Resist? Ja! Resist! Darum ging es am 25. September 2026 beim Paula Talk mit Laura und Katharina im Feministischen Zentrum Paula Panke Pankow. Wie können wir in schwierigen Zeiten hoffnungsvoll und solidarisch bleiben? Wie können wir „weich bleiben in harten Zeiten“, wie es im Untertitel von „Resist“ heißt, dem Buch des Lila Podcast, das uns Laura Lucas als Co-Autorin und Katharina Alexander als Redaktionsleiterin vorstellten.
Das Buch bündelt mit feministischer Brille sehr gut lesbar die Themen des Podcasts von Machtverhältnissen in einer patriarchalen Gesellschaft bis hin zu weiblicher Selbstbestimmung. Entstanden ist der Lila Podcast aus einem feministischen Blog der Gründerinnen Katrin Rönicke und Susanne Klingner. Inzwischen gibt es ihn seit 13 Jahren.
Laura las für uns ihre Beobachtungen zu Gefühl, Sprache und Ambiguitätstoleranz vor. Ambi – was?! Ja! Ambiguitätstoleranz und Ambiguitätsfeminismus. Später mehr dazu. Katharina rahmte den Abend mit klugen Einordnungen der Themen und einer interaktiven Sequenz zum Schluss.
Lasst die Reise beginnen…
1. Take: Wir können nicht nicht emotional sein
In einer patriarchalen Gesellschaft werden Emotionen entlang traditioneller Rollenvorstellungen gegendert. Männer sind rational und kontrolliert, Frauen emotional und überempfindlich/ zickig. Dabei ist jeder Mensch beides. Und Männer werden nicht nicht emotional. Sie sind es. Immer.
Alle Menschen sind emotional.
Die gesellschaftlichen Vorstellungen davon, welche Emotionen wie gegendert werden, sind tief in unserem Selbstverständnis verankert und wirken unbewusst. Sie beeinflussen die Bewertung von Emotionen. Menschen, die sich nicht entsprechend der erwarteten Geschlechterrolle verhalten, werden kritisch bewertet. Eine Frau* beispielsweise, die mit Selbstbewusstsein auftritt, ist bossy. Und Männer weinen nicht.
Traurig oder doch eher wütend?
Weiblich gelesene Personen lernen früh, Wut in Trauer zu verwandeln. Denn Traurigkeit ist ihnen ‚erlaubt‘, Wut hingegen nicht. Frag dich also, wenn du traurig bist, ob du nicht eigentlich wütend bist, wie es Laura in ihrem Text beschreibt. Wir glauben, traurig zu sein, obwohl wir in Wahrheit einfach nur Wut empfinden. Das richtig einzuordnen, erfordert kritische Selbstbeobachtung und Übung.
Wir wissen teilweise besser, wie ein Computer funktioniert, als wie wir selbst funktionieren.
2. Take: Überleg mal, was du sagst
Sprache. Mit Sprache wird Macht vermittelt. Mit Sprache wird Dominanz ausgedrückt. Ihr wisst gerade nicht wovon ich rede? Ich erläutere euch das an einem Beispiel, das uns Laura Lucas aus ihren persönlichen Erfahrungen erzählt hat.
Sie war in einem Zug auf dem Weg von Köln nach München. In ihrem Abteil eine Gruppe an Männern. Lauten Männern. Anscheinend waren sie auf dem Weg zu einem Fußballspiel. Dementsprechend musste man sich natürlich vorbereiten. Mit Alkohol. Alle von ihnen waren weiß und körperlich gesund (soweit man ihnen das ansehen konnte). Lautstark wurden die verschiedensten Themen besprochen. Die Brüste ihrer Freundinnen oder Essen wie Lamacun, von den Herren jedoch als „Türkenrolle“ bezeichnet. Wörter wie „schwul“ oder „behindert“ fielen, um sich gegenseitig zu beleidigen. Und gegenseitg wurde der Akt des Rülpsen als ein „Jawohl“ verstanden. Nun saßen sie da, nicht nur laut den Raum einnehmend, sondern auch physisch. Der Körper, der sich weit in den Gang lehnte und wodurch Passant*innen sich schmaler machen mussten, um an ihnen vorbei zu kommen. Nun, nicht alle Passant*innen. Als ein großer, stark aussehender Mann an ihnen vorbei gehen wollte, hat dieser sich nicht klein gemacht. Im Gegenteil: Plötzlich veränderte sich bei der Männergruppe etwas. Plötzlich machten sie sich klein. Naja, bis der große starke Mann weg war. Selbst als die Männer von anderen Passant*innen darauf hingewiesen wurden, leiser zu sein, taten sie es nicht.
Dieses Beispiel verdeutlicht, dass durch Sprache Macht und Dominanz vermittelt wird. Die laute Männergruppe, die sich gegenseitig beleidigen, sexistische Bemerkungen über Frauen* machen und rassistische Begriffe verwenden. Durch ihre laute und abwertende Sprache stärken sie den Zusammenhalt in der Gruppe, grenzen gleichzeitig jedoch andere Menschen aus. Sie beanspruchen durch ihr Verhalten den Raum nicht nur verbal, sondern auch physisisch, sodass andere Menschen ihnen sogar ausweichen müssen.
Ein Paradebeispiel dafür, wie sprachliche und körperliche Dominanz zusammenwirken, und dazu führen, dass sich andere Menschen zurücknehmen. Laura Lucas zeigt durch dieses Beispiel , dass Sprache nicht neutral ist. Welche Begriffe Menschen verwenden, wen sie abwerten und über wen sie witze machen, hängt mit gesellschaftlichen Vorstellungen und bestehenden Machtverhältnissen zusammen. Sprache spiegelt also nicht nur gesellschaftliche Machtverhältnisse wider, sondern kann diese auch festigen.
3. Take: Ambiguitätstoleranz und Ambiguitätsfeminismus
Im dritten Leseteil ging es um Ambiguitätstoleranz, bzw. Ambiguitätsfeminismus. Ambiguität bezieht sich auf die Fähigkeit, Widersprüche und unterschiedliche Perspektiven auszuhalten – angefangen bei unterschiedlichen Meinungen bis hin zu politischen Haltungen, auch innerhalb des Feminismus. Verschiedene Perspektiven stellen nicht unbedingt Gegensätze dar. Es sind zwei Wahrheiten, die nebeneinander bestehen können. Was auch erstmal ein gewisses Unbehagen auslösen darf. Wenn man sich mit einem Thema auseinandersetzt, bedeutet das nicht, sofort eine klare Antwort zu finden. Man muss miteinander im Gespräch bleiben und die eigene Perspektive immer wieder hinterfragen.
Insbesondere geht es darum, Gleichheitsfeminismus* und Differenzfeminismus** gleichzeitig gelten zu lassen und sich nicht für eine Perspektive entscheiden zu müssen. Der Ambiguitätsfeminismus versucht, beide Perspektiven zusammenzudenken, ohne die Widersprüche sofort auflösen zu müssen.
Entscheidend ist es schließlich, solidarisch zu bleiben und den Austausch nicht aufzugeben.
Es muss Orte des friedlichen Austausches und Miteinanders geben, jenseits von Polarisierung, Abgrenzung und Hate Speech. Lasst uns alle wieder mehr auf den Teppich kommen und miteinander reden.
Ein solidarisches Miteinander
Zum Ende der Veranstaltung sind wir noch miteinander ins Gespräch gekommen zu der Frage:
Wie schafft man es, in der heutigen Zeit noch Hoffnung zu haben?
Wie schafft man es also weich zu bleiben in harten Zeiten?
Das waren eure Vorschläge:
- Fokus auf positive Dinge legen
- Solidarische Gruppen und tatsächliche menschliche Begegnungen
- Aufgeben und Verschließen sind keine Optionen
- Perspektivwechsel
- Verbindung mit Feminist:innen/ Safe space
- sich selbst gegenüber ambiguitätstolerant sein,
- nicht versuchen die Welt zu ändern, aber sein persönliches Umfeld feministisch gestalten
Ambiguitätstoleranz gibt Hoffnung, aber…
Der Ansatz von Laura und Katharina macht Hoffnung. Aber die Begriffe Ambiguitätstoleranz und Ambiguitätsfeminismus sind sperrig. Könnt ihr das besser in Worte fassen?! Dann schreibt uns!
*Gleicheitsfeminismus: Frauen und Männer sollen gleich behandelt werden und die selben Rechte und Möglichkeiten haben.
**Differenzfeminismus: Geschlechtliche Unterschiede und unterschiedliche Erfahrungen sollen anerkannt und berücksichtigt werden.
