Gegen eine Normalisierung von Catcalling

Sich als FLINTA*-Person (Frauen, Lesben, inter Person, nicht-binäre Person, trans Person, agender Person) im öffentlichen Raum zu bewegen, kann sehr erschöpfend sein. Catcalling (verbale sexuelle Belästigung im öffentlichen Raum) ist für die meisten von uns leider eine Normalität geworden. Bestimmte Orte meiden, Situationen immer wieder neu nach potenziellen Gefahren einschätzen, den Schlüssel oder das Pfefferspray auf dem Nachhauseweg umklammern, Freund*innen informieren, sobald die Haustür endlich zugezogen wurde und wir uns in Sicherheit wiegen können – das alles ist nicht mehr aus dem Alltag wegzudenken.

Laut verschiedenen Befragungen erleben über 90% aller Frauen verbale oder körperliche Übergriffe im öffentlichen Raum. Catcalling passiert (fast) uns allen, jeden Tag. Manchmal merken wir es nicht einmal mehr, da es so normal für uns geworden ist. Oft spielen wir es runter, da wir denken, so machen wir es uns und anderen leichter.

Eine Demonstration patriarchaler Macht

Catcalling und körperliche Übergriffe auf FLINTA* im öffentlichen Raum sind nicht nur individuelle Handlungen. Sie sind vor allem Ausdruck historisch gewachsener, ungleicher Machtverhältnisse zwischen Geschlechtern und Ausübung und Demonstration von patriarchalen Machtstrukturen. Besonders hart trifft dies FLINTA*, die von Mehrfachdiskriminierung betroffen sind. Beispielsweise FLINTA* of Color, Schwarze FLINTA*, be_Hinderte und/oder von Klassismus betroffene FLINTA* sind ungleich stärker den sexualisierten Aggressionen von cis Männern ausgesetzt.

Vom Miteinander Reden ins Sichtbarmachen

Wir haben uns im Rahmen des Projekts “Miteinander Reden – Akteur*innen im Dialog” von OWEN e.V. zusammengeschlossen, da wir diese Zustände nicht mehr länger hinnehmen möchten.

In dem geschützten Raum von Workshops haben wir die biographische Methode genutzt, um uns über das Thema Catcalling und sexualisierte Belästigung auszutauschen und gegenseitig zu empowern. Sowohl in der großen Gruppe, als auch in Kleingruppen wurden eigene Geschichten geteilt und über Umgangsstrategien gesprochen. Der erste Teil des Workshops war so vom Erzählen und Miteinanderreden geprägt. Im zweiten Teil ging es darum, gemeinsam Ideen für eine öffentlichkeitswirksame Kampagne zu entwickeln, um so nicht nur eine kleine Gruppe für das Thema zu sensibilisieren und zu empowern, sondern auch eine größere Öffentlichkeit. Die Ergebnisse des Workshops sammelten wir und ließen sie schlussendlich in eine Social Media Kampagne und die Ausstellung fließen.

Wir möchten uns gegenseitig empowern und unterstützen, wir möchten ernstnehmen, wie anstrengend und zermürbend solche alltäglichen Erfahrungen für Betroffene sind. Wir möchten denen, die Catcalling ausüben, zeigen, dass wir dies nicht hinnehmen, und wir möchten alle anderen, die nicht von Catcalling betroffen sind, ermutigen, sich solidarisch zu zeigen und hinzusehen. So hat sich die Idee einer Ausstellung entwickelt, um unsere Gedanken, Erfahrungen und Wünsche bezüglich des Themas festzuhalten.

Sowohl durch die durchgeführten Workshops als auch durch andere feministische Organisationen sammelten wir verschiedene informative und aktivistische Werke zum Thema Catcalling und sexualisierte Belästigung im öffentlichen Raum, die wir dann in der Ausstellung in Paula Pankes Räumlichkeiten zusammenbrachten.

Mehr Sichtbarkeit!

Wir möchten dem Thema so mehr Sichtbarkeit verschaffen, damit wir alle gemeinsam verlernen können, dass Catcalling unsere Normalität geworden ist. Denn Catcalling sollte niemals als normal angesehen werden. Der öffentliche Raum gehört uns allen. Alle haben gleichermaßen das Recht, sich im öffentlichen Raum diskriminierungsfrei und sicher zu bewegen! 

Macht mit!

Die Ausstellung Catcalling ist noch bis zum 27. Mai 2022 bei Paula Panke e.V. in der Schulstr. 25 zu sehen. Bitte vorher euren Besuch unter programm@paula-panke.de anmelden.

Wenn ihr an Treffen und bei Aktionen der Initiative Catcalling mitmachen wollt, meldet euch auch gern unter programm@paula-panke.de an.

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