Unsere aktuellen Beratungsangebote

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Liebe Besucher*innen,


um die mögliche Verbreitung des Corona-Virus zu unterbrechen, ist das Frauenzentrum Paula Panke sowie der Frauenladen Weißensee nur eingeschränkt für den Publikumsverkehr geöffnet.

Veranstaltungen, Gruppen und Exkursionen können nur unter Einhaltung der nötigen Hygiene-Regeln stattfinden.

Die Sozial-, Lebens- und Rechtsberatungen finden ebenfalls 1:1 vor Ort wieder statt. Auch hier gelten die aktuellen Hygiene-Regeln.


Für eine Beratung vereinbart bitte vorher einen Termine per Telefon zu folgenden Zeiten :

Standort Pankow: Tel. 030 / 485 47 02
Mo: 10.00 – 12.00 Uhr
Di: 16.00 – 18.00 Uhr
Do: 10.00 – 12.00 Uhr

An unserem Standort in Weißensee berät dich unsere Mitarbeiterin in folgenden Zeiten:

Standort Weißensee Tel. 030 / 96 06 37 61

Mo: 14.00 – 16.00 Uhr
Di: 15.00 – 17.00 Uhr
Do: 10.00 – 13.00 Uhr

Winter-Spenden-Aktion vom 28. 09. bis 30. 10. 2020

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Wir sind wieder Sammelstelle für die Winter-Spenden-Aktion von Wir packen’s an. Die Nothilfe-Initiative sammelt für geflüchtete schutzsuchende Menschen auf dem Balkan, Lesbos, Chios, Patras, Athen, Thessaloniki und für Rojava/Syrien Sach- und Geldspenden ein und bringt sie selbst zu den Menschen, die sie dringend benötigen.

Bitte bringt nur Dinge, die auf der Bedarfsliste stehen. Ihr könnt sie hier sehen und als PDF-Dokument herunterladen.

Bitte gebt eure Sachspenden zu folgenden Zeiten bei uns in der Schulstr. 25 in 13187 Berlin-Pankow ab:


Mo: 10.00 – 12.00 Uhr
Di: 16.00 – 18.00 Uhr
Do: 10.00 – 12.00 Uhr

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“Hijas de la RDA-Töchter der DDR” – ein Podiumsgespräch

Marcela Rojas, Astrid Landero und Ana Maria Villegas beim Podiumsgespräch, Foto: Paula Panke e.V.

Am 16. September 2020 fand bei uns das Podiumsgespräch zum Thema “Hijas de la RDA-Töchter der DDR” statt.

Gemeinsam mit den beiden in Chile geborenen Frauen Marcela Rojas und Ana Maria Villegas führte Astrid Landero ein spannendes Gespräch über deren Erfahrungen und Erinnerungen an die Flucht aus Chile in den 1970er Jahren in die DDR, dem Aufwachsen dort und die Transformationszeit nach 1989.

Für beide Frauen hatte der 11. September 1973, der Tag an dem das Militär in Chile die demokratisch gewählte Regierung putschte, große Konsequenzen für ihr weiteres Leben. Sowohl Ana Maria als auch Marcela waren zu diesem Zeitpunkt erst sieben Jahre alt. Beide erzählen, wie sich eigene Erinnerungen dieses Tages und der folgenden Zeit mit Erzählungen und Berichten anderer vermischten.

Zeit des Umbruchs, Zeit der Flucht
Ana Maria erinnert sich noch daran, dass ihr Vater sich sofort verstecken musste, da er für eine kommunistische Zeitung arbeitete. Stark eingeprägt hat sich bei ihr, wie ihre Familie ihren Vater, der sich bei Freunden versteckte, heimlich besuchen ging.  Da ihr Vater Auslandskorrespondent war und dadurch Beziehungen zur DDR hatte, floh er kurze Zeit später über Peru in die DDR. Die Familie kam im Dezember nach.

Auch Marcela berichtet, dass der Putsch vor allem für ihren Vater direkte Folgen hatte. Sie erinnert sich daran, wie dieser auf einmal nicht mehr zu Hause war. Sie begriff intuitiv, dass er verhaftet worden war. Ihre Mutter fand ihn schließlich im Gefängnis, wo er gefoltert worden war. Mithilfe eines Rechtsprofessors schafften sie es, ihren Vater Anfang 1974 aus dem Gefängnis zu holen. Nach vielen Umwegen, Familientrennungen und einer kurzen Zeit in der DDR, folgte ein Jahr Aufenthalt in Kuba. Schlussendlich landete Marcelas Mutter mit ihren Töchtern wieder in der DDR.

Beide Frauen haben diese Zeit des Umbruchs und der Unsicherheit als sehr bewegende und prägende Zeit wahrgenommen. Sie mussten nun einen Neuanfang in einem fremden Land wagen.

Ankommen in einem fremden Land
Marcelas Familie kam zunächst in ein Heim, in dem nur Chilen*innen waren, und erzählt von einer großen Solidarität in der DDR den Menschen aus Chile gegenüber. Gemeinsam wurde überlegt, wo Leute leben und arbeiten können, Konfrontationen fanden nicht statt. Doch sie erinnert sich auch daran, wie schwierig die Zeit war, als viele verstanden, dass sie nicht bald nach Chile zurückkehren konnten, sondern hierbleiben mussten. Die Koffer, die seit der Ankunft nicht ausgepackt worden waren, mussten nun doch ausgeräumt werden.

Ana Maria wurde in der DDR im Gästehaus Märkisches Museum untergebracht. Dinge, die sie als Kind oft spielerisch nehmen konnte und neugierig entdecken konnte, waren für ihre ältere Schwester deutlich schwerer: Aus dem normalen Alltag herausgerissen zu werden, plötzlich völlig anders zu leben, weit weg von Freund*innen und allem Bekanntem.

Schwierigkeiten bei der Eingewöhnung
Auch den Erwachsenen, stark traumatisiert und unfähig über die Dinge, die ihnen in Chile widerfahren waren, zu sprechen, fiel das Eingewöhnen in dem fremden Land schwer. Da die Kinder sich trauten, auf andere zuzugehen und dadurch die deutsche Sprache lernten, fungierten sie schnell als Dolmetscherinnen ihrer Eltern. Beide Frauen erzählen, dass die Erwachsenen trotz gut organisierter Integration und Angeboten, häufig die deutsche Sprache aus einem Selbstschutz heraus nicht lernen wollten: Sie wollten doch gar nicht hierbleiben, sie wollten so schnell wie möglich zurück nach Chile. Ein Erlernen der neuen Sprache hätte bedeutet, zu akzeptieren, dass sie hier bleiben mussten.  Doch zurück nach Chile konnten sie nicht, denn ihre Reisepässe waren mit einem „L“- Stempel gekennzeichnet: Wer diesen Stempel hatte, durfte nicht nach Chile einreisen.

Die chilenische Herkunft soll nicht vergessen werden
Um den Bezug zu ihrem Geburtsland nicht zu verlieren, organisierten die Eltern chilenischer Kinder eigene politische und akademische Strukturen: Beispielweise mussten Marcela und Ana Maria neben dem Regelunterricht zusätzlich jeden Tag zwei Stunden mit chilenischen Lehrer*innen lernen. Sogar Prüfungen in Spanisch, Geschichte und Geografie Chiles mussten sie ablegen.

Beide Frauen machten schlussendlich ihr Abitur in der DDR, studierten dort und ergriffen einen Beruf in der DDR.

Neue Umbrüche und die Frage der Rückkehr
Im Jahr 1989 kam es zu erneuten Veränderungen für die beiden Frauen und ihre Familien: Im April 1989 kehrten Marcelas Eltern zurück nach Chile, die nach dem Plebeszit zum Ende der Diktatur 1988 wieder einreisen durften. Marcela, die zuerst zu Ende studieren wollte, entschied sich auch nach dem Studium, in der DDR zu bleiben.

Ana Marias Eltern kamen nicht so euphorisch von ihrem ersten möglichen Besuch aus Chile wieder. 1992 gingen sie dennoch ohne ihre Kinder zurück nach Chile. Was Marcela schwer fiel, war für Ana Maria ganz leicht: Nahtlos ging ihr Studium in einen Job über, sie blieb.

Beide Frauen blieben somit in der DDR, auch wenn ihre Familien sich entschieden hatten, zurück nach Chile zu gehen. Als Marcela und Ana Maria Chile verließen, waren sie noch Kinder, die meiste Zeit ihres Lebens hatten sie in der DDR verbracht – wo waren sie nun endgültig zu Hause?

Die Frage nach der Heimat
Zum Ende des gemeinsamen Gesprächs hin stellte Astrid beiden die Frage, was Heimat für sie nun bedeutet. Den Frauen fiel eine Antwort auf diese Frage schwer. Einig waren sie sich darin, dass sie sich nicht als ‚Deutsche‘ bezeichnen würden, dass sie sich in Chile mittlerweile aber auch zum Teil als ‚Ausländerin‘ fühlten.
Sie kommen zu dem Schluss, dass ein bestimmter Ort vielleicht gar nicht das wichtigste ist. Vielmehr geht es darum, wo man glücklich ist und wo die passenden Menschen sind, denn die eigene Kultur trägt man immer in sich, egal, wo man sich gerade befindet.


Das Podiumsgespräch wurde aufgezeichnet und kann hier auf YouTube-Video angesehen werden:

Bürger*innenforum: Ohne Gleichstellung keine Demokratie!

Bürger*innenforum für ein weltoffenes Pankow

Das Bündnis Pankower Frauen* gegen Rechts lädt am

Dienstag, 29. September 2020 von 18 – 20 Uhr zu einem Gespräch mit

Dr. Berit Schröder (Fach- und Netzwerkstelle gegen Rechtsextremismus, für Demokratie und Vielfalt)

in den Gemeindesaal St. Augustinus, Dänenstr. 17/18 in 10439 Berlin ein .

Dr. Schröder wird über Strategien und Bewegungen des Antifeminismus und Rechtspopulismus sprechen.

Gemeinsam sollen außerdem im Bürger*innenforum neue Wege und Möglichkeiten für einen gemeinsamen Kampf gegen Rechts gefunden, sich ausgetauscht und vernetzt werden.

Das Bündnis Pankower Frauen* gegen Rechts  ist nach Angriffen durch die AfD auf die zivilgesellschaftliche Arbeit von Pankower Vereinen wie Paula Panke oder das JUP entstanden und hat sich als Zeichen der Solidarisierung der Frauen- und Jugendträger gemeinsam mit dem demokratischen Parteien im Bezirk gegründet.

Das Bündnis reagiert aktuell und lokal auf akute Angriffe oder geplante Aktionen der rechten Kräfte  und will in der Öffentlichkeit ein unübersehbares Zeichen gegen Rassismus, Antisemitismus, Rechtsextremismus und Antifeminismus setzen und Bürgerinnen* ermutigen, sich dem Kampf gegen Rechts in dem Bündnis der Pankower Frauen* anzuschließen und sich für ein weltoffenes, antirassistisches und feministischen Pankow jederzeit einzusetzen.

Die Veranstaltung findet im Rahmen der Interkulturellen Woche Berlin statt.

Moderation:
Astrid Landero und Katharina Berten
(SprecherinnenRat*Pankower Frauen* gegen Rechts)

Anmeldung erforderlich unter: programm@paula-panke.de

Hinweis

Die Veranstaltenden behalten sich vor, von ihrem Hausrecht Gebrauch zu machen und Personen, die rechtsextremen Parteien oder Organisationen angehören, der rechtsextremen Szene zuzuordnen sind oder bereits in der Vergangenheit durch rassistische, nationalistische, antisemitische oder sonstige menschenverachtende Äußerungen in Erscheinung getreten sind, den Zutritt zur Veranstaltung zu verwehren oder von dieser auszuschließen.

Paula Talk: Gesellschaftliche Strukturen und psychische Erkrankungen

Lea und Paula beim Paula Talk, Foto: Johanna S.
Lea und Johanna beim Paula Talk

Zum zweiten Paula Talk am 4. September 2020 hatte Vorstandsfrau Lea Marignoni die Leipziger Psychologin und Autorin Paula Charlotte Kittelmann eingeladen. Paula Kittelmann arbeitet nicht nur als Therapeutin, sondern schreibt auch als Redakteurin über intersektionalen Feminismus mit Fokus auf Körperakzeptanz, psychische Erkrankungen und mentale Gesundheit.


Paula Kittelmann erzählt, dass bei der therapeutischen Arbeit der Beitrag der Gesellschaft an psychologischen Erkrankungen deutlich wird: Sexismus, Rassismus und tradierte Geschlechterrollen führen bei Patient*innen zu traumatischen Erlebnissen und in der Folge zu Erkrankungen wie Depressionen und Essstörungen.

„Termini, Muster und Strukturen sind sehr heteronormativ und veraltet in der klassischen Psychologie“,

erzählt sie im Paula Talk. Es werde sehr wenig über Stressoren wie Homophobie und Sexismus und ihren Einfluss auf psychische Erkrankungen gesprochen und es gebe auch wenige Studien dazu. Einige hat sie uns hier zum Weiterlesen empfohlen:

Sie betont, dass Geschlechterrollen nicht nur strukturellen Einfluss haben, sondern sich vor allem auch auf soziale Situationen auswirken, beispielsweise wie Frauen* und Männer* Konflikte verarbeiten ‚dürfen‘: Jungs dürfen wütend sein, Mädchen wird das nicht zugestanden. Viele Patientinnen von Paula Kittelmann haben ein großes Problem damit.

Auch haben Frauen* gelernt, dass ihre Grenzen in einer patriarchalen Gesellschaft nicht akzeptiert werden und ihre Bedürfnisse oft hintenanstehen müssen. Auch das werde in der Psychologie nicht mitgedacht, sagt die Psychologin.

Für Frauen*, PoC und queere Personen ist Intersektionalität ein permanenter psychischer Stressfaktor, weil sie beispielsweise einer tradierten Rolle nicht entsprechen. In der Folge können sich bei ihnen permanente Selbstunsicherheit, Selbstzweifel, Phobien und Zwangsstörungen ausbilden. Aber auch Männer* sind davon betroffen: Wenn Jungs nicht weinen dürfen, ist das eine große Belastung für ihre Psyche: Sie dürfen nicht fühlen!


Studien belegen einen Zusammenhang zwischen Sexismus und Depression. Männer, die depressiv sind, verhalten sich sexistischer, weil sie den Eindruck haben, dass sie der tradierten Rolle als Mann nicht entsprechen.

Paula Kittelmann ist wie wir der Meinung, dass sich die gesellschaftlichen Strukturen für unser aller Wohl ändern müssen. Weg mit Unterdrückungsstrukturen und Vormachtstellungen. Die Frauenquote ist noch nicht die Lösung für das Problem des Patriarchats.



„Wir müssen weitermachen und lauter werden.“, sagt Paula Kittelmann „Und jede*r muss sich selbst und seine Psyche ernst nehmen und sich, wenn nötig Hilfe holen.“



Den ganzen Paula Talk mit Paula Kittelmann findet ihr in unserem YouTube-Kanal:



Paula Kittelmann hat für uns eine Literaturliste zusammengestellt:





Incels – Lesung mit Veronika Kracher

Veronika Kracher, Foto: Paula Panke e.V.

Die Journalistin und Autorin Veronika Kracher las am 21. August 2020 bei Paula Panke e.V. aus ihrem Buch „Incels – Sprache, Geschichte und Ideologie eines misogynen Online-Kults“, das im September 2020 erscheint. Wir freuen uns, diese Premiere mit ermöglicht zu haben.

Die Veranstaltung fand in Kooperation mit dem Sonntags-Club e.V. und Stop-Stalking statt. Das war für uns alle aufregend. Denn wegen der Corona-Einschränkungen fand die Veranstaltung hybrid statt – online und offline.  Außerdem gab es im Vorfeld unerfreuliche rechtspopulistische Angriffe auf unserer Facebook-Seite.

Die Lesung wurde aufgezeichnet und kann hier das YouTube-Video angesehen werden:

Incel – Involuntary Celibate
Mit Temperament, Tempo und schwarzem Humor las Veronika aus ihrem Manuskript vor und führte uns in die Ideologie der Incel-Community ein. Incel steht dabei für Involuntary Celibate. Die Community vereint weiße junge Männer bis 24 Jahre, die unfreiwillig keinen Sex haben. Daraus entwickeln sie ein toxisches Denken, das etwas Kultartiges hat und aus dem es nur schwer einen Ausweg gibt. Die Autorin zeigt, dass das Phänomen Incels ein Ausdruck der patriarchalen gesellschaftlichen Strukturen ist, in denen wir leben. Nur mit dem Ende des Patriarchats können diese selbstzerstörerischen, frauenfeindlichen Entwicklungen bei jungen Männern nachhaltig behoben werden.

Veronika Kracher beschäftigt sich seit drei Jahren mit der Incel Community. Dass es notwendig ist ein Buch darüber zu schreiben, wurde ihr durch das Medieninteresse klar, das es nach dem Attentat in Halle 2019 gab. Die Motive des Täters waren zwar primär antisemitisch, doch gingen sie auch mit Frauenhass (Misogynie) einher und Incels rückten erstmals in das Bewusstsein der deutschen Öffentlichkeit.

Selbsthass, Frauenhass und Opferdenken als roter Faden
Dabei schaden die Mitglieder der Incel-Community mit ihrer Ideologie auch sich selbst. Es ist ein Denken, das auf Verzweiflung aufgebaut ist. Veronika beschreibt die Community als „eine traurige, toxische Szene“. Schaut man/frau sich die Foren an, ziehen sich Selbsthass, Frauenhass und Opferdenken als roter Faden durch die Chatverläufe.

Frauen-Ideal der Incels: nah an Pädophilie
Sie, die weißen Cis-Männer, sehen sich als Verlierer unserer Zeit. Sie haben sich selbst die ‚Black Pill‘ verschrieben – ein Cocktail aus Nihilismus, Hoffnungslosigkeit und Selbsthass. Treiber ist die Unerreichbarkeit von Sex. Schuld sind die Frauen: Sie sind zu selbständig, zu selbstbewusst und zu feministisch. Die ideale Frau ist für einen Incels weiß, jugendlich, jungfräulich, devot – was einer Glorifizierung der Pädophilie nahekommt. Die Wunsch-Partnerin ist kein eigenständiges Subjekt und steht unter ständiger Kontrolle.

Incels – die Spitze des Eisbergs in einer patriarchalen Gesellschaft
Gewalt gegen Frauen hat bei Incels System. Terrorakte gelten als Rituale der ‚Mannwerdung‘. Doch sind Incels lediglich die Spitze des Eisberges und keine Einzeltäter in einer patriarchalen Gesellschaft: Es geht um Vormachtstellung per Geschlecht.

Das belegt allein schon die Studie des BKA von 2018 für Deutschland, nach der jede Stunde eine Frau in Deutschland Opfer einer Körperverletzung durch den Partner wurde. In einer patriarchalen Gesellschaft werden Männer systematisch von der Verantwortung freigesprochen, mit einer Kränkung umzugehen und sie meinen, sich mit Gewalt durchsetzen zu können.

Der Hass der Incels richtet sich dabei nicht nur gegen Frauen. Ihr Hass trifft auch queere Menschen und alle, die anders sind. Sie entwickeln obskure Theorien zu männlicher und weiblicher Homosexualität, die ihr in Veronika Krachers Buch nachlesen könnt.

Selbstliebe ist möglich
Was der Incel-Ideologie fehlt, ist die Erkenntnis, dass Selbstliebe möglich ist und man sich dafür nicht ununterbrochen selbst optimieren muss. Denn das tun Incels in ihren Foren, weil sie sich selbst als hässlich empfinden: zu klein, zu dünn, die falschen Augenwinkel haben…
„Es ist eine Ideologie, mit der man sich ein Loch gräbt, aus dem man selbst nur schwer wieder herauskommt“, meint Veronika. „Sie brauchen professionelle Hilfe, um dem Selbsthass zu entkommen.“

Profeministische Jungenarbeit ist nötig
Eine couragierte Zivilgesellschaft ist wichtig, um zu verhindern, dass junge Menschen in derartige Strukturen rutschen. Es ist nötig, ihnen mit entsprechenden Beratungsangeboten zu helfen – empfiehlt Veronika. Für die Prävention ist profeministische Jungenarbeit nötig, sowie das Freilegen patriarchaler Strukturen in unserer Gesellschaft. Das passt zur aktuellen Bildungsreihe von Paula Panke e.V. „Vom Ende des Patriarchats“.

Veronika Kracher, Foto: Paula Panke e.V.
Veronika Kracher, Foto: Paula Panke e.V.


 
Veronika Kracher hat für ihre Recherchen selbst mit ehemaligen Incels gesprochen. Ihrer Erfahrung nach waren die jungen Männer mental am Boden zerstört. Für den Weg aus der ungesunden Sucht der Selbstverletzung benötigen sie eine Therapie. Aber noch wichtiger ist der Rahmen:

„Damit die Incel-Ideologie für sie nicht mehr attraktiv ist, müssen sich die Verhältnisse ändern. Gesellschaften, in denen es legitim ist nach unten zu treten, um sich besser zu fühlen, gehören abgeschafft!“

Es war nicht die Olsenbande!

Schwerer Einbruch am Wochenende 15./16.8.2020 in den Einrichtungen des Frauenzentrums Paula Panke

Der Paula Panke e.V. hat in den 30 Jahren seit Gründung einiges erlebt und auch ertragen.

Einerseits erhielten wir für unsere Arbeit tausendfache Zuneigung, Achtung und Anerkennung – bei weitem nicht nur von Frauen. Andererseits haben den Verein Paula Panke e.V. aber auch stets Angriffe begleitet – sowohl politischer als auch immer wieder krimineller Art.

Der vierte Einbruch innerhalb des letzten halben Jahres lassen Paula Panke nicht mehr an Zufälle glauben.

Hierzu möchten wir festhalten: Diese Vorfälle sind sicherlich empörend und belastend, werden uns in der langen Sicht aber nur stärker machen. Solidarität und tatkräftige Hilfe waren und sind uns jederzeit sicher.

Weder parlamentarische Anfragen, die die Legitimität des Projekts infrage stellten, noch digitale Hass-Nachrichten haben das Frauenzentrum Paula Panke kleingekriegt. Attacken dieser Art haben Paula nur noch mutiger gemacht und zu einer Stärkung unseres Netzwerks geführt. Wenn ihr mehr darüber wissen wollt, könnt ihr hier unsere Broschüre Demokratie stärken. Zivilgesellschaft ausbauen lesen.

Wer auch immer am vergangenen Wochenende unseren Tresorschrank aus der Wand im Frauenzentrum Paula Panke gerissen und öffentliche Fördergelder sowie mühsam erwirtschaftete Vereinseinnahmen geraubt hat: Es waren sicher nicht Egon Olsen und sein „Team“. Die haben Banktresore geknackt, es aber nicht auf gesellschaftlich engagierte, finanziell knapp aufgestellte Projekte abgesehen.

Wie beschämend ist es, zivilgesellschaftliche, bescheiden ausgestattete Einrichtungen zu überfallen, Schlösser und Türen aufzubrechen und einen Tresor zu rauben? Es ist auf jeden Fall brutal kriminell.

Auch andere feministische Zentren und Projekte, die sich für die Belange von Frauen* einsetzen, haben uns im Zuge der jüngsten Ereignisse berichtet, dass sie z.T. massiv von Raubüberfällen betroffen sind. Dies sehen wir als Anlass, hier an unserem Beispiel öffentlich darüber zu berichten und allen, die nachts in ihrer kriminellen Energie nicht schlafen können, zu sagen:

Mit Paula Panke wird auch künftig zu rechnen sein!

Jetzt erst recht.

Unverzichtbar feministisch!

Vernissage: PankOWER Frauen

Sascha J.Bachmann im Gespräch bei der Vernissage, Foto: Paula Panke e.V.
Sascha J.Bachmann im Gespräch bei der Vernissage, Foto: Paula Panke e.V.

Am 14. August 2020 waren die Türen bei Paula Panke nach langer Pandemie-Zeit endlich wieder – unter den gegebenen Einschränkungen – für eine Veranstaltung geöffnet:


Die Vernissage für die Ausstellung „PankOWER Frauen“ mit Arbeiten der Fotografin Sascha J. Bachmann, Fotografin aus Berlin.


Sascha J. Bachmann ist selbst im Pankower Frauenbeirat aktiv. Dort wurde sie auf die AG Spurensuche aufmerksam, die Frauen sichtbar machen will, die in der Vergangenheit Pankow geprägt haben.

Sascha fragte sich: Warum nicht auch die lebenden Frauen sichtbar machen, die sich aktuell für feministische Themen und Gleichstellung engagieren?


So entstand die Idee zu der Porträtserie „PankOWER Frauen“. Die ersten sieben Power-Frauen sind jetzt bis Ende September bei Paula Panke zu sehen. Wir sind gespannt, wer noch hinzukommt.


Zurzeit können nur acht Besucher*innen gleichzeitig die Ausstellung ansehen. Zur Vernissage hatten wir deshalb die Vorgärten in der Schulstrasse geöffnet, um bei sommerlichem Wetter mit den Besucher*innen diesen Abend gemeinsam genießen zu können.

Paula Talks: Digitaler Feminismus

Paula Talks: Lea u Franzi, Foto: Paula Panke e.V.
Lea und Franzi

Im ersten der Paula Talks am 5. August 2020 sprach Lea Marignoni, Vorstandsfrau bei Paula Panke e.V.,

mit Franziska Dickmann (Franzi) von Vulva im Dialog,

einem feministischen Projekt von Doppelstadtkultur e.V. in Frankfurt/O., über digitalen Feminismus.

Coronabedingt ist das Bildungsprojekt zur sexuellen Bildung digitaler geworden:

Ein Podcast entstand sowie die deutsch-polnische Social Media-Kampagne Vulva Facts.

Technik-Check

Ebenfalls coronabedingt fand der erste Paula Talk als Hybrid-Veranstaltung statt:

Nur wenige waren vor Ort dabei.

Die meisten folgten dem Talk via Facebook-LiveStream.

Und da es unser erster Einsatz mit der neuen Technik war, ruckelte der Anfang ein bisschen.

Das störte Franzi aber gar nicht, denn das ist sie von ihrem Projekt gewöhnt.

So entspann sich ein sehr interessanter Dialog zwischen zwei jungen Feministinnen, den ihr euch hier noch nachträglich ansehen könnt:



Facebook-LiveStream: Paula Talks mit Vulva im Dialog


Franzi empfiehlt neben Instagram als ihren favorisierten digitalen Ort für digitalen Feminismus Facebook für Events und diese drei Podcasts:

SextapePodcast
Frag mal Agi
Lila Podcast

Neben den digitalen Angeboten schätzt Franzi feministische Stammtische und Lesezirkel wie es auch bei Paula Panke e.V. einen gibt.

Allen gab sie mit auf den Weg: Seid auf jeden Fall feministisch und bildet Banden!

Vulva Facts und Aufkleber von Vulva im Dialog


Mona Chollet: „Hexen. Die unbesiegte Macht der Frauen“

Eine Buch-Rezension von Anna Anger

Hexen von MChollet_NautilusVerlag

In ihrem Essay „Hexen. Die unbesiegte Macht der Frauen“ greift die schweizerische Schriftstellerin Mona Chollet stereotype Charakterisierungsmerkmale auf, die im Mittelalter zur Erkennung von mutmaßlichen Hexen genutzt wurden und verknüpft sie mit der gesellschaftlichen Konstruktion der Frau* des 21. Jahrhunderts. Ihr Werk wurde im Rahmen der Reihe „Nautilus Flugschrift“ des Verlages Edition Nautilus herausgegeben und aus dem Französischen von Birgit Althaler übersetzt. Die deutsche Erstausgabe erschien im März 2020.

Worum geht es?

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Eine neue Zukunft für zwei Frauen und ihre Kinder beginnt im Mai

Mutter und Kind verlassen die Zufluchtswohnung, KelliMcClintock / Unsplash

Manchmal wird am Ende doch alles gut – oder zumindest besser. Im Monat Mai verlassen zwei Frauen und ihre Kinder unsere Zufluchtswohnungen in ihr neues, selbstbestimmtes Leben ohne Gewalt. Das macht uns sehr glücklich und bestärkt uns unsere Arbeit genau so weiterzumachen.
Als die Mütter zu uns kamen…


Foto: Kelli McClintock / Unsplash

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