Am 26. Februar 2026 begrüßten wir im Frauenzentrum Paula Panke e.V. Marie Friesenhahn und Maxine von HEROES® zum Paula Talk im Rahmen unserer zweijährigen Bildungsreihe „Feministisch Widerstehen!“. Der Abend stand unter dem Titel „Feministische Erziehung und kritische Männlichkeit“ und war geprägt von einer lebendigen, differenzierten Diskussion über Geschlechterrollen, Machtstrukturen und Antigewaltarbeit.
Marie ist Projektleiterin bei HEROES® und Maxine studentische Fachkraft. HEROES® ist ein feministisches Jungenprojekt des Strohhalm e.V. und setzt sich seit 2007 für Selbstbestimmung, Gleichberechtigung und den Abbau patriarchaler Gewalt ein.
Feministische Jungenarbeit als Antigewaltarbeit
HEROES® entstand aus der Beobachtung heraus, dass es zahlreiche Empowerment-Angebote für Mädchen gab, jedoch kaum Räume für Jungen, um sich kritisch mit Männlichkeitsbildern auseinanderzusetzen. Von Beginn an war das Projekt feministisch ausgerichtet: Ziel ist es, traditionelle Rollenbilder zu hinterfragen und Alternativen zu entwickeln.
Im Zentrum steht die Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Machtverhältnissen. Dabei wurde im Gespräch deutlich: Gewalt gegen Frauen ist kein „importiertes Problem“ und keine Frage kultureller Herkunft. Die Reduzierung geschlechtsspezifischer Gewalt auf migrantische Communities greift zu kurz und verschiebt Verantwortung. HEROES® arbeitet daher klar rassismuskritisch und versteht patriarchale Gewalt als gesamtgesellschaftliches Problem.
Raum für Reflexion, Gefühle und neue Perspektiven
Die Teilnehmer von HEROES® sind zwischen 15 und 26 Jahre alt. Viele kommen aus Berliner Bezirken wie Neukölln oder Kreuzberg. Die Teilnahme ist freiwillig – eine bewusste Entscheidung, denn die intensive Auseinandersetzung mit Männlichkeit setzt eigene Motivation voraus.
In regelmäßigen Treffen beschäftigen sich die jungen Männer mit Themen wie Geschlechterrollen, Eifersucht, Gewalt, Homophobie, Familienbildern und gesellschaftlichem Druck. Es geht um Fragen von Identität, Verantwortung und Emotionen – und darum, eigene Prägungen zu reflektieren.
Ein zentrales Element ist der geschützte Raum: Hier dürfen Unsicherheiten ausgesprochen, Zweifel geteilt und Gefühle gezeigt werden. Offenheit, Verletzlichkeit und gegenseitige Unterstützung werden bewusst gestärkt – als Gegenentwurf zu starren Vorstellungen davon, „wie ein Mann zu sein hat“.
Ausbildung zu Multiplikatoren
Neben der inhaltlichen Auseinandersetzung werden die Teilnehmer geschult, selbst Workshops an Schulen durchzuführen. In Rollenspielen werden Alltagssituationen erprobt, Konflikte analysiert und Handlungsalternativen entwickelt.
Zwei- bis dreimal wöchentlich finden Schulworkshops statt, in denen jährlich rund 1.800 Schüler*innen erreicht werden. Am Ende der Ausbildung steht eine feierliche Zertifikatsvergabe. Viele der jungen Männer engagieren sich anschließend weiter und wirken als Multiplikatoren in ihrem sozialen Umfeld.
18 Jahre Erfahrung – und weiterhin notwendig
In 18 Jahren Projektarbeit hat HEROES® vielfältige Erfahrungen gesammelt. Rassismuskritische Perspektiven spielen dabei eine zentrale Rolle, ebenso wie die Reflexion von Macht – sowohl in Bezug auf gesellschaftliche Institutionen als auch innerhalb von Geschlechterverhältnissen.
Traditionelle Männlichkeitsbilder erzeugen oft hohen Druck: stark sein, keine Schwäche zeigen, früh Verantwortung übernehmen. Gleichzeitig erleben viele junge Männer selbst Diskriminierung und Ausgrenzung. Die Arbeit von HEROES® macht deutlich, dass es möglich ist, diese Erfahrungen ernst zu nehmen und zugleich patriarchale Strukturen kritisch zu hinterfragen.
Kritische Männlichkeit bedeutet nicht, Männer abzuwerten, sondern Hierarchien abzubauen. Weniger Dominanz, mehr Gleichberechtigung und mehr emotionale Freiheit kommen letztlich allen zugute. Gleichstellung stärkt nicht nur Beziehungen, sondern auch demokratische Strukturen.
Der Paula Talk hat eindrucksvoll gezeigt, wie wichtig feministische Jungenarbeit für eine gewaltfreie und solidarische Gesellschaft ist.
Wir danken Marie Friesenhahn und Maxime herzlich für ihre Einblicke in die Arbeit von HEROES® und allen Besucher*innen für den engagierten Austausch.
