Lesung & Gespräch: Entspannte Wechseljahre

Lesung & Gespräch: Entspannte Wechseljahre Foto: Paula Panke, Canva

Lesung & Gespräch: Entspannte Wechseljahre

Sonja Bienemann nahm uns in eine Lebensphase mit, über die noch immer viel zu wenig gesprochen wird, obwohl sie so viele betrifft. Am 30. Januar 2026 las sie im Frauenzentrum Paula Panke aus ihrem Buch „Entspannte Wechseljahre. Mit Pflanzenpower aktiv ausgleichen & unterstützen“. Dieser informative und wohltuende Abend wird noch lange bei uns nachklingen.

Wechseljahre – ein Thema, das endlich Raum bekommt

Die Wechseljahre sind noch immer ein Tabuthema. Viele Frauen und TINA* erleben körperliche und emotionale Veränderungen, ohne genau zu wissen, was mit ihnen passiert. Hitzewallungen, Schlafstörungen, Stimmungsschwankungen, Zyklusveränderungen oder Brainfog – das Gefühl mentaler Unklarheit – werden oft lange nicht als hormonelle Umstellungsprozesse erkannt.

Sonja Bienemann machte deutlich: Die Wechseljahre beginnen nicht erst mit 50. Die sogenannte Perimenopause kann bereits viele Jahre früher einsetzen. Umso wichtiger sind verlässliche Informationen und eine sensible Begleitung.

Fachwissen, Erfahrung und Engagement

Als Kräuterpädagogin und ausgebildete Wechseljahresberaterin verbindet Sonja Bienemann fundiertes Wissen mit viel praktischer Erfahrung. Sie bietet individuelle Beratungen an, informiert über Möglichkeiten der Hormontherapie ebenso wie über pflanzenheilkundliche Alternativen und unterstützt Frauen und TINA* dabei, ihren eigenen Umgang mit den Wechseljahren zu finden.

Darüber hinaus ist sie Mitgründerin des Deutschen Verband für Wechseljahresberatung e.V. Ziel des Verbands ist es, Qualitätsstandards für die Wechseljahresberatung zu etablieren und das Thema stärker in den gesellschaftlichen und politischen Diskurs zu bringen. Denn noch immer gilt: Ärzt*innen werden für ausführliche Wechseljahresberatungen kaum vergütet, das Thema ist in der medizinischen Ausbildung wenig verankert und viele Betroffene fühlen sich mit ihren Beschwerden nicht ernst genommen.

Umso wichtiger ist Aufklärung. Sonja berichtete auch von eigenen Erfahrungen mit verharmlosenden Kommentaren wie „Das ist nur Stress“ oder „Trinken Sie doch ein Glas Wein“. Solche Aussagen zeigen, wie groß der Nachholbedarf noch ist.

Was das Buch leistet

In Entspannte Wechseljahre verbindet sie wissenschaftliche Erkenntnisse mit alltagstauglichen Tipps. Das Buch bietet:

  • eine verständliche Einführung in die verschiedenen Phasen der Wechseljahre
  • einen Überblick über typische Beschwerdebilder
  • Hintergrundwissen zur Geschichte der Menopause
  • Aufklärung über Mythen und Halbwissen
  • praktische Ernährungstipps
  • konkrete Rezepturen aus der Pflanzenheilkunde, z.B. unterstützende Anwendungen bei Schlafstörungen
  • hilfreiche Begriffserklärungen für Symptome, die oft schwer zu benennen sind

Besonders eindrücklich war ihr Hinweis darauf, wie sehr sich der Pflegebedarf des Körpers verändert – etwa bei Haut und Schleimhäuten – und wie wichtig eine angepasste Selbstfürsorge ist. Auch Themen wie Endometriose, die sich in den Wechseljahren teils noch einmal verstärken kann, fanden Raum.

Mehr als Symptome: ein gesellschaftliches Thema

Was den Abend so besonders machte, war die Offenheit im Gespräch. Wechseljahre sind nicht nur ein medizinisches, sondern auch ein gesellschaftliches Thema. Sprache spielt dabei eine große Rolle: Begriffe wie „Scham“-lippen oder das beschämte Schweigen über Inkontinenz zeigen, wie stark Tabus noch wirken.

Dabei betrifft die Menopause die Hälfte der Bevölkerung – und damit auch Arbeitswelten, Partnerschaften und soziale Strukturen. Sonja Bienemann berichtete von ihrer Arbeit in Unternehmen, wo sie Konzepte entwickelt, um Frauen und TINA* zu unterstützen, Austausch zu fördern und das Thema zu enttabuisieren. Vertrauen und gegenseitige Sensibilisierung sind hier zentrale Bausteine.

Dass es sogar einen internationalen Aktionstag gibt – den Welt-Menopause-Tag am 18. Oktober – wissen viele nicht. Auch das zeigt, wie wenig sichtbar diese Lebensphase bislang ist.

Austausch auf Augenhöhe

Nach der Lesung entstand ein lebendiges und wertschätzendes Gespräch. Fragen wurden gestellt, persönliche Erfahrungen geteilt, manches einfach für sich mitgenommen. Genau dieser geschützte Raum machte deutlich, wie groß das Bedürfnis nach Austausch ist und wie gut es tut, zu merken: Ich bin nicht allein.

Wir sind dankbar für diesen Abend voller Wissen, Ehrlichkeit und gegenseitiger Bestärkung. Die Wechseljahre sind kein Defizit, kein Makel und kein „Problem“, das man möglichst schnell hinter sich bringen muss. Sie sind ein Übergang – herausfordernd, ja, aber auch eine Zeit der Neuorientierung und Selbstermächtigung.

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