Was muss ich als Feministin über KI wissen?

Was muss ich als Feministin über KI wissen? Foto: Paula Panke, Canva + Grafik: KI Midjourney

Was muss ich als Feministin über Künstliche Intelligenz (KI) wissen?

Am 19. März 2026 wurde das Frauenzentrum Paula Panke zu einem Ort für Austausch, kritische Fragen und neue Perspektiven: In einem Workshop näherte sich die Kulturwissenschaftlerin Alina Roth gemeinsam mit den Teilnehmenden dem Thema Künstliche Intelligenz (KI) aus feministischer Perspekive. Ein Abend, der deutlich machte, wie präsent KI bereits in unserem Alltag ist und warum es so wichtig ist, sie bewusst und kritisch zu hinterfragen.

Was ist KI und was kann sie (nicht)?

Zu Beginn ging es um die Grundlagen: KI ist keine neue Erfindung, sondern ein Forschungsfeld, das bis in die 1950er Jahre zurückreicht und in den letzten Jahren durch große Datenmengen und neue Lernverfahren enorm an Bedeutung gewonnen hat. KI-Systeme können menschliche Fähigkeiten wie Sprache oder Mustererkennung imitieren, ohne sie dabei wirklich zu „verstehen“. Stattdessen arbeiten KI-Sprachmodelle mit Wahrscheinlichkeiten und erzeugen Antworten, die plausibel klingen, aber nicht zwingend richtig sind.

Ein zentraler Punkt dabei: KI ist nie neutral. Sie basiert auf den Daten und Entscheidungen der Entwickelnden und spiegelt damit immer auch gesellschaftliche Strukturen wider. Beginnend bei der Auswahl der Trainingsdatensätze – also den Informationen, an denen sich die KI bedient – werden bestimmte Perspektiven, Informationen und Haltungen reproduziert. Gleichzeitig macht KI den Anschein, sie wäre neutral und objektiv.

KI im Alltag – Chancen und Risiken

Im weiteren Verlauf wurde deutlich, wie allgegenwärtig KI inzwischen ist: von Suchmaschinen bis zu sozialen Medien, bringt ihre Nutzung Herausforderungen mit sich, insbesondere im Bereich von Desinformation. Inhalte können in kürzester Zeit massenhaft erzeugt und gezielt verbreitet werden, mit dem Ziel Aufmerksamkeit zu erzeugen, Debatten zu verzerren oder von verlässlichen Informationen abzulenken.

Besonders eindrücklich war die Auseinandersetzung mit sog. Deep Fakes. Diese täuschend echten, KI-generierten Bilder oder Videos werden häufig genutzt, um Identitäten zu verfälschen. Ein Großteil dieser Inhalte zeigt sexualisierte Darstellungen von Frauen* und Mädchen und knüpft damit an bestehende Formen digitaler Gewalt an.

Wie real diese Gefahr ist, zeigt auch der Fall von Collien Fernandes, die in einer Spiegel-Reportage öffentlich gemacht hat, dass sexualisierte Deep Fakes, welche sie abbilden, verbreitet und gegen sie verwendet wurden.

Solche Beispiele verdeutlichen, dass es sich nicht um abstrakte Zukunftsszenarien handelt, sondern um konkrete Übergriffe, die bereits stattfinden. Oft ohne ausreichende rechtliche Konsequenzen oder gesellschaftliche Sensibilisierung.

Feministische Perspektiven auf KI

Was bedeutet es eigentlich konkret, KI feministisch zu denken? Im Workshop wurde schnell klar: Es geht nicht nur darum, Probleme zu benennen, sondern auch darum, Gestaltungsspielräume zu erkennen und zu nutzen. Eine feministische Perspektive setzt genau dort an, wo KI oft als neutral dargestellt wird und fragt: Wer kommt in den Daten überhaupt vor? Wessen Erfahrungen fehlen? Und wer entscheidet eigentlich darüber, wie diese Technologie funktioniert?

Dabei wurde deutlich, dass es nicht reicht, bestehende Systeme ein bisschen „anzupassen“. Vielmehr geht es darum, grundlegende Strukturen zu hinterfragen. Wenn Datensätze vielfältiger werden und marginalisierte Perspektiven stärker einbezogen werden, verändert das auch, welche Antworten KI gibt und wessen Realität sichtbar wird.

Der Ansatz des Datenfeminismus lädt dazu ein, noch weiter zu gehen: Er stellt binäre Denkmuster infrage, macht Machtverhältnisse sichtbar und betont, wie wichtig Kontext, Vielfalt und auch scheinbar „unsichtbare“ Arbeit sind. KI wird damit mehr als nur als technisches Werkzeug, sondern auch als Teil gesellschaftlicher Aushandlungsprozesse verstanden. Es geht also immer auch um die Frage, in welcher Gesellschaft wir leben wollen und welche Rolle Technologie darin spielt.

Verantwortung und Handlungsmöglichkeiten

Der Workshop hat eindrücklich gezeigt, dass KI kein abstraktes Thema ist, sondern mitten in gesellschaftliche Fragen von Macht, Gerechtigkeit und Teilhabe hineinwirkt. Entsprechend braucht es sowohl technische Lösungen, als auch politische Rahmenbedingungen: mehr Transparenz darüber, wie KI-Systeme funktionieren, klare Regeln im Umgang mit Diskriminierung und echte Möglichkeiten für Betroffene, sich zu wehren.

Gleichzeitig wurde auch der Blick auf die eigene Handlungsebene gerichtet. Schon kleine Schritte können einen Unterschied machen: genauer hinschauen, Ergebnisse hinterfragen und sensibel mit eigenen Daten umgehen. Denn ein reflektierter Umgang mit KI beginnt oft genau dort: bei der eigenen Nutzung im Alltag.

Was den Abend zusätzlich besonders gemacht hat, war der gemeinsame Austausch. Es entstand ein Raum, in dem Fragen nicht sofort beantwortet werden mussten und gemeinsam weitergedacht werden konnten. Perspektiven wurden geteilt, ergänzt und auch hinterfragt – genau das, was es braucht, um sich einem so komplexen Thema anzunähern.

Wir nehmen aus diesem Workshop vor allem eines mit: KI ist gestaltbar. Und je mehr unterschiedliche Stimmen sich einbringen, desto größer wird die Chance, dass sie nicht nur effizient, sondern auch gerechter wird.

Text: Naomi Fischer

Soforthilfe