Am 9. März 2026 haben wir im Frauenzentrum Paula Panke gemeinsam entschleunigt. Einen Tag nach dem Internationalen Frauen*kampftag kamen zahlreiche FLINTA* zu unserem Brunch, um gemeinsam eine Pause zu machen: von Care-Arbeit, von Verantwortung und von dem Gefühl, immer funktionieren zu müssen.
Schon zu Beginn füllte sich der Raum nicht nur mit Gesprächen, sondern auch mit vorbereiteten sowie mitgebrachten vegetarischen und veganen Speisen. Schnell entstand eine offene, warme Atmosphäre, in der Platz für Austausch und gegenseitiges Zuhören war.
Beim gemeinsamen Essen wurde deutlich, wie viel Care-Arbeit im Alltag geleistet wird – oft selbstverständlich und meistens unsichtbar. Viele berichteten davon, dass diese Arbeit kaum anerkannt wird, dass sie erschöpft sind oder sich mit der Verantwortung allein gelassen fühlen. Begriffe wie „Mental Load“ fielen immer wieder, genauso wie das Gefühl, ständig an alles und für alle mitdenken zu müssen.
An einer großen Tafel sammelten wir, wovon wir „genug haben“. Die Liste wurde schnell länger: zu wenig Anerkennung, zu hohe Erwartungen an Frauen*, Erschöpfung, Männer-Egos, die Abwertung von Fähigkeiten, Sexualisierung, eine männlich geprägte Stadtlandschaft und vieles mehr.
Diese Sammlung machte sichtbar, was viele individuell erleben, aber selten gemeinsam aussprechen: dass es sich nicht um einzelne Probleme handelt, sondern um strukturelle Zustände.
Der Brunch war Teil einer globalen Bewegung und der deutschlandweiten Initiative Enough!, die darauf aufmerksam machen, dass Sorgearbeit das Fundament unserer Gesellschaft ist und dennoch ungleich verteilt und unzureichend gewürdigt wird. Indem wir uns bewusst Zeit genommen haben, nicht zu funktionieren, sondern zusammenzukommen, haben wir genau diese Strukturen hinterfragt.
Begleitet wurde die Veranstaltung außerdem von einem Team des ZDF. Die Gespräche und Eindrücke vor Ort wurden in einem Beitrag in der Nachrichtensendung ZDF heute Sendung zum 9.03.2026 aufgegriffen. Damit wurde der Care-Streik und die Frage nach der Sichtbarkeit von Sorgearbeit auch über den Raum hinaus getragen.
Der Vormittag zeigte, wie wichtig solche Räume sind: Räume, in denen Erfahrungen geteilt werden können und aus individuellen Belastungen ein gemeinsames Verständnis entsteht. Der Brunch war ein Moment des Innehaltens und gleichzeitig ein politisches Zeichen. Denn wenn wir aufhören, alles gleichzeitig zu leisten, wird sichtbar, wie sehr unsere Gesellschaft darauf angewiesen ist. Wir nehmen aus diesem Tag mit, wie kraftvoll es ist, sich zu vernetzen, zuzuhören und gemeinsam auszusprechen, was verändert werden muss. Solche Begegnungen wollen wir weiterhin ermöglichen – als kleine Unterbrechung im Alltag und als Teil eines größeren gemeinsamen Weges.
Wir werden weitere Aktionen zum Thema machen und hoffen auf einen breite Beteiligung am Care-Streik, der für 2027 geplant ist.
Text: Naomi Fischer
