Paula Panke e.V.

Paula Panke e.V.

Anschlag auf den Berliner CSD – Solidarität mit der queeren Community

Statement von Paula Panke e.V. gemeinsam mit dem Beirat für Integration und Partizipation in Pankow und dessen ehrenamtlichem Sprecher Mohammed El Ouahhabi

Der Anschlag auf den Christopher Street Day in Berlin erschüttert uns zutiefst. Unsere Gedanken sind bei dem Menschen, der sein Leben verloren hat, bei den Verletzten, ihren Angehörigen und bei allen, die diesen Tag als Angriff auf ihre Sicherheit, ihre Freiheit und ihre Existenz erleben.

Als feministischer Verein wissen wir: Gewalt trifft Menschen nicht zufällig. Sie trifft besonders häufig diejenigen, die von gesellschaftlichen Machtverhältnissen benachteiligt, ausgegrenzt oder angegriffen werden. Queerfeindlichkeit, Sexismus und geschlechtsspezifische Gewalt sind keine voneinander getrennten Probleme. Sie entspringen denselben Vorstellungen darüber, wie Menschen zu sein, zu lieben und zu leben haben.

Queere Menschen sind zunehmend von Gewalt betroffen

Seit Jahren steigt die Zahl queerfeindlicher Straftaten. Gleichzeitig beobachten wir einen gesellschaftlichen Backlash gegen die Rechte von LGBTQIA+-Personen. CSDs werden bedroht, Pride-Veranstaltungen angegriffen und queere Menschen zunehmend zum Ziel politischer Debatten gemacht.

Diese Entwicklung kommt nicht aus dem Nichts. Sie wird begleitet von einer öffentlichen Stimmung, in der queere Sichtbarkeit immer häufiger infrage gestellt wird. Wenn Regenbogenflaggen von öffentlichen Gebäuden verschwinden, wenn queere Solidaritätsbekundungen als Verstoß gegen Neutralität dargestellt werden oder wenn die Rechte queerer Menschen zur politischen Verhandlungsmasse werden, hat das Konsequenzen. (siehe dazu auch: https://www.paula-panke.de/regenbogenflagge-und-neutralitaet-ein-widerspruch/)

Wer die Sichtbarkeit einer Gruppe infrage stellt, trägt dazu bei, dass auch ihre Sicherheit infrage gestellt wird.

Gewalt hat gesellschaftliche Ursachen

Als Verein, der sich mit geschlechtsspezifischer Gewalt beschäftigt, erleben wir täglich, dass Gewalt nicht plötzlich entsteht. Sie hat Ursachen. Sie entsteht in einem Klima von Ausgrenzung, Abwertung und Ungleichheit.

Wir sehen die Folgen von Gewalt in Partnerschaften und Familien. Wir sehen die Auswirkungen von sexualisierter Gewalt. Wir sehen die Folgen von Krieg, Flucht und Vertreibung. Wir sehen, wie Kinder Gewalt miterleben und wie prägend diese Erfahrungen sein können.

Deshalb irritiert es umso mehr, dass nach solchen Taten immer wieder über Überwachung, Verschärfungen und autoritäre Maßnahmen gesprochen wird, während gleichzeitig Angebote der Gewaltprävention, der Bildungsarbeit und der psychosozialen Unterstützung gekürzt werden.

Wer Gewalt verhindern will, muss ihre Ursachen bekämpfen. Prävention beginnt nicht bei Fußfesseln. Prävention beginnt dort, wo Menschen Unterstützung erhalten, bevor Gewalt entsteht.

Rassistische Instrumentalisierungen weisen wir zurück

Mit Sorge beobachten wir, wie der Anschlag bereits jetzt genutzt wird, um rassistische Erzählungen zu befördern.

Anstatt über Queerfeindlichkeit, Gewaltprävention und gesellschaftliche Verantwortung zu sprechen, werden Herkunft und Migration in den Mittelpunkt gerückt. Diese Verkürzung hilft weder den Betroffenen noch trägt sie zu mehr Sicherheit bei.

Queerfeindlichkeit ist kein Problem einzelner Herkunftsgruppen. Sie existiert in unterschiedlichen gesellschaftlichen Milieus, politischen Lagern und religiösen Kontexten. Wer die Debatte auf rassistische Schuldzuweisungen reduziert, verhindert eine ernsthafte Auseinandersetzung mit den tatsächlichen Ursachen von Gewalt.

Unsere Räume bleiben Schutzräume

Gerade in Zeiten zunehmender Angriffe auf queeres Leben braucht es Orte, an denen Menschen Unterstützung, Solidarität und Sicherheit erfahren.

Als feministischer Verein verstehen wir unsere Arbeit als Teil dieses gesellschaftlichen Auftrags. Unsere Räume stehen auch queeren Menschen offen. Sie sollen Orte sein, an denen Erfahrungen ernst genommen werden, Austausch möglich ist und Unterstützung gefunden werden kann.

Wir wissen, dass Schutzräume allein gesellschaftliche Probleme nicht lösen. Aber wir wissen auch, wie wichtig sie sind, wenn Menschen von Gewalt, Diskriminierung oder Ausgrenzung betroffen sind.

Solidarität ist jetzt gefragt

Der Berliner CSD steht in einer langen Tradition des Widerstands gegen Diskriminierung und Gewalt. Daran erinnert uns dieser Anschlag auf schmerzhafte Weise.

Unsere Antwort darauf kann nicht Rückzug sein. Unsere Antwort muss Solidarität sein. Mit queeren Menschen. Mit allen Betroffenen von geschlechtsspezifischer und queerfeindlicher Gewalt. Und mit allen, die sich für eine offene, vielfältige und demokratische Gesellschaft einsetzen.

Wir stehen an der Seite der queeren Community. Heute und an jedem anderen Tag.

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