Unsere aktuellen Beratungsangebote

Logo Paula Panke

Liebe Besucher*innen,


wir machen gerade Sommerpause. Bis zum 16. August 2021 finden unsere Angebote nur eingeschränkt und unter den aktuellen Hygienvorschriften statt. Bis auf Weiteres gibt es:

In Notfällen bitte die BIG Hotline anrufen:
030 611 03 00 (täglich 8 – 23 h)

Die Sozial-, Lebens- und Rechtsberatungen finden ab dem 1. September 2021 wieder 1:1 vor Ort statt. Wir bitten um Terminvereinbarung zu unseren Tel.-Sprechzeiten oder per Mail.

Die Beratung und der Besuch des Frauenzentrums Paula Panke sind aktuell nur mit einem negativen Corona-Test möglich. Falls ihr kein zertifiziertes Testergebnis habt, erhaltet ihr bei uns im Vorgarten einen Selbsttest gegen Spende. Seid dafür bitte 20 Minuten vor dem Termin da. Eine telefonische Beratung ist außerdem möglich.

Beim Betreten unserer Räume gelten unsere Hygiene-Regeln.

Wir sprechen folgende Sprachen:

Deutsch, Englisch, Polnisch, Italienisch, Französisch, Finnisch, Russisch, Farsi und Dari

We talk:

German, English, Polish, Italian, French, Finnish, Russian, Farsi and Dari

PAUSIERT bis 16. August 2021 – Telefon-Hotline für geflüchtete Frauen:

dienstags von 10 Uhr – 12 Uhr

Tel. 030 / 485 47 02

PAUSIERT bis 16. August 2021 – Telefon-Hotline für Alleinerziehende:

mittwochs von 15.30 Uhr – 16.30 Uhr

Tel. 030 / 480 99 846


Für eine Beratung vereinbart bitte vorher einen Termine per Telefon zu folgenden Zeiten :

Standort Pankow: Tel. 030 / 485 47 02
Mo: 10.00 – 12.00 Uhr
Di: 16.00 – 18.00 Uhr
Do: 10.00 – 12.00 Uhr

An unserem Standort in Weißensee berät dich unsere Mitarbeiterin in folgenden Zeiten:

Standort Weißensee Tel. 030 / 96 06 37 61

Mo: 14.00 – 16.00 Uhr
Di: 15.00 – 17.00 Uhr
Do: 10.00 – 13.00 Uhr

Wir sind mit dabei: 15. – 28. März 2021

Pankow-gegen-Rassismus

Viele wollen uns unterstützen

Mit unserem Newsletter immer informiert bleiben:

Hier ist unser Programm 06/07/08/09 2021:

„Miteinander reden“ – ein Projekt gesellschaftlicher Spaltung entgegenzuwirken

Interkulturelles Projekt zwischen Deutschland, Russland und Polen zum Thema „Spaltung der Gesellschaft“

Teilnehmer*innen des Workshops im Gemeindehaus Pankow Foto: Paula Panke
Teilnehmer*innen des Workshops im Gemeindehaus Pankow. Foto: Paula Panke

Miteinander reden

Gemeinsam mit OWEN e.V., Archivum Niepokóju Spolecznego (Social Unrest Archive) sowie russischen Menschenrechtsorganisationen führen wir das Projekt „Miteinander reden“ durch.

Bei dem Projekt setzen sich Akteur*innen der Zivilgesellschaft aus Polen, Russland und Deutschland aktiv mit der Spaltung auseinander, die sie selbst in ihren Gesellschaften erlebt haben. In Workshops sprechen die Akteur*innen über Ursachen sozialer Spaltungen und erarbeiten Initiativen zur Förderung eines Dialogs.

Die Teilnehmer*innen kommen mit der biografischen Methode in einen Dialog und tauschen sich über ihre persönlichen Erfahrungen sowie das politische Engagement aus. Die biografische Methode eröffnet die Möglichkeit eines Dialoges zwischen Menschen mit unterschiedlichen oder teils gegensätzlichen Positionen, indem sie die Erfahrungen und Bedürfnisse sichtbar werden lässt, die hinter den Positionen liegen.

Teilnehmer*innen im Dialog bei dem Workshop im Gemeindehaus in Pankow Foto: Paula Panke
Teilnehmer*innen im Dialog bei dem Workshop im Gemeindehaus in Pankow.
Foto: Paula Panke

Der Hintergrund

Jüngste politische Ereignisse wie das verschärfte Abtreibungsgesetz in Polen, das Gesetz zu ausländischen Agenten und Verhaftungen von politischen Oppositionellen in Russland sowie die Zunahme rechter Rhetorik in Parlamenten und öffentlichen Medien, setzen zivilgesellschaftliche Akteur*innen und politische Initiativen zunehmend unter Druck. Menschen bewegen sich mehr und mehr in ihren ‚Blasen‘. Extreme Positionen und Hate Speech in Diskussionen, Medien und im Internet nehmen zu.

Hierbei ist zu beobachten, dass meist kein echter Dialog zwischen politischen Opponent*innen stattfindet und sich die politischen Fronten weiter verhärten. Das Projekt „Miteinander reden“ schafft neue Räume für Diskussion und Austausch jenseits von politischer Rhetorik und stärkt den zivilgesellschaftlichen Dialog und gesellschaftlichen Wandel.

Der Spaltung entgegenwirken

Das Projekt verläuft in drei Etappen. Zunächst fanden Einführungsworkshops zu den biografischen Dialog-Methoden innerhalb der einzelnen Länder statt.

In Deutschland trafen sich vom 9. Juli bis zum 12. Juli 2021 die Teilnehmer*innen im Haus der evangelischen Gemeinde in Alt-Pankow. Die Teilnehmer*innen kamen aus verschiedenen Berliner Projekten wie der Mali Berlin GmbH, OMAS GEGEN RECHTS, Schreibraum Berlin, GEB e.V. sowie von dem Projekt Xochicuicatl e.V. für Frauen aus Lateinamerika.

In der zweiten Etappe erarbeiten die Teilnehmer*innen Ideen für lokale Initiativen, vernetzen sich untereinander, finden neue Zugänge zu ihren Communities und erweitern den Aktionsradius in ihrer Region. Im Anschluss an die Einführungsworkshops hier in Pankow entwickelten sich drei  Initiativen.

Verschiedene Karten zum Erlernen der biografischen Methode. Foto: Paula Panke
Verschiedene Karten zum Erlernen der biografischen Methode. Foto: Paula Panke

Drei Initiativen für Pankow

  • Die Initiative „Rabenmütter“ setzt sich mit der Zerrissenheit von Müttern auseinander. Gerade in der Pandemie hat sich gezeigt, dass sie nicht nur Care Arbeit, sondern auch Homeschooling und Homeoffice zu schultern hatten. Wie kann Familienarbeit geschlechtergerecht verteilt werden?
  • „Ist das normal oder kann das weg?“ ist eine Initiative, die sich auf künstlerische Weise mit Antifeminismus und Rassismus in der Familie auseinandersetzt.
  • Die dritte Initiative thematisiert die Einschränkung und sexuelle Belästigung, die Frauen im öffentlichen Raum und vor allem nachts erleben.

Zum Abschluss des Projektes treffen sich vom 1. bis zum 3. Oktober 2021 Teilnehmer*innen aus Deutschland, Polen und Russland zu einer internationalen Dialogveranstaltung in Kreisau (Polen), um ihre Initiativen vorzustellen und über Strategien im Umgang mit gesellschaftlichen Spaltungen zu diskutieren.

Weg mit dem Transsexuellengesetz (TSG)

Informationsveranstaltung zum Transsexuellengesetz (TSG) vor dem Standesamt Pankow mit anschließendem queeren Picknick im Park

Youtube- Aufzeichnung hier ansehen

Am 17. Juli 2021 informierten wir vor dem Standesamt Pankow unter dem Motto „Weg mit dem Transsexuellengesetz“ – Pankow ist Queer!“ über dieses problematische Gesetz, unter dem transsexuelle Menschen seit Jahrzehnten leiden. Wir wiesen auf Inhalt und Auswirkungen des TSG hin und hatten verschiedene Redner*innen aus Politik und Zivilgesellschaft eingeladen.

Mitfrauen von Paula Panke e.V. mit dem Slogan „Weg mit dem Transsexuellengesetz - Her mit dem Selbstbestimmungsgesetz“ auf den Stufen des Pankower Rathauses, Foto: Paula Panke
Mitfrauen von Paula Panke e.V. und eingeladene Redner*innen vor dem Pankower Rathaus bei der Info-Veranstaltung „Weg mit dem Transsexuellengesetz“, Foto: Paula Panke

Das Transsexuellengesetz

Das Transsexuellengesetz wurde im Jahr 1980 verabschiedet. Die Bundesrepublik Deutschland verabschiedete damals weltweit als zweites Land nach Schweden ein Gesetz, das überhaupt die Vornamen- und Personenstandsänderung für trans Personen regelte. Das machte die Bundesregierung zur Vorreiterin der Menschenrechte von trans Personen. Damals war jedoch schon klar, dass das Transsexuellengesetz die Grundrechte von trans Personen massiv verletzt. Über 40 Jahre später gilt das Gesetz als völlig veraltet. Es wurde im Laufe der Zeit bereits sechsmal vom Bundesverfassungsgericht als verfassungswidrig erklärt und weite Teile sind außer Kraft gesetzt.

Jedoch müssen sich trans Personen nach wie vor für die Vornamen- und Personenstandsänderung zwei psychologischen Gutachten von Sachverständigen sowie einem entwürdigenden Gerichtsprozess unterziehen. Hierbei werden sie in oftmals demütigender Weise zu intimsten persönlichen Themen befragt. Die Verfahrenskosten betragen durchschnittlich 1500 bis 2000 Euro, manchmal sogar mehr. Nicht-binäre Personen werden in dem veralteten Gesetz bisher gar nicht berücksichtigt. In seiner jetzigen Form entmündigt, diskriminiert und bevormundet das Transsexuellengesetz trans Personen und nimmt ihnen die Möglichkeit, selbstbestimmt zu handeln.

Das Selbstbestimmungsgesetz

Seit Jahrzehnten fordern einige Parteien, queere Verbände und trans Organisationen die Abschaffung des Transsexuellengesetzes. Die Fraktionen BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und die FDP haben bereits mehrfach Entwürfe für ein Selbstbestimmungsgesetz in den Bundestag eingebracht. Es sollte Menschen ermöglichen, den Vornamen und das im Personenstand eingetragene Geschlecht beim Standesamt zu ändern. Der Entwurf wurde am 19. Mai 2021 im Bundestag mit großer Mehrheit abgelehnt.

Informationsveranstaltung

Auf unserer Veranstaltung vor dem Rathaus Pankow sprachen sich verschiedene Redner*innen für die Abschaffung des Transsexuellengesetzes aus und forderten die überfällige Reformierung. Nach einem Info-Vortrag von Linda Ann Davis, Mitfrau von Paula Panke e.V., sprachen:

  • Ria Cybill Geyer, Vorsitzende des Brandenburger Arbeitskreises der deutschen Gesellschaft für Transidentität und Intersexualität und stellvertretende Landesvorsitzende der SPDqueer Brandenburg,
  • Alfonso Pantisano, Co-Landesvorsitzender der SPDqueer Berlin,
  • Oda Hassepaß, Direktkandidatin in Pankow für das Abgeordnetenhaus von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie
  • Oskar Lederer, Kandidat für die BVV Pankow und stellvertretender Vorsitzender für DIE LINKE Pankow.

Unter der Gürtellinie

„Ihr könnt euch nicht vorstellen, was die Leute gefragt werden. Das ist sowas von unter der Gürtellinie. […] Ich muss doch für mich entscheiden, wie meine Identität ist. Ich bin der Mensch, der es fühlt und kein Mensch, kann in jemand anderen reingucken “, beschrieb Ria Cybill Geyer ihre Erfahrungen mit dem Transsexuellengesetz als trans Frau.

In den Redebeiträgen wurde deutlich, wie überholt das TSG sowohl aus Alltagsperspektive als auch aus politischer Sicht ist. Die Redner*innen betonten, dass wir uns gemeinsam solidarisch für die Menschen einsetzen müssen, die von dem Gesetz betroffen sind. Gemeinsam müssen wir die Änderung des Gesetzes vorantreiben.

Alfonso Pantisano betonte: “Bitte lasst uns zusammenstehen! Bitte lasst uns die Kräfte bündeln! […] Für [trans Personen] müssen wir jetzt unsere Stimme erheben. Für diese Leute müssen wir jetzt kämpfen. Für diese Leute müssen wir jetzt dafür sorgen, dass wir eine neue progressive Regierung bekommen, die alles daransetzt.”

Es war deutlich zu spüren, dass es allen Sprecher*innen ein wichtiges Anliegen ist, überparteilich für die Abschaffung eines solch veralteten Gesetzes einzustehen und Solidarität zu zeigen.

Am Nachmittag zogen wir mit allen Teilnehmenden vom Rathaus in den Bürgerpark Pankow zu einem gemeinsamen, queeren Picknick im Bürgerpark. Intensive Gespräche und Netzwerken waren ein großartiger Abschluss dieser Veranstaltung aus unserer Reihe „Pankow ist Queer!“.

Queeres Picknick im Bürgerpark Pankow. Foto: Paula Panke
Queeres Picknick im Bürgerpark Pankow, Foto: Paula Panke

Gefördert im Rahmen der Umsetzung der Initiative „Berlin tritt ein für Selbstbestimmung und Akzeptanz geschlechtlicher und sexueller Vielfalt“ (IGSV) durch die Senatsverwaltung für Justiz, Verbraucherschutz und Antidiskriminierung / Landesantidiskriminierungsstelle.

Fördererlogos
Fördererlogos

Solidarität endet nicht an Grenzen

Ein Erfahrungsbericht zum Weltgeflüchteten-Tag über die Situation von Menschen auf der Flucht in Bosnien

von Linda Ann Davis

Am 20. Juni ist der sogenannte Weltgeflüchteten-Tag, der zentrale internationale Gedenktag für alle Menschen auf der Flucht. So wichtig dieser Tag für eine größere Sichtbarkeit von Menschen auf der Flucht ist:  Es reicht nicht, sich nur an einem Tag im Jahr mit Menschen auf der Flucht zu solidarisieren und an sie zu denken. Eine Solidarisierung und eine Auseinandersetzung mit der aktuellen Situation sollten eigentlich 365 Tage im Jahr stattfinden.

Bosnien 2021 – Foto: Linda Ann Davis

Um mich noch mehr mit der Situation von Menschen auf der Flucht speziell auf der Balkanroute und in Bosnien auseinanderzusetzen, bin ich im Mai 2021 für einen Monat in den bosnischen Kanton Una-Sana, der an der Grenze zu Kroatien liegt, gefahren. Ich wollte mich dadurch ganz direkt solidarisch zeigen. Und gleichzeitig wollte ich versuchen, die Menschen vor Ort, die über die Balkanroute nach Bosnien kommen, zu unterstützen, ihnen zuzuhören und ihre Situation sowie ihre Geschichten öffentlich zu machen.

Bosniens Rolle auf der Balkanroute
Seit mehreren Jahren versuchen Menschen aus beispielsweise Syrien, dem Irak, Iran, aus Pakistan, Afghanistan, Bangladesch oder Maghreb nicht nur über das Mittelmeer, sondern auch über die sogenannte Balkanroute in die EU zu gelangen. Seitdem Ungarn sich 2015 komplett abgeschottet hat und an seinen Südgrenzen zu Serbien und Kroatien hohe Zäune und Sperren errichtete, hat sich die Balkanroute mehr nach Westen verschoben und verläuft jetzt vorwiegend über Serbien, Bosnien, Kroatien und Slowenien. Bosnien stellt somit das letzte Nicht-EU-Land auf der Balkanroute dar. Aus diesem Grund befinden sich derzeit mehrere tausend Menschen in Bosnien, die hier auf ihrem Weg in die EU gestrandet sind. Von Bosnien aus versuchen sie „aufs Game“ zu gehen, wie sie es selbst bezeichnen. Das bedeutet, sie versuchen Landesgrenzen zu überqueren und somit in die EU zu gelangen -uerst nach Kroatien und dann weiter über Slowenien nach Italien. Ein „Game“ um Leben und Tod für manche Menschen auf der Flucht.

Menschenrechtsverletzungen an den Grenzen
Fast immer werden die Menschen, die hier versuchen in die EU zu kommen, von der kroatischen Grenzpolizei und dem europäischen Grenzschutz durch gewaltsame und illegale Push-Backs* zurück nach Bosnien gedrängt. Sie werden nicht nur häufig verprügelt, angeschrien und von Polizeihunden angegriffen, sondern die Grenzpolizist*innen nehmen ihnen auch ihr Geld, Schuhe, Kleidung und Rucksäcke ab und zerstören ihre Handys.
Verletzt und ausgeraubt werden die Menschen zurück nach Bosnien gebracht. So bald wie möglich versuchen sie wieder , die Grenze zu überqueren. Die meisten gehen erst einmal zu Fuß los, viele bis nach Zagreb und versuchen dort, irgendwie mit verschiedenen Verkehrsmitteln weiterzukommen. Einige gehen auch „Full Jungle“, was bedeutet, die gesamte Strecke bis nach Italien zu Fuß zurück zu legen. Eine ziemlich anstrengende, ermüdende und gefährliche Reise. Doch selbst wenn sie in Italien ankommen, sind sie noch lange nicht sicher. Öfter habe ich auch von sogenannten „Ketten-Push-Backs“ gehört. Das bedeutet, dass Menschen, die es bereits nach z.B. Slowenien oder Italien geschafft haben, dort von der Polizei aufgegriffen und zurück nach Bosnien gebracht werden. Auch diese Praktik ist illegal und stellt eine massive Menschenrechtsverletzung dar.

Leben in Squats in Bosnien, Foto: Linda Ann Davis


Viele Menschen auf der Flucht, die sich im Una-Sana-Kanton befinden, können oder wollen nicht in Camps untergebracht werden. Viele erzählen, dass ihnen der Aufenthalt manchmal verwehrt wird, dass sie mit den strikten Regeln nicht einverstanden sind oder dass die Camps schon voll sind. Diejenigen, die nicht in Camps untergebracht sind, leben meist in Squats, in selbstorganisierten, autonom geschaffenen Wohnräumen. Das sind entweder verlassene Häuser, Ruinen oder selbst gebaute Zelte im Wald.

Jahrelanges Festsitzen in Bosnien
Die Wahrscheinlichkeit, es schnell in die EU zu schaffen und vor allem weiter als nach, ist oft sehr gering. Manche Menschen, die ich in Bosnien traf, sind schon seit mehreren Jahren hier und noch länger unterwegs, manche erst seit ein paar Monaten. Alle geben die Hoffnung nicht auf, dass sie eine der sehr wenigen Personen sein könnten, die es tatsächlich schaffen. Manche erzählten mir, dass sie schon über 50-mal aufs Game gegangen sind. Und es in ein paar Tagen, wenn sie sich vom letzten Push-Back einigermaßen erholt haben, wieder versuchen. Viele kommen in dieser Zeit an die Grenzen ihrer physischen und psychischen Kapazitäten. In Bosnien bleiben möchte niemand, alle möchten weiterziehen und diese Zeit in ihrem Leben endlich hinter sich lassen.

Internal Violence in Bosnien
Die Menschen im Una-Sana-Kanton erfahren nicht nur physische Gewalt, Diskriminierung und menschenverachtendes Verhalten an den Grenzen zur EU, sondern auch innerhalb des Landes. Das liegt unter anderem an dem oftmals offenen Rassismus und den rechtsnationalen Bestrebungen in Bosnien genauso wie an der inhumanen Abschottungspolitik der EU. Oft werden Squats, in denen Menschen sich aufhalten, gewaltsam von der bosnischen Polizei geräumt und Menschen auch innerhalb des Landes ihre Besitztümer abgenommen und zerstört.
Viele bosnische Einwohner*innen sind aber auch solidarisch, unterstützen die Menschen auf der Flucht mit Wasser, Essen oder Unterkünften und versuchen, Druck auf die Politik auszuüben.

Familien auf der Flucht
Obgleich die meisten Menschen junge Männer sind, die alleine nach Europa gekommen sind, habe ich auch einige Familien mit kleinen Kindern getroffen, die vor unaushaltbaren Situationen in ihren Heimatländern geflüchtet sind. Oft geht um Leben und Tod. Ich habe beispielsweise einen Mann aus Algerien getroffen, der mit seinen drei kleinen Söhnen, einer 8 und zwei 6, auf der Flucht ist. Die beiden sechsjährigen werden in Bezug auf ihre Kognition behindert, einer von ihnen hat einen sichtbaren Tumor am Kopf und muss dringend operiert werden, um zu überleben. Mit drei kleinen Kindern hat man noch schlechtere Chancen beim Game. In meiner Zeit in Bosnien ist die Familie auch losgegangen und hat es leider nicht geschafft, sondern wurde in Kroatien von der Polizei gestoppt und wieder nach Bosnien gebracht. Die extrem traumatisierende Situation der drei Kinder, die immer wieder losmüssen, die natürlich verstehen, dass es wirklich dringend ist und die immer wieder mit ansehen müssen, wie ihr Vater von der Polizei verprügelt und abgeführt wird, ist unvorstellbar.

Viele Familien haben mehrere Kinder, die jüngsten oft kaum ein Jahr alt. Zudem werden durch den mangelnden Zugang zu Verhütungsmitteln einige Frauen auf der Flucht schwanger, was sie in eine noch prekärere Situation bringt. Die kroatische Polizei schreckt auch bei schwangeren Frauen oder Kindern nicht vor extremer physischer Gewalt zurück.

„I just want to see my family. But this isn’t possible”
Menschen auf der Flucht wird das Recht auf Familie zudem auf verschiedene Weise immer wieder verwehrt: Sie werden auf der Flucht gezwungen, sich zu trennen oder müssen einzelne Familienmitglieder zurücklassen. Sie haben oft nicht die Möglichkeit, mit der Familie überhaupt in Kontakt zu sein und die Beziehungen zwischen Eltern, Kindern und Partner*innen leiden oftmals stark. Ich habe mit vielen Menschen gesprochen, die ihre Familie seit mehreren Jahren nicht gesehen haben, die furchtbar Heimweh haben und sich nichts mehr wünschen, als ihre Familie bald bei sich haben zu können oder wenigstens besuchen zu können.

Der Wunsch nach einem sicheren Zuhause
Ich habe während meines Aufenthalts sehr viele starke, coole, witzige, kämpferische Menschen kennengelernt, die mich sehr beeindruckt haben. Die nicht aufgeben, obwohl ihnen schon so viel Schlimmes widerfahren ist. Die immer noch die Hoffnung auf ein besseres Leben haben und die mit mir ihre Wünsche für die Zukunft teilen. Die meisten wünschen sich ein sicheres Zuhause, einen Job und dass sie respektvoll und menschenwürdig behandelt werden. Sie wünschen sich, irgendwo zu leben, wo sie nicht um ihr Leben fürchten müssen, wo sie nicht in Armut leben und wo sie Familie und Freund*innen um sich haben.

Politische Entscheidungen müssen sich ändern
Meine Zeit im Una-Sana-Kanton hat mir nochmal deutlich gezeigt: Humanitäre Hilfe wie das Verteilen von Essen, Kleidung usw. ist zwar sehr wichtig und wird dringend gebraucht. Aber für eine wirkliche Veränderung und Verbesserung dieser gesamten Situation müssen zunächst politische Entscheidungen auf EU-Ebene geändert werden, müssen die EU-Außengrenzen geöffnet werden, muss Frontex abgeschafft werden, darf die EU keine Waffen mehr in Krisengebiete liefern und sich daran bereichern und vor allem keine Menschenrechtsverletzungen wie Push-Backs zulassen und verneinen. Es muss vor allem ein Systemwandel und eine Umverteilung von Ressourcen passieren.

Niemand kann etwas dafür, auf welchem Fleck der Erde er*sie geboren wurde und aufgewachsen ist. Manche von uns haben Glück und werden nicht in einem Krisengebiet geboren. Menschen, die in der EU leben, sollten dieses Privileg verstehen, hinterfragen und schlussendlich nutzen, um andere Menschen zu unterstützen und um dafür zu sorgen, dass alle Menschen an einem sicheren Ort leben können.

Zeigen wir uns solidarisch mit Menschen auf der Flucht und unterstützen sie vor allem auch politisch, nicht nur heute, sondern täglich.

* Als Push-Backs wird das gewaltsame Zurückdrängen von ausländischen Personen ohne entsprechenden Aufenthaltstitel für das Zielland in Grenznähe bezeichnet. Diese Praktik steht im Gegensatz zum sogenannten „Grundsatz der Nichtzurückweisung“ der Genfer Flüchtlingskonvention für humanitären Umgang mit Menschen auf der Flucht und ist somit laut EU-Recht illegal.

10 Jahre Istanbul-Konvention

Ein Kommentar aus der Realität

Foto: Unsplash / Kelli McClintoc

Die Istanbul-Konvention ist das „Übereinkommen des Europarats zur Verhütung und Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und häuslicher Gewalt.“ Am 11. Mai 2021 waren es genau 10 Jahre, dass Deutschland diese wichtige Menschenrechtskonvention unterzeichnet hat.

Internationaler Aktionstag für Frauengesundheit


Wir Mitarbeiterinnen der Zufluchtswohnungen des Frauenzentrums von Paula Panke, die täglich mit Frauen zu tun haben, die von häuslicher Gewalt betroffen sind, wollen heute Bilanz ziehen. Denn heute, am 28. Mai ist der Internationale Aktionstag für Frauengesundheit. Weltweit wird an diesem Tag darauf aufmerksam gemacht, wie wichtig die psychische und physische Gesundheit von allen Frauen ist und wie sehr Gewalt nicht nur ihre Gesundheit, sondern auch ihre Rechte beeinträchtigt.

Gewalt ist weltweit größtes Gesundheits- und Sterberisiko für Frauen und Mädchen


Häusliche Gewalt und Gewalt gegen Frauen und Mädchen ist die häufigste Menschenrechtsverletzung und häufigste Ursache von gesundheitlichen Schäden. Sie gilt als das höchste Gesundheits- und Sterberisiko für Frauen und Mädchen. Gewalt ist ein weltweites und gesamtgesellschaftliches Problem – unabhängig von Ländern, Kulturen, sozialen Schichten oder Religionen. Der internationale Gesundheitstag bietet die Gelegenheit, sich einmal mehr mit dieser Situation auseinanderzusetzen und dafür zu kämpfen, dass sich in Pankow, in Berlin, in Deutschland, in Europa und auf der ganzen Welt etwas verändert.

Gewalt verhindert Gleichstellung

Mit Unterzeichnung der Istanbul-Konvention wurde es von vielen Ländern endlich anerkannt: Gewalt gegen Frauen ist eine Menschenrechtsverletzung. Nicht nur, dass die Rechte von Frauen durch Gewaltakte unmittelbar verletzt werden. Sie haben auch weitreichende Folgen. Denn sie führen dazu, dass Frauen und Mädchen Menschenrechte nicht wahrnehmen können wie zum Beispiel das Recht auf Arbeit, Bildung, politische und kulturelle Teilhabe. Gewalt gilt als Haupthindernis, um Gleichstellung zu erreichen

Ziele der Istanbul-Konvention

Deshalb ist ein Ziel der Istanbul-Konvention, ein Europa zu schaffen, das frei von Gewalt gegen Frauen und Mädchen ist. Dabei geht es unter anderem um:

  •  den Schutz vor Gewalt und die Unterstützung betroffener Frauen und Mädchen,
  • die Beseitigung der komplexen und strukturellen Ursachen von Gewalt,
  • die Beseitigung jeder Form von Diskriminierung von Frauen und Mädchen,
  • die Vorbeugung von und Aufklärung über Formen von Gewalt,
  • ein Vorgehen gegen Geschlechter- und Rollenstereotype,
  • die Stärkung und Unterstützung der Betroffenen,
  • die Verfolgung und Bestrafung der Täter,
  • das Schaffen notwendiger Straftatbestände bei Genitalverstümmelung, Zwangsheirat, Nachstellung, Stalking usw.
  • und das Bekanntmachen der bestehenden Rechtslage in Institutionen, Behörden, Verwaltungen und Gerichten.

Mit dem Unterzeichnen der Istanbul-Konvention hat sich Deutschland zu umfassenden Maßnahmen in allen Bereichen verpflichtet. Die Probleme sind nicht neu, aber endlich gibt es Handlungsver­pflichtungen, die geforderten Maßnahmen auch umzusetzen.

Das gibt Hoffnung auf Veränderung!

Jetzt, 10 Jahre später, kommen diese Veränderungen endlich ins Rollen. Der Staatenbericht für Deutschland (Link zum PDF) wurde veröffentlicht, kürzlich nun auch der Schatten-/Alternativbericht (Link zum PDF). In Berlin sind nun auch die „Empfehlungen zur Umsetzung der Istanbul-Konvention – Ergebnisse des Werkstattgesprächs am 22.07.2019“ erschienen (Link zum PDF). Hier werden zu den einzelnen Artikeln der Konvention erforderliche Maßnahmen und Umsetzungen dargestellt.  

Unsere Bilanz


Wir sind auf einem guten Weg, aber es gibt noch viel zu tun. Es gibt zu wenig Informationen, Beratungsangebote und Schutzplätze für betroffene Frauen und Kinder. Paula Panke setzt sich dafür ein die Situation zu verbessern. Wir sorgen für mehr Öffentlichkeits- und Aufklärungsarbeit sowie einen besseren Zugang zu Hilfe und Beratung für alle von Gewalt betroffenen Frauen und Kinder. Wir setzen uns ein für eine tolerante, gewaltfreie und diverse Gesellschaft.


Es reicht! Aktionstag gegen 150 Jahre §218

Am 15. Mai 2021 ist bundesweiter Aktionstag gegen den §218.

Auch in Berlin findet um 11 Uhr eine Aktion vor dem Reichstagsgebäude statt. Mehr Informationen findet ihr bei dem Facebook-Event von Bündnis für sexuelle Selbstbestimmung.

Ausstellung “Maria und der Paragraph”

Wir haben einen Besuch der Ausstellung „Maria und der Paragraph“ im Münzenbergforum, Franz-Mehring-Platz 1, 10243 Berlin organisiert.

Ausstellung: Maria und der Paragraph, Foto: Paula Panke e.V.

Die Ausstellung erzählt die Geschichte und zeigt die Debatten um den §218 rückblickend bis zum Kaiserreich. Maria, eine fiktive Person, führt dabei durch die geschichtlichen Entwicklungen anhand von Plakaten, Büchern, Filmen, Zeitungen, Fotos und Musik.  

Die Ausstellung ist noch bis Zum 30. August 2021 zu sehen!

150 Jahre §218

Seit 150 Jahren werden mit §218 Schwangerschaftsabbrüche zu einem Straftatbestand erklärt. Unter bestimmten Bedingungen ist ein Abbruch heute zwar straffrei. Doch durch §219a, der Ärzt*innen die Information über Schwangerschaftsabbrüche als ‚Werbung‘ untersagt, ist ein Abbruch je nach Wohnort und sozialer Lage schwer zugänglich.

§218 und §219a gefährden Leben

§218 schränkt nicht nur Frauen und gebährfähige Menschen in ihrer Selbstbestimmung ein, sondern gefährdet auch die Versorgungssicherheit von ungewollt Schwangeren. Denn zusammen mit §219a werden Ärzt*innen durch die Gesetzeslage zunehmend kriminalisiert. Immer weniger von ihnen führen diesen Eingriff durch und vielfach wird er nicht einmal mehr im Medizinstudium gelehrt. Das führt zu einer gefährlichen Unterversorgung – auch in für Schwangere lebensbedrohlichen Situationen.

Mittel patriarchaler Kontrolle

Der §218 ist ein Relikt aus der Vergangenheit und gehört als Mittel patriarchaler Kontrolle über Menschen, die schwanger werden können, nicht mehr in unsere Zeit.

Aufruf:#wegmit218

Deshalb schließen auch wir uns wie mehr als 130 Organisationen dem Aufruf #wegmit218 an, um Schwangerschaftsabbrüche endlich zu legalisieren!

Informiert euch unter www.wegmit218.de über Hintergründe des Aufrufes und weitere Aktionen in diesem Jahr.




Weil klatschen nicht reicht: #Pflegerebellion

Zum Tag der Pfleger*innen am 12. Mai 2021 haben wir vom Frauenzentrum Paula Panke e.V. uns an einer Protestaktion vor dem Reichstagsgebäude beteiligt. Stellvertretend für die Pfleger*innen, die bei ihrer Arbeit nicht zur Ruhe kommen, ruhten wir bei einem Sleep-In aus.

Heike Gerstenberger beim Sleep-In
Foto: Kirsten Wechslberger

Es ist 5 vor 12

Um 5 vor 12. Denn schon viel zu lange arbeiten die Pfleger*innen unter unhaltbaren Bedingungen, mit zu wenig Personal für zu viele Patient*innen. Immer ist zu wenig Zeit, um der anspruchsvollen Arbeit zu entsprechen. Das zermürbt, ebenso wie die zu schlechte Bezahlung. In der Folge verlassen viele Pfleger*innen den Beruf und die Situation verschlimmert sich. Hier reicht klatschen nicht mehr. Hier muss Politik aktiv werden, denn es ist ein strukturelles Problem: Gesundheit ist keine Ware.

Die Pflege ist weiblich

Warum das Thema für Paula Panke so wichtig ist? Die Pflege in Deutschland ist weiblich!Über 80 Prozent der Beschäftigen in der Altenpflege sind weiblich, ebenso in der Krankenpflege. Bei den pflegenden Angehörigen sind es sogar 90 Prozent.
In der Corona-Pandemie hat sich die Belastung für die Pfleger*innen ins Unerträgliche gesteigert und viele haben ihren Beruf verlassen. Die Politik muss jetzt handeln. Denn Pflege ist systemrelevant.

Sleep-In vor dem Reichstagsgebäude
Foto: Kirsten Wechslberger

Wann, wenn nicht jetzt!

Die Kampagne Pflegerebellion ist aus der Zusammenarbeit der Bundesarbeitsgemeinschaft kommunaler Frauenbüros und Gleichstellungsstellen (BAG) und der Berlin School of Design and Communication entstanden. Die BAG hat den Aufruf #wannwennnichtjetzt gestartet und macht auf Missstände aufmerksam, die durch die Pandemie noch verschärft werden: Häusliche Gewalt, Vereinbarkeit von Lohn- und Care-Arbeit, Homeschooling, Situation von Frauen und Kindern in Gemeinschaftsunterkünften, Arbeitsbedingungen des Kranken- und Altenpflegepersonals.


Mit der Kampagne soll eine gesellschaftliche Diskussion angeregt und endlich ein grundsätzliches Umdenken in der Pflegepolitik bewirkt werden. Bis zum Ende des Jahres 2021 wird es unter dem Motto „Wann, wenn nicht jetzt!“ eine Pflegekampagne in drei Teilen geben: „Pflegerebellion“, „Keine Ware“ und „lebensrelevant“

Paulas Lese-Tipp: Eine Berliner Busfahrerin erzählt

Hansa-Titel, Foto: Paula Panke
Das Buch aus dem Hanser-Verlag,
Foto: Paula Panke

„Wenn Frauen in Männer-Domänen vordringen“ – so könnte auch der Titel dieses Buches von Susanne Schmidt heißen, die ihre Erlebnisse als Berliner Busfahrerin aufgeschrieben hat. Es heißt jedoch: „Machen Sie mal zügig die Mitteltür frei“ – denn das ist einer der häufigsten Sätze, die sie in ihrem Berufsleben als Busfahrerin gesagt hat. Ohne ‚bitte‘ natürlich, sonst wirkt das in Berlin nicht.

Susanne Schmidt erzählt von der Schönheit des Berufs und den vielen berührenden bis wundersamen Begegnungen mit ihren Fahrgästen. Sicher wäre sie bis zur Rente Busfahrerin und damit eine der König*innen der Straße geblieben, wären da nicht die langsamen Mühlen einer seit dreißig Jahren mahlenden Männer-Domäne gewesen.

Überrascht von dem Aufruf der BVG, gezielt Frauen über 50 Jahren zu Busfahrerinnen auszubilden, hatte sie sich neugierig für den Neustart entschieden. In kurzer Zeit lernte sie viel über Busse, Technik und Tarife.

Sie erzählt von dem Widerwillen einiger Lehrer der Verkehrsakademie, Frauen auszubilden, von dem festen Glauben eines Fahrlehrers, dass Frauen unmöglich ihm ebenbürtig Kurven im Kreisverkehr lenken können bis hin zu offener Ablehnung: „Viele Busfahrer fühlten sich allein von dem geplanten Anstieg an Kolleginnen bedroht.“

Die Geschäftsleitung der BVG hatte offensichtlich beschlossen, die gesetzliche vorgeschriebene Frauenquote mal anzugehen, jedoch ohne alle Beteiligten mitzunehmen und die Arbeitsbedingungen anzupassen. Das fängt an bei dem Essensangebot in der Kantine (Kartoffelsalat, Pommes, Schnitzel) über fehlende Toiletten für Frauen – in der Verkehrsakademie und vor allem unterwegs – bis hin zu im doppelten Sinne des Wortes unterirdischen Pausenräumen für die Busfahrer*innen.

Lese-Tipp weil:

Bitte unbedingt lesen! Das Buch ist nicht nur unterhaltsam, weil direkt aus dem Leben gegriffen, sondern verlangt dem Leser im Nachhinein Hochachtung für die Busfahrer*innen ab, die uns rund um die Uhr sicher durch den dicksten Verkehr lenken und dabei mit den skurrilsten sozialen Situationen fertig werden müssen. Klar ist auch: mehr Busfahrerinnen und damit Veränderung im System BVG würde auch das Leben der Busfahrer viel schöner machen.

Bildungsreihe 2021/2022: „Feministisch in die Zukunft“

Feministisch in die Zukunft - Logo: Xuehka
Feministisch in die Zukunft – Logo: Xuehka

Wie sehen feministische Zukunftsvisionen aus? Wie können gerade in schwierigen Zeiten neue Wege und Formen von feministischer Solidarität entdeckt werden? Wie können Brücken zu anderen Bewegungen wie beispielsweise der Klimabewegung geschlagen werden? Und was können wir aus der Vergangenheit mitnehmen und lernen?

Diese und viele weitere Fragen möchten wir in unserer neuen Bildungsreihe mit dem Titel „Feministisch in die Zukunft“ in den Blick nehmen. Ab März werden wir uns in den kommenden zwei Jahren in Form von Diskussionsrunden, Workshops, Lesungen und vielen weiteren Formaten den Aspekten einer feministischen Zukunft widmen. Gemeinsam wollen wir uns weiterbilden, uns austauschen, eigene Ideen entwickeln und umsetzen.

Wir sind der Meinung, dass der Weg in die Zukunft feministisch sein muss. Denn ganz gleich ob die Klimakrise, Frauen- und LGBTIQ*-Feindlichkeit, rechtsradikale Strömungen, Rassismus oder andere Formen struktureller Diskriminierung: Immer steckt auch ein patriarchalisch-hierarchischer Machtanspruch dahinter. Genau diese Machtansprüche und die mit ihnen einhergehenden Ausbeutungs- und Unterdrückungsformen gilt es sichtbar zu machen und zu bekämpfen, um unsere Zukunftsvision einer gerechten und lebenswerten Welt für alle Realität werden zu lassen.

Für uns ist klar: Eine feministische Zukunft ist divers, intersektional und anti-rassistisch, muss generationenübergreifend und interkulturell gedacht werden. Ohne das Einbeziehen verschiedener Erfahrungen und Identitäten kann sie nicht funktionieren. Gerade im Austausch mit Menschen unterschiedlicher Generationen, Lebensrealitäten und Diskriminierungserfahrungen entstehen neue Ideen und können Kämpfe verbunden werden. Das stärkt nicht nur die Solidarität, sondern bündelt und vereint auch Kräfte und Ressourcen im Kampf für eine gerechtere Zukunft.

In der Vergangenheit wurden schon viele wichtige Errungenschaften auf dem Weg zu einer Gleichstellung aller Menschen erzielt. Darum wollen wir in unserer neuen Bildungsreihe nicht nur in die Zukunft schauen, sondern auch die Vergangenheit und die Gegenwart miteinbeziehen und von unseren Vordenker*innen und Wegbereiter*innen lernen.

Feministisch in die Zukunft zu blicken bedeutet auch, einen tiefgreifenden, sozial-ökologischen Wandel anzustreben und die Klimakrise als soziale Krise und Teil des patriarchalen Systems zu betrachten. In unserer Bildungsreihe möchten wir daher auch ein besonderes Augenmerk auf die Verknüpfung von Feminismus und Klimagerechtigkeit werfen.

Wir freuen uns darauf, all diese Aspekte in den nächsten zwei Jahren näher zu beleuchten und gemeinsam mit euch feministisch in die Zukunft zu starten!

Gutes Wetter, harte Zeiten – für den Feminismus streiten!

Unsere Eindrücke von der Demo der Alliance of International Feminists am 8. März 2021 – von Linda Ann Davis

Am 8. März, dem feministischen Kampftag, war so einiges los in Berlin. Wir von Paula Panke e.V. waren nicht nur in unserem Frauentags-TV (hier verlinken) und bei unserer LassPlatzen-Aktion (auch verlinken) zu sehen, sondern auch auf der Demo der Alliance of International Feminists dabei, die um 14 Uhr vor dem Brandenburger Tor startete.

Demo 8. März 2021, Foto: Paula Panke
Demo 8. März 2021
Foto: Paula Panke

Eine Demo für alle Frauen, trans und inter Personen

Obwohl es am 8. März zahlreiche Aktionen gab, war das neben der großen Kundgebung um 11 Uhr die einzige große Demonstration, die an diesem Tag stattfinden konnte. Umso wichtiger, dass diese Demo nicht nur für alle Frauen, trans und inter Personen, sondern ganz besonders alle trans Frauen, Frauen der Arbeiterklasse, geflüchtete Frauen, schwarze Frauen, indigene Frauen, Frauen of Color und behinderte Frauen war. Cis-Männer waren explizit ausgeladen, da es bei der Demo um die gemeinsamen Erfahrungen von FLINTA* (d.h. Frauen, Lesben, Inter, Trans, Asexuals) und das Bündeln von deren Kräften gehen sollte. Cis-Männer wurden aufgefordert, sich auf andere Weisen gegen Gewalt an Frauen zu beteiligen.

Große Demo – unter Einhaltung der Hygieneregeln

Bei strahlendem Sonnenschein standen wir also um 14 Uhr in der Nähe des Brandenburger Tors. Nach und nach füllte sich der gesamte Platz und die Straße so weit, dass ein Ende der Menschenmenge nicht mehr zu erkennen war. Überwiegend junge Menschen waren zu sehen. Viele hatten Schilder mit kreativen Sprüchen, aber auch mit Namen ermordeter Frauen dabei, die zusätzlich auf die mangelnde Aufklärung dieser Morde aufmerksam machten. Die Stimmung war gut. Alle schienen sich zu freuen, dass sie nach so langer Zeit wieder an einer Demonstration teilnehmen konnten. Auch ich war schon lange nicht mehr bei einer so großen Veranstaltung gewesen und fühlte mich anfangs fast ein wenig unsicher. Ich war froh, dass sich ausnahmslos alle an die Maskenpflicht und die weiteren Hygieneregeln hielten.

Über einen Lautsprecher ertönte Musik und Redebeiträge der Veranstalterinnen. Auch sie betonten neben den geltenden Hygieneregeln noch einmal, wie wichtig ein intersektionaler Feminismus ist, der Mehrfachdiskriminierung aufdeckt und der die Erfahrungen unterschiedlicher FLINTA* in den Blick nimmt. Mit lautem Klatschen stimmte ihnen die Menschenmenge zu.

Gemeinsames Handeln ist wichtig

Die Veranstalterinnen der Demo machten noch einmal deutlich, dass nicht alle Frauen gleichermaßen von Sexismus und Diskriminierung betroffen sind und es ganz verschiedene Erfahrungen und Formen der Diskriminierung gibt. Aber gleichzeitig machten sie auch klar, dass wir alle zusammenhalten und gemeinsam für unsere Rechte und für Gleichstellung auf die Straße gehen müssen.

Viel Aufmerksamkeit für feministische Themen

Die Demonstration von über 10.000 Menschen in Gang zu bringen war gar nicht so einfach, aber nach einer Weile begannen wir singend und rufend unsere Route, die über Unter den Linden und Friedrichstraße bis zum Pergamonmuseum führte. Rufe wie „Our bodies, our choice – raise your voice“ und „Gegen Macker und Sexisten – Fight the Power, Fight the System!” waren zu hören. Viele Passant*innen blieben stehen, drehten sich nach uns um, wir sorgten eindeutig für viel Aufmerksamkeit.

8. März ist jeden Tag

Die Stimmung blieb die gesamte Zeit ausgelassen und trotzdem friedlich, obwohl es um so wichtige und ernste Themen wie Gewalt an Frauen, Femizide, Sexismus und das Abtreibungsverbot ging. Die große Anzahl an FLINTA*-Personen, die hier zusammenkam, die gemeinsamen Ziele, das gute Wetter und die Freude, endlich wieder die politischen Forderungen auf die Straße bringen zu können, sorgten für ein schönes Gemeinschaftsgefühl, das entstand. Ich fühlte mich mit meinen Mitstreiter*innen verbunden und merkte, was für eine Kraft und Stärke von uns ausging und was alles bewirkt werden könnte, wenn wir unsere Kämpfe verbinden und zusammen für die Abschaffung des Patriarchats kämpfen.

Auf vielen Plakaten war auch der Spruch „8. März ist jeden Tag“ zu lesen – das stimmt. Wir müssen jeden Tag für unsere Ziele kämpfen, uns jeden Tag miteinander vernetzen und uns gegenseitig unterstützen. Nicht nur am 8. März, sondern auch an den restlichen 364 Tagen des Jahres ist feministischer Kampftag! Das machte die Demonstration am 8. März noch einmal deutlich.