten Entscheidungsposten werden immer noch von weißen Männern besetzt, welche somit nicht nur über mehr finanzielle Ressourcen, sondern auch über mehr Macht-Ressourcen verfügen. Diese ungleiche Verteilung gilt es im gemeinsamen Kampf gegen die Klimakrise und für die Gleichstellung aller Geschlechter aufzubrechen.

Vor allem Frauen sorgen sich um das Klima

Auffällig ist, dass besonders viele junge Frauen in der Klimabewegung zu sehen sind. Dies könne, so Angelika, damit erklärt werden, dass der Gedanke, etwas zu schützen oder sich um etwas zu kümmern, mehr mit Frauen in Verbindung gebracht wird.  Stephanie ergänzt, dass dies vor allem eine Frage der Sozialisation ist: „Es geht um Rollenzuschreibungen und Geschlechterstereotype. Frauen wird das Sich-Sorgen um die Umwelt zum einen und zum anderen das Sich-Sorgen um das Konsumverhalten  häufiger zugesprochen.“

Klimagerechtigkeit statt Klimaschutz!

Gerade wegen der sozialen Aspekte beim Thema Klima gibt es viele Bestrebungen, nicht von Klimaschutz, sondern von Klimagerechtigkeit zu sprechen. Angelika betont, dass der Begriff Klimaschutz zwar geläufiger ist, allerdings auch irreführend sein kann, da es eigentlich nicht darum geht, das Klima zu schützen, sondern unsere eigene Lebensgrundlage.

Der Begriff Klimagerechtigkeit sensibilisiert zudem dafür, dass es um hier ein globales Neudenken von gesellschaftlichen Verhältnissen geht. Der Feminismus, der dahintersteht, müsse zwingend intersektional sein, betont Stephanie Wittenburg. Probleme könnten nicht isoliert voneinander betrachtet werden. Dabei sei auch ein wichtiger Motor für die Klimabewegung, dass sie generationenübergreifend ist. Alle Generationen müssten sich gemeinsam Gedanken darüber machen, was es für die nachkommenden Generationen bedeutet, wenn wir mit dem kapitalistischen Wirtschaftssystem so weitermachen wie bisher.

Klimaschutz und Gleichstellung ist wichtig für die Stadtentwicklung

Dass die Themen Klimaschutz und Gleichstellung auch ganz konkret eine wichtige Rolle in der Stadtplanung und in den Bereichen Wohnen und Mobilität spielen, macht Angelika Haaser deutlich. Dabei sei es besonders wichtig die Infrastruktur zu stärken. In Pankow geschehe dies aktuell beispielsweise dadurch, dass über die Webseite www.flotte.de bald zehn Lastenräder für eine begrenzte Zeit kostenlos ausgeliehen werden können.

In Bezug auf das Thema Mobilität zeigt Stephanie Wittenburg auf, dass Männer und Frauen häufig die Stadt ganz anders nutzen. Für Frauen, die nach wie vor öfter die Care-Arbeit übernehmen, entstünden deswegen oft ganz andere Wege in der Stadt. Dies sei grafisch auch sehr eindrücklich feststellbar, beispielsweise bei einer Studie, die in der Stadt Wien durchgeführt wurde. Das Thema „Genderplanning“ sei daher bei der Stadtplanung ebenso wichtig wie Umweltaspekte.

Mehr Bürger*innenbeteiligung ist gefragt

Damit dies auch geschehe, sei zudem die Beteilung und das Einbringen von verschiedenen Perspektiven sehr wichtig. In Pankow ist dies momentan möglich, da alle Bürger*innen Pankows noch bis zum 31. März Vorschläge für den neuen Bürger*innen Haushalt einreichen können. Lediglich ein Formular mit der eigenen Idee oder einem konkreten Vorschlag muss dafür ausgefüllt und abgegeben werden.

Beide Referentinnen sind sich einig, dass auch in der Zukunft Klimaschutz und Gleichstellung zusammen angegangen werden muss. Dieses Gespräch könne dabei als gelungener Auftakt für eine weitere Zusammenarbeit in Pankow gesehen werden kann.

Panel 2: Gewalt und Täter*innen-Arbeit

>> im Youtube-Video ab: 1:59:25 Std.

Im zweiten Panel mit dem Titel „Gewalt und Täter*innen-Arbeit” waren Natasza Toczek und Till Majewski von dem Projekt „Stop-Stalking“ zu Gast, um mit Inga Ries über ihre Arbeit zu sprechen.

Till Majewski ist Sozialarbeiter im Projekt Stop Stalking des Vereins selbst.bestimmt e.V. und berät dort Menschen, die gestalkt werden oder die selbst stalken. Natasza Toczek ist Psychologin und systemische Familientherapeutin und arbeitet als psychologische Beraterin bei Stop Stalking.

Was ist eigentlich Stalking?

Zum Beginn des Gesprächs erklärt Natasza zunächst, was Stalking überhaupt ist: Darunter wird ein wiederholtes und beabsichtigtes Verfolgen und Belästigen einer anderen Person verstanden, welches die Sicherheit der Person bedroht und sie schwerwiegend in ihrer Lebensgestaltung beeinträchtigt. Eine starke Fixierung, sowohl in Gedanken als auch emotional auf eine andere Person, geht damit einher. Stalking äußert sich meist durch Kontaktaufnahme, Belästigung und Näherungsversuche, konkret auf eine Person bezogen und stellt immer ein Überschreiten ihrer sozialen Grenzen dar. Stalking schafft immer eine Beziehung, wo keine Beziehung mehr ist oder auch nie eine entstanden wäre. „Das Wesentliche dabei ist, dass die andere Person sich klar abgegrenzt hat und auch klar kommuniziert hat, dass sie keinen Kontakt mehr möchte,“ ergänzt Till.

Stalking hat verschiedene Formen

Es gibt verschiedene Formen von Stalking erklärt Natasza. Ganz klassisch kann das zum Beispiel eine Person sein, die ihre*n Ex-Partner*in stalkt. Aber es kann sich auch um einen Bekannten handeln, der anfängt, eine einseitige Beziehung aufzubauen oder um Personen, die nicht die sozialen Kompetenzen haben, eine normale Beziehung aufzubauen. Auch rachsüchtiges Stalking kann vorkommen, beispielsweise gegenüber einer Ärztin oder einem Therapeuten.

Was hat Stalking mit patriarchalen Strukturen und Rollenzuschreibungen zu tun?

Till erzählt, dass zu Stop Stalking sowohl Betroffene als auch Täter*innen kommen. 80% der Stalker sind dabei Männer und nur 20% Frauen. Umgekehrt sind 20% der Betroffenen Männer und 80% Frauen. Diese Verteilung hat auch viele gesellschaftliche Hintergründe. Till erläutert, dass dies mit der geschlechtlichen Sozialisierung und mit Tendenzen, die mit der Struktur der patriarchalen Gesellschaft zu tun haben, zusammenhängt. „Jungs und Männer lernen eher, dass Hartnäckigkeit und Beharrlichkeit etwas Heldenhaftes sind. wo man Leistung zeigt. Stalker sehen sich oft als Helden der Liebe.“  Auf der anderen Seite gebe es aber auch 20% Täter*innen. Wenn Mädchen von klein auf immer hören, dass ein gelingendes Leben bedeutet, dass man einen Partner, eine Ehe hat, die gelingt, dann könne eine Fixierung auf den Partner und die Partnerschaft entstehen, erklärt Till. Stalking hat somit viel mit den patriarchalen Strukturen und wie wir vergeschlechtlicht werden zu tun.  Darum sei es besonders wichtig, diese Geschlechterrollen und -zuschreibungen zu hinterfragen und aufzubrechen.

Auch in der Tatsache, dass sich überdurchschnittlich viele Täterinnen beraten lassen, sieht Till die Gründe in unterschiedlichen Prozessen der Vergeschlechtlichung. Frauen seien öfter dazu angehalten, empathisch zu sein und daher auch Abgrenzungen ernster zu nehmen und problematisches Verhalten selbst zu erkennen und zu reflektieren. Ein großes Problem sei insgesamt, dass Jungs öfter zu hören bekommen, dass, wenn sie ein Nein von Mädchen bekommen, sie am Ball bleiben müssen und ein Nein vielleicht gar kein Nein bedeutet. Mädchen wird eher beigebracht, zurückhaltend zu sein. Natasza ergänzt, dass viele Klienten eine Trennung von der Partnerin als starke Kränkung für ihre Person wahrnehmen und durch fehlende Kompetenz, mit Krisen umzugehen und eigene Gefühle wahrzunehmen, in den ersten Phasen der Trennung hängenbleiben.

Freiwilligkeit ist besonders wichtig für eine erfolgreiche Beratung / Gute Täterarbeit ist der beste Opferschutz

Bei der Arbeit mit Täter*innen ist Freiwilligkeit ein wichtiger Begriff, das betonen beide Referent*innen. Zwar kommen nicht alle freiwillig zur Beratung, sondern werden manchmal auch von der Staatsanwaltschaft oder vom Gericht verwiesen. Für den Erfolg einer Beratung ist es aber essenziell wichtig, dass die Person sich darauf einlässt. Häufig gelingt es auch, dass gewiesene Patienten den Zwangskontext für sich zu einer freiwilligen Beratung umgestalten. „Die meisten Klienten, die gewiesen sind, sehen sich zunächst als Opfer. Es ist wichtig, zunächst klarzumachen, dass es sich um Täterschaft handelt“, betont Natasza. Gerade bei Männern, wo das Opfersein hoch problematisiert wird, sei es wichtig, den Raum so zu gestalten, dass sie mit den Opferanteilen ankommen können. Nur so sei es möglich, das Verhalten in eine andere Richtung zu lenken. Gute Täterarbeit sei somit auch der beste Opferschutz. Es geht auch darum zu verstehen, was dieses Verhalten bedingt. Verstehen ist dabei, wie Till bemerkt, nicht zu verwechseln mit Verständnis. „Es geht nicht darum, die Taten zu relativieren, sondern darum, das Verhalten zu verstehen, um es zu ändern.“

Stalking während der Coronapandemie

Auf die Frage, ob sich während der Pandemiezeit andere oder neue Probleme gezeigt haben, bemerkt Natasza, dass es nun mehr Konflikte in der Nachbarschaft gibt. „Im Moment entstehen oft Dynamiken, die Menschen schnell als Stalking verstehen. Das hat damit zu tun, dass Menschen sehr viel zuhause sind und auch mehr belastet und sensibler sind.“
Ein weiteres Problem sei, dass viele Ressourcen wegbrechen, die den Opfern eine Pause oder Auszeit vom Stalking geben wie Treffen mit Freund*innen. Auch in der Beratung habe die Coronakrise einige Veränderungen gebracht, da nun viel Beratung per Telefon oder Video stattfinden muss.

Gewaltvolle Strukturen und herrschende Geschlechterrollen müssen überwunden werden

Für die Zukunft wünscht sich Natasza, dass eine noch bessere Beratung für die Betroffenen angeboten werden kann und dass auch die Unerreichten erreicht werden können. Auch hofft sie, dass herrschende Geschlechterrollen aufgebrochen werden. „Mein Traum ist, dass Männer sich nicht dadurch definieren, dass sie sich von Frauen abgrenzen und Dominanz ausleben müssen, um sich männlich zu fühlen und dass Frauen sich nicht durch die Augen der Männer bewerten, sondern dass alle in sich und für sich stehen.“

Auch Till wünscht sich, dass gewaltvolle Strukturen wie das Patriarchat völlig überwunden werden können und diese nach und nach immer mehr aus den Köpfen und Herzen herausgebracht werden. Auch möchte er, dass es möglich wird, weniger stigmatisierend auf Täter*innen zu blicken, damit es ihnen leichter fällt, sich Hilfe zu suchen.

Panel 3: Geschlechtergerechtigkeit in der Corona-Krise und Abschaffung des § 218

>> im Youtube-Video ab: 3:59:37 Std.

Im dritten und letzten Panel unseres Frauentags-TV unterhielten sich Tannaz Falaknaz, gleichstellungspolitische Sprecherin der SPD-Fraktion in Pankow und Ulrike Rosensky von der Arbeitsgemeinschaft der SPD-Frauen (ASF) in Pankow mit Kathrin Möller von Paula Panke über Geschlechtergerechtigkeit in der Corona-Krise und Abschaffung des § 218.

Wie ist es aktuell um die Gleichstellung bestellt?

Auf die Eingangsfrage, wie es um die Gleichstellung aller Geschlechter im Moment bestellt ist und was aktuell noch zu tun ist, antwortet Tannaz Falaknaz zunächst, dass es auch darum geht, sich zu fragen, woran wir Erfolg und Fortschritt messen. Da sie selbst aus dem Iran kommt, weiß sie ganz besonders, dass Gleichstellung eine Sache der Perspektive ist. Dies bedeutet aber nicht, dass wir in Deutschland schon genug getan haben. Ulrike Rosensky betont, wie wichtig eine gerechte Verteilung in den Parlamenten für eine echte Gleichstellung ist, denn nur Frauen können sich auch für Frauen einsetzen. Ebenfalls sieht sie es als eine der Hauptaufgaben, Alltagssexismus zu bekämpfen und aufzulösen und beispielsweise Frauen nicht immer auf ihr Äußeres zu reduzieren: „Es gehört auch zum Feminismus, dass man so auftreten kann, wie man ist“.

Dass auf dem Weg zu einer gerechten Verteilung in den Parlamenten Parität eine wichtige Rolle spielt, erklärt Tannaz: „Die Parität ist dafür da, Strukturen zu überdenken und führt zu einem Umdenken. Alte weiße Männer sind nicht mein Feindbild, sondern ein Synonym für ein Immer-weiter-so“.

Die Coronakrise hat die Defizite noch verschärft

Gemeinsam schauen die Referent*innen auch auf die Coronakrise im Hinblick auf die Situation von Frauen. Tannaz betont, dass die Defizite, die schon da sind, durch Corona noch präsenter werden und sich verschärfen. „Eigentlich sind Frauen die großen Verliererinnen der Krise“ sagt sie. Dies zeige sich vor allem in der Vereinbarkeit von Beruf, Kindererziehung und Haushalt, die durch Home-Schooling und Home-Office deutlich erschwert werde. Auch erleben mehr Frauen nun häusliche Gewalt und gleichzeitig werden weniger Menschen darauf aufmerksam. Auch die digitale Gewalt nehme in der Coronakrise deutlich zu da sich sehr viele Lebensbereiche ins Digitale verschoben haben. Tannaz bemängelt, dass hier noch nicht genug Beistand von unserem Rechtsstaat und keine ausreichenden Beratungsangebote zum Thema digitale Gewalt vorhanden seien.

Gerade in Bezug auf häusliche Gewalt betont Ulrike, dass nun noch mehr eine Sensibilisierung der Nachbarschaft gefragt sei und die Solidarität und Aufmerksamkeit wachsen müsse. Ein weiteres Problem der Coronakrise sei, dass viele Frauen in alte Rollenbilder zurückfallen und sich allein um Kinder und Haushalt kümmern müssen.

Wie können Alleinerziehende und ältere Frauen unterstützt werden?

Auf die Frage, was es für konkrete Ideen gibt, um die Krise besonders für Alleinerziehende und ältere Frauen besser zu bewältigen, ist Tannaz zufolge vor allem der Ausbau von Betreuungsangeboten und KiTa-Plätzen wichtig. „Sich politisch zu engagieren mit kleinen Kindern ist fast unmöglich. Auch da braucht es staatliche Unterstützung, die Kinderbetreuung zur Verfügung stellt, dass Frauen sich politisch engagieren können,“ erklärt sie. Gleichzeitig sei es ebenso wichtig, ein Lohntransparenzgesetz zu implementieren und dafür zu sorgen, dass gleicher Lohn für gleiche Arbeit gezahlt wird. Auch müssten Frauen bessere Möglichkeiten erhalten, in Führungspositionen zu gelangen, um eine bessere Verteilung der Sorge- und Fürsorgearbeit zu erreichen.

In Bezug auf ältere Frauen sieht Ulrike vor allem die Einsamkeit als großes Problem. Hierfür sei es wichtig, mit verschiedenen Akteur*innen an einem runden Tisch zusammenzukommen und nach Lösungen zu suchen. Gemeinsame Telefonkonferenzen und Schulungen für die digitale Kompetenz für ältere Menschen könnten erste Lösungsansätze sein, um die Einsamkeit und Isoliertheit zu mindern.

Der globale, feministische Kampf um legale Schwangerschaftsabbrüche

Neben der aktuellen Coronakrise und ihrer Auswirkung auf Frauen sind nach wie vor die Paragraphen 218 und 219a ein wichtiges Thema auf dem Weg zur Gleichstellung. Ulrike erklärt, dass durch § 218  ein Schwangerschaftsabbruch in Deutschland immer noch eine Straftat ist. In Polen wurden die Gesetze dahingehend nochmals verschärft. Das Thema ist also ein globales, feministisches Anliegen. „Mein Bauch gehört mir! Ich entscheide darüber, ob ich ein Kind zur Welt bringen möchte oder nicht. Dass der Staat da so massiv eingreift, ist völlig unverständlich,“ macht Ulrike deutlich. Eigentlich müsste noch viel mehr dagegen gekämpft werden. Die Entwicklungen in Polen zeigen, dass in vielen Ländern ein Trend in Richtung Rechtspopulismus auszumachen ist.  

„Uns kann nicht egal sein, was in Polen passiert“, betont Tannaz und macht deutlich, wie wichtig es ist, dass sich demokratische Kräfte nun zusammentun: „Gerade in einer globalisierten Welt können sich Gedanken und Wertvorstellungen rasant verbreiten. Wir müssen aufpassen, dass die Entwicklung, die wir in den nächsten Jahren machen wollen, nicht zu Rückschritten führen. Da liegt es gerade auch an uns Frauen, uns politisch einzubringen. Wenn es darum geht, gegen rechts zu kämpfen, müssen wir uns zusammentun. Wir sind immer am stärksten, wenn wir uns gemeinsam gegen eine Sache verbünden“.

Wünsche für eine feministische Zukunft

Am Ende des Gesprächs kommen die Referentinnen noch auf ihre Wünsche für eine feministische Zukunft zu sprechen. „Ich möchte, dass unsere Töchter keinen Alltagssexismus erfahren müssen, ich möchte, dass sie frei über ihren Körper entscheiden können, dass sie frei entscheiden können, wen sie lieben wollen und wer sie sein wollen, dass sie frei entscheiden können, wie sie leben wollen,“ sagt Ulrike. Sie wünscht sich starke Frauen, die sich auch mal trauen aufzustehen, wenn ihnen etwas nicht passt und dass unsere Urenkelinnen vielleicht einmal miterleben, dass tatsächliche Gleichstellung herrscht.

Tannaz wünscht sich, dass überall auf der Welt der 8. März ein Feier- und Kampftag ist, der irgendwann nur noch ein Feiertag ist, um die Gleichberechtigung weltweit zu feiern. Der Frauentag sollte nämlich nur eine Markierung auf dem Weg zur Gleichstellung sein.

Pankow gegen Rassismus

Das waren die Wochen gegen Rassismus vom 15. – 28. März 2021 Paula Panke war wieder mit dabei.

Wir haben mitgeholfen, die neue Webseite www.pankow-gegen-rassismus.de vorzubereiten und uns mit eigenen Veranstaltungen beteiligt.

Deshalb waren wir dabei:

In diesem Video von moskito erfahrt ihr, warum es uns und weiteren Vereinen aus Pankow wichtig ist, bei den Wochen gegen Rassismus dabei zu sein.

Workshop mit MigrArte Peru

Helga Elsner Torres,
Foto: Daron Bandeira

In dem Workshop mit Helga Elsner Torres vom Frauenkollektiv MigrArte Perú beschäftigten wir uns am 25. März 2021 mit rassistischen Verhaltensweisen und welche Unsicherheiten weiße Menschen bei der Auseinandersetzung mit Rassismus haben.

Gemeinsam mit Helga erarbeiteten wir uns Handlungsmöglichkeiten, um in konkreten Situationen achtsamer und als Verbündete von Betroffenen auftreten zu können.

Ein Podcast-Interview mit unserer Vorstandsfrau

Der Podcast “Solidarisch gegen Hass” von der gleichnamigen Kampagne des Jüdischen Bildungswerks hat in seiner aktuellen Folge verschiedene Akteur*innen der Wochen gegen Rassismus interviewt, die in Berlin aktiv sind. Aus Pankow mit dabei war neben Susann Kubisch vom Integrationsbüro des Bezirksamtes Pankow auch unsere Vorstandsfrau Johanna Sünnemann. Sie erzählt nicht nur, warum es Paula Panke wichtig ist, mit dabei zu sein, sondern auch von unserer Arbeit.

Hört Johanna in der Podcastfolge “Die Wochen gegen Rassismus 2021 in Berlin”.

Hier sind die Time Codes:

30:00-31.00 min
34:07-36:37 min
39.19-39.52 min
42.23-43.19 min

Infostand in Pankow

Am Infostand gegen Rassismus an der Breiten Straße in Pankow trafen wir am 25. März 2021 nicht nur unsere langjährige Leiterin Astrid Landero wieder, sondern auch Susann Kubisch un Nina Tsonkidis vom Integrationsbüro des Bezirksamtes Pankow.

Infostand gegen Rassismus, Foto: Paula Panke
Mit Susann Kubisch, Astrid Landero und Nina Tsonkidis trafen sich Kathrin und Masoumeh am Infostand gegen Rassismus, Foto: Paula Panke
Masoumeh im Gespräch, Foto: Paula Panke

Unser Material wird gern genommen: Masoumeh informiert eine Besucherin über das Informationsmaterial, das es an dem gemeinsamen Infostand kostenfrei gibt.

Gemeinsam mit dem Bündnis Pankower Frauen gegen Rechts, dem Stadteilzentrum Pankow, moskito und vielen anderen, kamen wir mit Bürger*innen in Pankow ins Gespräch.

Bündnis Pankower Frauen gegen Rechts: mit Katharina Berten und Ulrike Rosensky, Foto: Paula Panke

Pankow gegen Rassismus


Die neue Webseite zeigt nicht nur in den Wochen gegen Rassismus die Vielfalt an Organisationen, die sich im Stadtbezirk gegen Rassismus engagieren und zahlreiche Aktionen Rassismus für alle Altersgruppen anbieten. Sie stellt darüber hinaus dauerhaft Informationen zu antirassistischer Literatur, Filmen und Audio-Beiträgen sowie zu Beratungsmöglichkeiten bereit.

Lesung mit Carolin Wiedemann “Zart und frei. Vom Sturz des Patriarchats”

von Olga Burlaka

Am 18. Februar 2021 las die Soziologin, Autorin und Journalistin Carolin Wiedemann im Frauenzentrum Paula Panke aus ihrem neuen Buch „Zart und frei. Vom Sturz des Patriarchats. In gut verständlicher Sprache liefert die promovierte Soziologin eine queer – feministische Kritik der patriarchalen Ordnung und stellt nicht nur einen historischen Überblick zu den feministischen Bewegungen vor, sondern auch aktuelle Diskurse und beschreibt Ursachen und Hintergründe für antifeministische Entwicklungen in unserer Gesellschaft. Leser*innen entlässt sie mit einem positiven Ausblick: der Aufforderung, Beziehungen zarter und freier zu gestalten.

Carolin Wiedemann, Foto: Paula Panke

Der Zusammenhang von Antifeminismus, Rassismus und Antisemitismus

Durch ihre journalistische Arbeit kam Carolin mit Themen Antifeminismus, Rassismus und Antisemitismus in Berührung.  Im Buch macht sie den  Leser*innen klar,  wie ernst die Situation ist. Sie erläutert an vielen Beispielen die Auswirkungen von Retraditionalisierung und der Mobilisierung von rechts: demokratiefeindliche Diskriminierungen, Verschwörungstheorien bis hin zu Morden. Sie zeigt, dass die patriarchale Struktur unserer Gesellschaft mit einer binären Rollenvorstellung eine lange Tradition hat und diese Binarität in seiner Abwertung alles Weiblichen die Wurzel von Frauenfeindlichkeit bis hin zu Feminiziden ist. Gleichzeitig macht sie klar, wie Frauenfeindlichkeit, Rassismus und Antisemitismus zusammenhängen und das gesellschaftliche System – der Kapitalismus – davon profitieren. Denn die Gewalt des Marktes, geprägt vom Herrscher-Knecht-Verhältnis, liefert billige und willige Arbeitskräfte.

Die Falle von romantischer Liebesbeziehung und bürgerlicher Kleinfamilie

Carolin entlarvt in ihrem Buch die Vorstellung der romantischen Liebesbeziehung und das Ideal der bürgerlichen Kleinfamilie als Muster, das Menschen in Rollen zwängt, die die Allianz von Patriarchat und Kapitalismus wieder reproduzieren. Sie zeigt, wie sehr das Persönliche und das Politische zusammenhängen. Das Ergebnis war in der Corona-Krise überdeutlich zu sehen: die Last der unbezahlten CareArbeit bei der Frau als Basis für die bezahlte Arbeit des Mannes und damit ihre Überlastung. Ein Ausweg ist, Beziehungen freier zu gestalten, mehr Menschen an der Kindererziehung und Betreuung von Familienangehörigen zu beteiligen und somit neue Gemeinschaften zu schaffen, die Beziehungen weniger belasten.

Freier und zarter – neue Formen der Solidarität

Ihre Antwort darauf ist Feminismus, genauer gesagt – Queer – Feminismus mit Geschlechtergerechtigkeit und Diversität. Denn das ist die Entwicklung, die alle wirklich frei machen kann. Auch für Männer bedeutet das mehr Freiheit. Denn so können sie bestimmte Rollen und Rahmen loslassen. Sie bekommen selbstverständlich Raum für Kindererziehung und CareArbeit. Somit bringen Queer – Feministische Bewegungen Feminismus auf eine neue, globale Ebene und stellen das idealisierte binäre Geschlechtermodell sowie Cis- und Heteronormativität infrage. Diese Bewegungen haben zum Ziel, jegliche Herrschaft zu überwinden. Carolin ist überzeugt, dass es Spielräume und bestimmte Verantwortung bei jeder*m von uns gibt. Je mehr Privilegien, desto größer ist die Verantwortung, die erkennbar strukturellen Diskriminierungen zu bekämpfen.  Nur dann ist wahre Solidarität möglich.