Zum Frauentag : berlinweite Aktion #LassPlatzen

Am 8. März um 12 Uhr lassen wir es nachhaltig platzen!

Zum Internationalen Frauentag rufen wir alle Berliner*innen auf, am Ort ihrer Wahl Hindernisse platzen zu lassen, die den Weg zur Gleichstellung blockieren.

  • Blast Luftballons, Papiertüten oder ausgediente Verpackungen auf!
  • Beschriftet sie mit allem, was eurer Meinung nach weg muss:
    Ungleiche Bezahlung, Gewalt gegen Frauen, § 218, das Patriarchat …
  • und alles, was sonst noch dringend wegmuss! und…
    LASST ES PLATZEN!!
  • Ladet eurer Video von der Platzaktion mit den Hashtags
    #LassPlatzen und #FrauenMaerzBerlin bei Instagram, Facebook und/oder Twitter hoch.
  • Räumt der Umwelt zuliebe bitte hinterher alle Reste weg.

Wir sagen es laut: #LassPlatzen!

Für das Video danken wir Kirsten Wechslberger

Danke fürs Mitmachen bei #LassPlatzen

Video-Schnitt: Kirsten Wechslberger

Frauentags-TV zum 8. März 2021 bei Paula Panke

von Linda Davis

Dieses Jahr war der Frauentag ganz anders als sonst. Coronabedingt konnten keine großen Demonstrationen oder Veranstaltungen vor Ort stattfinden. Um dennoch unseren politischen Forderungen Raum zu geben, fand bei Paula Panke e.V. unser erstes Frauentags-TV statt. In drei Panels sprachen wir live auf YouTube mit verschiedenen Referent*innen über Themen, die uns und unsere Gesellschaft aktuell bewegen und diskutierten mit den Zuschauer*innen per Chat.

Panel 1: Gleichstellung und Klimaschutz

>> im Youtube-Video ab: 0:01:20 Std.

Im Eröffnungs-Panel ging es um „Gleichstellung und Klimaschutz“. Mit Stephanie Wittenburg, der neuen Pankower Gleichstellungsbeauftragten und Angelika Haaser, der neuen Klimaschutzbeauftragen des Bezirksamts Pankow, sprach unsere Mitfrau und Klimaaktivistin Linda Ann Davis unter anderem darüber, wieso Klimaschutz und Geschlechtergerechtigkeit zusammen gedacht werden müssen und welche konkreten Ideen und Projekte in Pankow in Planung sind.

Es geht um einen gemeinsamen Kampf für Gerechtigkeit

Beide Referentinnen betonen, dass sowohl der Klimabewegung als auch der Frauenbewegung ein tiefes Gerechtigkeitsempfinden zugrunde liege und dass es immer um eine gerechte Verteilung von Ressourcen gehe. Beispielsweise seien finanzielle Ressourcen immer noch ungleich verteilt. Da Frauen heutzutage immer noch öfter Care-Arbeit übernehmen, verfügen Männer meist über größere finanzielle Ressourcen. Und obwohl Frauen häufiger und stärker von den Folgen des Klimawandels betroffen sind, seien sie durch mangelnde finanzielle Ressourcen gleichzeitig schlechter in der Lage, auf den Klimawandel zu reagieren, erklärt Angelika Haaser.

Beide Referentinnen sind sich einig, dass es im Hinblick auf die Klimakrise also nicht nur um Klima- oder Umweltschutz geht, sondern vorrangig darum, Ungerechtigkeiten aufzudecken und gerechte Verhältnisse zu schaffen.

Macht-Ressourcen müssen neu verteilt werden

Dass neben finanziellen Ressourcen auch Macht-Ressourcen eine große Rolle im Kampf gegen den Klimawandel spielen, macht Stephanie Wittenburg deutlich. „Es geht immer darum, dass möglichst viele Menschen mit unterschiedlichen Perspektiven am Tisch sitzen sollten, damit bestimmte Blickwinkel in der Diskussion nicht hintenüberfallen,“ erklärt sie. Dies sei allerdings bisher noch nicht der Fall. Die meisten Entscheidungsposten werden immer noch von weißen Männern besetzt, welche somit nicht nur über mehr finanzielle Ressourcen, sondern auch über mehr Macht-Ressourcen verfügen. Diese ungleiche Verteilung gilt es im gemeinsamen Kampf gegen die Klimakrise und für die Gleichstellung aller Geschlechter aufzubrechen.

Vor allem Frauen sorgen sich um das Klima

Auffällig ist, dass besonders viele junge Frauen in der Klimabewegung zu sehen sind. Dies könne, so Angelika, damit erklärt werden, dass der Gedanke, etwas zu schützen oder sich um etwas zu kümmern, mehr mit Frauen in Verbindung gebracht wird.  Stephanie ergänzt, dass dies vor allem eine Frage der Sozialisation ist: „Es geht um Rollenzuschreibungen und Geschlechterstereotype. Frauen wird das Sich-Sorgen um die Umwelt zum einen und zum anderen das Sich-Sorgen um das Konsumverhalten  häufiger zugesprochen.“

Klimagerechtigkeit statt Klimaschutz!

Gerade wegen der sozialen Aspekte beim Thema Klima gibt es viele Bestrebungen, nicht von Klimaschutz, sondern von Klimagerechtigkeit zu sprechen. Angelika betont, dass der Begriff Klimaschutz zwar geläufiger ist, allerdings auch irreführend sein kann, da es eigentlich nicht darum geht, das Klima zu schützen, sondern unsere eigene Lebensgrundlage.

Der Begriff Klimagerechtigkeit sensibilisiert zudem dafür, dass es um hier ein globales Neudenken von gesellschaftlichen Verhältnissen geht. Der Feminismus, der dahintersteht, müsse zwingend intersektional sein, betont Stephanie Wittenburg. Probleme könnten nicht isoliert voneinander betrachtet werden. Dabei sei auch ein wichtiger Motor für die Klimabewegung, dass sie generationenübergreifend ist. Alle Generationen müssten sich gemeinsam Gedanken darüber machen, was es für die nachkommenden Generationen bedeutet, wenn wir mit dem kapitalistischen Wirtschaftssystem so weitermachen wie bisher.

Klimaschutz und Gleichstellung ist wichtig für die Stadtentwicklung

Dass die Themen Klimaschutz und Gleichstellung auch ganz konkret eine wichtige Rolle in der Stadtplanung und in den Bereichen Wohnen und Mobilität spielen, macht Angelika Haaser deutlich. Dabei sei es besonders wichtig die Infrastruktur zu stärken. In Pankow geschehe dies aktuell beispielsweise dadurch, dass über die Webseite www.flotte.de bald zehn Lastenräder für eine begrenzte Zeit kostenlos ausgeliehen werden können.

In Bezug auf das Thema Mobilität zeigt Stephanie Wittenburg auf, dass Männer und Frauen häufig die Stadt ganz anders nutzen. Für Frauen, die nach wie vor öfter die Care-Arbeit übernehmen, entstünden deswegen oft ganz andere Wege in der Stadt. Dies sei grafisch auch sehr eindrücklich feststellbar, beispielsweise bei einer Studie, die in der Stadt Wien durchgeführt wurde. Das Thema „Genderplanning“ sei daher bei der Stadtplanung ebenso wichtig wie Umweltaspekte.

Mehr Bürger*innenbeteiligung ist gefragt

Damit dies auch geschehe, sei zudem die Beteilung und das Einbringen von verschiedenen Perspektiven sehr wichtig. In Pankow ist dies momentan möglich, da alle Bürger*innen Pankows noch bis zum 31. März Vorschläge für den neuen Bürger*innen Haushalt einreichen können. Lediglich ein Formular mit der eigenen Idee oder einem konkreten Vorschlag muss dafür ausgefüllt und abgegeben werden.

Beide Referentinnen sind sich einig, dass auch in der Zukunft Klimaschutz und Gleichstellung zusammen angegangen werden muss. Dieses Gespräch könne dabei als gelungener Auftakt für eine weitere Zusammenarbeit in Pankow gesehen werden kann.

Panel 2: Gewalt und Täter*innen-Arbeit

>> im Youtube-Video ab: 1:59:25 Std.

Im zweiten Panel mit dem Titel „Gewalt und Täter*innen-Arbeit” waren Natasza Toczek und Till Majewski von dem Projekt „Stop-Stalking“ zu Gast, um mit Inga Ries über ihre Arbeit zu sprechen.

Till Majewski ist Sozialarbeiter im Projekt Stop Stalking des Vereins selbst.bestimmt e.V. und berät dort Menschen, die gestalkt werden oder die selbst stalken. Natasza Toczek ist Psychologin und systemische Familientherapeutin und arbeitet als psychologische Beraterin bei Stop Stalking.

Was ist eigentlich Stalking?

Zum Beginn des Gesprächs erklärt Natasza zunächst, was Stalking überhaupt ist: Darunter wird ein wiederholtes und beabsichtigtes Verfolgen und Belästigen einer anderen Person verstanden, welches die Sicherheit der Person bedroht und sie schwerwiegend in ihrer Lebensgestaltung beeinträchtigt. Eine starke Fixierung, sowohl in Gedanken als auch emotional auf eine andere Person, geht damit einher. Stalking äußert sich meist durch Kontaktaufnahme, Belästigung und Näherungsversuche, konkret auf eine Person bezogen und stellt immer ein Überschreiten ihrer sozialen Grenzen dar. Stalking schafft immer eine Beziehung, wo keine Beziehung mehr ist oder auch nie eine entstanden wäre. „Das Wesentliche dabei ist, dass die andere Person sich klar abgegrenzt hat und auch klar kommuniziert hat, dass sie keinen Kontakt mehr möchte,“ ergänzt Till.

Stalking hat verschiedene Formen

Es gibt verschiedene Formen von Stalking erklärt Natasza. Ganz klassisch kann das zum Beispiel eine Person sein, die ihre*n Ex-Partner*in stalkt. Aber es kann sich auch um einen Bekannten handeln, der anfängt, eine einseitige Beziehung aufzubauen oder um Personen, die nicht die sozialen Kompetenzen haben, eine normale Beziehung aufzubauen. Auch rachsüchtiges Stalking kann vorkommen, beispielsweise gegenüber einer Ärztin oder einem Therapeuten.

Was hat Stalking mit patriarchalen Strukturen und Rollenzuschreibungen zu tun?

Till erzählt, dass zu Stop Stalking sowohl Betroffene als auch Täter*innen kommen. 80% der Stalker sind dabei Männer und nur 20% Frauen. Umgekehrt sind 20% der Betroffenen Männer und 80% Frauen. Diese Verteilung hat auch viele gesellschaftliche Hintergründe. Till erläutert, dass dies mit der geschlechtlichen Sozialisierung und mit Tendenzen, die mit der Struktur der patriarchalen Gesellschaft zu tun haben, zusammenhängt. „Jungs und Männer lernen eher, dass Hartnäckigkeit und Beharrlichkeit etwas Heldenhaftes sind. wo man Leistung zeigt. Stalker sehen sich oft als Helden der Liebe.“  Auf der anderen Seite gebe es aber auch 20% Täter*innen. Wenn Mädchen von klein auf immer hören, dass ein gelingendes Leben bedeutet, dass man einen Partner, eine Ehe hat, die gelingt, dann könne eine Fixierung auf den Partner und die Partnerschaft entstehen, erklärt Till. Stalking hat somit viel mit den patriarchalen Strukturen und wie wir vergeschlechtlicht werden zu tun.  Darum sei es besonders wichtig, diese Geschlechterrollen und -zuschreibungen zu hinterfragen und aufzubrechen.

Auch in der Tatsache, dass sich überdurchschnittlich viele Täterinnen beraten lassen, sieht Till die Gründe in unterschiedlichen Prozessen der Vergeschlechtlichung. Frauen seien öfter dazu angehalten, empathisch zu sein und daher auch Abgrenzungen ernster zu nehmen und problematisches Verhalten selbst zu erkennen und zu reflektieren. Ein großes Problem sei insgesamt, dass Jungs öfter zu hören bekommen, dass, wenn sie ein Nein von Mädchen bekommen, sie am Ball bleiben müssen und ein Nein vielleicht gar kein Nein bedeutet. Mädchen wird eher beigebracht, zurückhaltend zu sein. Natasza ergänzt, dass viele Klienten eine Trennung von der Partnerin als starke Kränkung für ihre Person wahrnehmen und durch fehlende Kompetenz, mit Krisen umzugehen und eigene Gefühle wahrzunehmen, in den ersten Phasen der Trennung hängenbleiben.

Freiwilligkeit ist besonders wichtig für eine erfolgreiche Beratung / Gute Täterarbeit ist der beste Opferschutz

Bei der Arbeit mit Täter*innen ist Freiwilligkeit ein wichtiger Begriff, das betonen beide Referent*innen. Zwar kommen nicht alle freiwillig zur Beratung, sondern werden manchmal auch von der Staatsanwaltschaft oder vom Gericht verwiesen. Für den Erfolg einer Beratung ist es aber essenziell wichtig, dass die Person sich darauf einlässt. Häufig gelingt es auch, dass gewiesene Patienten den Zwangskontext für sich zu einer freiwilligen Beratung umgestalten. „Die meisten Klienten, die gewiesen sind, sehen sich zunächst als Opfer. Es ist wichtig, zunächst klarzumachen, dass es sich um Täterschaft handelt“, betont Natasza. Gerade bei Männern, wo das Opfersein hoch problematisiert wird, sei es wichtig, den Raum so zu gestalten, dass sie mit den Opferanteilen ankommen können. Nur so sei es möglich, das Verhalten in eine andere Richtung zu lenken. Gute Täterarbeit sei somit auch der beste Opferschutz. Es geht auch darum zu verstehen, was dieses Verhalten bedingt. Verstehen ist dabei, wie Till bemerkt, nicht zu verwechseln mit Verständnis. „Es geht nicht darum, die Taten zu relativieren, sondern darum, das Verhalten zu verstehen, um es zu ändern.“

Stalking während der Coronapandemie

Auf die Frage, ob sich während der Pandemiezeit andere oder neue Probleme gezeigt haben, bemerkt Natasza, dass es nun mehr Konflikte in der Nachbarschaft gibt. „Im Moment entstehen oft Dynamiken, die Menschen schnell als Stalking verstehen. Das hat damit zu tun, dass Menschen sehr viel zuhause sind und auch mehr belastet und sensibler sind.“
Ein weiteres Problem sei, dass viele Ressourcen wegbrechen, die den Opfern eine Pause oder Auszeit vom Stalking geben wie Treffen mit Freund*innen. Auch in der Beratung habe die Coronakrise einige Veränderungen gebracht, da nun viel Beratung per Telefon oder Video stattfinden muss.

Gewaltvolle Strukturen und herrschende Geschlechterrollen müssen überwunden werden

Für die Zukunft wünscht sich Natasza, dass eine noch bessere Beratung für die Betroffenen angeboten werden kann und dass auch die Unerreichten erreicht werden können. Auch hofft sie, dass herrschende Geschlechterrollen aufgebrochen werden. „Mein Traum ist, dass Männer sich nicht dadurch definieren, dass sie sich von Frauen abgrenzen und Dominanz ausleben müssen, um sich männlich zu fühlen und dass Frauen sich nicht durch die Augen der Männer bewerten, sondern dass alle in sich und für sich stehen.“

Auch Till wünscht sich, dass gewaltvolle Strukturen wie das Patriarchat völlig überwunden werden können und diese nach und nach immer mehr aus den Köpfen und Herzen herausgebracht werden. Auch möchte er, dass es möglich wird, weniger stigmatisierend auf Täter*innen zu blicken, damit es ihnen leichter fällt, sich Hilfe zu suchen.

Panel 3: Geschlechtergerechtigkeit in der Corona-Krise und Abschaffung des § 218

>> im Youtube-Video ab: 3:59:37 Std.

Im dritten und letzten Panel unseres Frauentags-TV unterhielten sich Tannaz Falaknaz, gleichstellungspolitische Sprecherin der SPD-Fraktion in Pankow und Ulrike Rosensky von der Arbeitsgemeinschaft der SPD-Frauen (ASF) in Pankow mit Kathrin Möller von Paula Panke über Geschlechtergerechtigkeit in der Corona-Krise und Abschaffung des § 218.

Wie ist es aktuell um die Gleichstellung bestellt?

Auf die Eingangsfrage, wie es um die Gleichstellung aller Geschlechter im Moment bestellt ist und was aktuell noch zu tun ist, antwortet Tannaz Falaknaz zunächst, dass es auch darum geht, sich zu fragen, woran wir Erfolg und Fortschritt messen. Da sie selbst aus dem Iran kommt, weiß sie ganz besonders, dass Gleichstellung eine Sache der Perspektive ist. Dies bedeutet aber nicht, dass wir in Deutschland schon genug getan haben. Ulrike Rosensky betont, wie wichtig eine gerechte Verteilung in den Parlamenten für eine echte Gleichstellung ist, denn nur Frauen können sich auch für Frauen einsetzen. Ebenfalls sieht sie es als eine der Hauptaufgaben, Alltagssexismus zu bekämpfen und aufzulösen und beispielsweise Frauen nicht immer auf ihr Äußeres zu reduzieren: „Es gehört auch zum Feminismus, dass man so auftreten kann, wie man ist“.

Dass auf dem Weg zu einer gerechten Verteilung in den Parlamenten Parität eine wichtige Rolle spielt, erklärt Tannaz: „Die Parität ist dafür da, Strukturen zu überdenken und führt zu einem Umdenken. Alte weiße Männer sind nicht mein Feindbild, sondern ein Synonym für ein Immer-weiter-so“.

Die Coronakrise hat die Defizite noch verschärft

Gemeinsam schauen die Referent*innen auch auf die Coronakrise im Hinblick auf die Situation von Frauen. Tannaz betont, dass die Defizite, die schon da sind, durch Corona noch präsenter werden und sich verschärfen. „Eigentlich sind Frauen die großen Verliererinnen der Krise“ sagt sie. Dies zeige sich vor allem in der Vereinbarkeit von Beruf, Kindererziehung und Haushalt, die durch Home-Schooling und Home-Office deutlich erschwert werde. Auch erleben mehr Frauen nun häusliche Gewalt und gleichzeitig werden weniger Menschen darauf aufmerksam. Auch die digitale Gewalt nehme in der Coronakrise deutlich zu da sich sehr viele Lebensbereiche ins Digitale verschoben haben. Tannaz bemängelt, dass hier noch nicht genug Beistand von unserem Rechtsstaat und keine ausreichenden Beratungsangebote zum Thema digitale Gewalt vorhanden seien.

Gerade in Bezug auf häusliche Gewalt betont Ulrike, dass nun noch mehr eine Sensibilisierung der Nachbarschaft gefragt sei und die Solidarität und Aufmerksamkeit wachsen müsse. Ein weiteres Problem der Coronakrise sei, dass viele Frauen in alte Rollenbilder zurückfallen und sich allein um Kinder und Haushalt kümmern müssen.

Wie können Alleinerziehende und ältere Frauen unterstützt werden?

Auf die Frage, was es für konkrete Ideen gibt, um die Krise besonders für Alleinerziehende und ältere Frauen besser zu bewältigen, ist Tannaz zufolge vor allem der Ausbau von Betreuungsangeboten und KiTa-Plätzen wichtig. „Sich politisch zu engagieren mit kleinen Kindern ist fast unmöglich. Auch da braucht es staatliche Unterstützung, die Kinderbetreuung zur Verfügung stellt, dass Frauen sich politisch engagieren können,“ erklärt sie. Gleichzeitig sei es ebenso wichtig, ein Lohntransparenzgesetz zu implementieren und dafür zu sorgen, dass gleicher Lohn für gleiche Arbeit gezahlt wird. Auch müssten Frauen bessere Möglichkeiten erhalten, in Führungspositionen zu gelangen, um eine bessere Verteilung der Sorge- und Fürsorgearbeit zu erreichen.

In Bezug auf ältere Frauen sieht Ulrike vor allem die Einsamkeit als großes Problem. Hierfür sei es wichtig, mit verschiedenen Akteur*innen an einem runden Tisch zusammenzukommen und nach Lösungen zu suchen. Gemeinsame Telefonkonferenzen und Schulungen für die digitale Kompetenz für ältere Menschen könnten erste Lösungsansätze sein, um die Einsamkeit und Isoliertheit zu mindern.

Der globale, feministische Kampf um legale Schwangerschaftsabbrüche

Neben der aktuellen Coronakrise und ihrer Auswirkung auf Frauen sind nach wie vor die Paragraphen 218 und 219a ein wichtiges Thema auf dem Weg zur Gleichstellung. Ulrike erklärt, dass durch § 218  ein Schwangerschaftsabbruch in Deutschland immer noch eine Straftat ist. In Polen wurden die Gesetze dahingehend nochmals verschärft. Das Thema ist also ein globales, feministisches Anliegen. „Mein Bauch gehört mir! Ich entscheide darüber, ob ich ein Kind zur Welt bringen möchte oder nicht. Dass der Staat da so massiv eingreift, ist völlig unverständlich,“ macht Ulrike deutlich. Eigentlich müsste noch viel mehr dagegen gekämpft werden. Die Entwicklungen in Polen zeigen, dass in vielen Ländern ein Trend in Richtung Rechtspopulismus auszumachen ist.  

„Uns kann nicht egal sein, was in Polen passiert“, betont Tannaz und macht deutlich, wie wichtig es ist, dass sich demokratische Kräfte nun zusammentun: „Gerade in einer globalisierten Welt können sich Gedanken und Wertvorstellungen rasant verbreiten. Wir müssen aufpassen, dass die Entwicklung, die wir in den nächsten Jahren machen wollen, nicht zu Rückschritten führen. Da liegt es gerade auch an uns Frauen, uns politisch einzubringen. Wenn es darum geht, gegen rechts zu kämpfen, müssen wir uns zusammentun. Wir sind immer am stärksten, wenn wir uns gemeinsam gegen eine Sache verbünden“.

Wünsche für eine feministische Zukunft

Am Ende des Gesprächs kommen die Referentinnen noch auf ihre Wünsche für eine feministische Zukunft zu sprechen. „Ich möchte, dass unsere Töchter keinen Alltagssexismus erfahren müssen, ich möchte, dass sie frei über ihren Körper entscheiden können, dass sie frei entscheiden können, wen sie lieben wollen und wer sie sein wollen, dass sie frei entscheiden können, wie sie leben wollen,“ sagt Ulrike. Sie wünscht sich starke Frauen, die sich auch mal trauen aufzustehen, wenn ihnen etwas nicht passt und dass unsere Urenkelinnen vielleicht einmal miterleben, dass tatsächliche Gleichstellung herrscht.

Tannaz wünscht sich, dass überall auf der Welt der 8. März ein Feier- und Kampftag ist, der irgendwann nur noch ein Feiertag ist, um die Gleichberechtigung weltweit zu feiern. Der Frauentag sollte nämlich nur eine Markierung auf dem Weg zur Gleichstellung sein.

Pankow gegen Rassismus

Das waren die Wochen gegen Rassismus vom 15. – 28. März 2021 Paula Panke war wieder mit dabei.

Wir haben mitgeholfen, die neue Webseite www.pankow-gegen-rassismus.de vorzubereiten und uns mit eigenen Veranstaltungen beteiligt.

Deshalb waren wir dabei:

In diesem Video von moskito erfahrt ihr, warum es uns und weiteren Vereinen aus Pankow wichtig ist, bei den Wochen gegen Rassismus dabei zu sein.

Workshop mit MigrArte Peru

Helga Elsner Torres,
Foto: Daron Bandeira

In dem Workshop mit Helga Elsner Torres vom Frauenkollektiv MigrArte Perú beschäftigten wir uns am 25. März 2021 mit rassistischen Verhaltensweisen und welche Unsicherheiten weiße Menschen bei der Auseinandersetzung mit Rassismus haben.

Gemeinsam mit Helga erarbeiteten wir uns Handlungsmöglichkeiten, um in konkreten Situationen achtsamer und als Verbündete von Betroffenen auftreten zu können.

Ein Podcast-Interview mit unserer Vorstandsfrau

Der Podcast “Solidarisch gegen Hass” von der gleichnamigen Kampagne des Jüdischen Bildungswerks hat in seiner aktuellen Folge verschiedene Akteur*innen der Wochen gegen Rassismus interviewt, die in Berlin aktiv sind. Aus Pankow mit dabei war neben Susann Kubisch vom Integrationsbüro des Bezirksamtes Pankow auch unsere Vorstandsfrau Johanna Sünnemann. Sie erzählt nicht nur, warum es Paula Panke wichtig ist, mit dabei zu sein, sondern auch von unserer Arbeit.

Hört Johanna in der Podcastfolge “Die Wochen gegen Rassismus 2021 in Berlin”.

Hier sind die Time Codes:

30:00-31.00 min
34:07-36:37 min
39.19-39.52 min
42.23-43.19 min

Infostand in Pankow

Am Infostand gegen Rassismus an der Breiten Straße in Pankow trafen wir am 25. März 2021 nicht nur unsere langjährige Leiterin Astrid Landero wieder, sondern auch Susann Kubisch un Nina Tsonkidis vom Integrationsbüro des Bezirksamtes Pankow.

Infostand gegen Rassismus, Foto: Paula Panke
Mit Susann Kubisch, Astrid Landero und Nina Tsonkidis trafen sich Kathrin und Masoumeh am Infostand gegen Rassismus, Foto: Paula Panke
Masoumeh im Gespräch, Foto: Paula Panke

Unser Material wird gern genommen: Masoumeh informiert eine Besucherin über das Informationsmaterial, das es an dem gemeinsamen Infostand kostenfrei gibt.

Gemeinsam mit dem Bündnis Pankower Frauen gegen Rechts, dem Stadteilzentrum Pankow, moskito und vielen anderen, kamen wir mit Bürger*innen in Pankow ins Gespräch.

Bündnis Pankower Frauen gegen Rechts: mit Katharina Berten und Ulrike Rosensky, Foto: Paula Panke

Pankow gegen Rassismus


Die neue Webseite zeigt nicht nur in den Wochen gegen Rassismus die Vielfalt an Organisationen, die sich im Stadtbezirk gegen Rassismus engagieren und zahlreiche Aktionen Rassismus für alle Altersgruppen anbieten. Sie stellt darüber hinaus dauerhaft Informationen zu antirassistischer Literatur, Filmen und Audio-Beiträgen sowie zu Beratungsmöglichkeiten bereit.

Lesung mit Carolin Wiedemann “Zart und frei. Vom Sturz des Patriarchats”

von Olga Burlaka

Am 18. Februar 2021 las die Soziologin, Autorin und Journalistin Carolin Wiedemann im Frauenzentrum Paula Panke aus ihrem neuen Buch „Zart und frei. Vom Sturz des Patriarchats. In gut verständlicher Sprache liefert die promovierte Soziologin eine queer – feministische Kritik der patriarchalen Ordnung und stellt nicht nur einen historischen Überblick zu den feministischen Bewegungen vor, sondern auch aktuelle Diskurse und beschreibt Ursachen und Hintergründe für antifeministische Entwicklungen in unserer Gesellschaft. Leser*innen entlässt sie mit einem positiven Ausblick: der Aufforderung, Beziehungen zarter und freier zu gestalten.

Carolin Wiedemann, Foto: Paula Panke

Der Zusammenhang von Antifeminismus, Rassismus und Antisemitismus

Durch ihre journalistische Arbeit kam Carolin mit Themen Antifeminismus, Rassismus und Antisemitismus in Berührung.  Im Buch macht sie den  Leser*innen klar,  wie ernst die Situation ist. Sie erläutert an vielen Beispielen die Auswirkungen von Retraditionalisierung und der Mobilisierung von rechts: demokratiefeindliche Diskriminierungen, Verschwörungstheorien bis hin zu Morden. Sie zeigt, dass die patriarchale Struktur unserer Gesellschaft mit einer binären Rollenvorstellung eine lange Tradition hat und diese Binarität in seiner Abwertung alles Weiblichen die Wurzel von Frauenfeindlichkeit bis hin zu Feminiziden ist. Gleichzeitig macht sie klar, wie Frauenfeindlichkeit, Rassismus und Antisemitismus zusammenhängen und das gesellschaftliche System – der Kapitalismus – davon profitieren. Denn die Gewalt des Marktes, geprägt vom Herrscher-Knecht-Verhältnis, liefert billige und willige Arbeitskräfte.

Die Falle von romantischer Liebesbeziehung und bürgerlicher Kleinfamilie

Carolin entlarvt in ihrem Buch die Vorstellung der romantischen Liebesbeziehung und das Ideal der bürgerlichen Kleinfamilie als Muster, das Menschen in Rollen zwängt, die die Allianz von Patriarchat und Kapitalismus wieder reproduzieren. Sie zeigt, wie sehr das Persönliche und das Politische zusammenhängen. Das Ergebnis war in der Corona-Krise überdeutlich zu sehen: die Last der unbezahlten CareArbeit bei der Frau als Basis für die bezahlte Arbeit des Mannes und damit ihre Überlastung. Ein Ausweg ist, Beziehungen freier zu gestalten, mehr Menschen an der Kindererziehung und Betreuung von Familienangehörigen zu beteiligen und somit neue Gemeinschaften zu schaffen, die Beziehungen weniger belasten.

Freier und zarter – neue Formen der Solidarität

Ihre Antwort darauf ist Feminismus, genauer gesagt – Queer – Feminismus mit Geschlechtergerechtigkeit und Diversität. Denn das ist die Entwicklung, die alle wirklich frei machen kann. Auch für Männer bedeutet das mehr Freiheit. Denn so können sie bestimmte Rollen und Rahmen loslassen. Sie bekommen selbstverständlich Raum für Kindererziehung und CareArbeit. Somit bringen Queer – Feministische Bewegungen Feminismus auf eine neue, globale Ebene und stellen das idealisierte binäre Geschlechtermodell sowie Cis- und Heteronormativität infrage. Diese Bewegungen haben zum Ziel, jegliche Herrschaft zu überwinden. Carolin ist überzeugt, dass es Spielräume und bestimmte Verantwortung bei jeder*m von uns gibt. Je mehr Privilegien, desto größer ist die Verantwortung, die erkennbar strukturellen Diskriminierungen zu bekämpfen.  Nur dann ist wahre Solidarität möglich. 

Frauen laufen für Paula Panke e.V.

Medaille vom TSC
Medaille vom Frauenlauf

Zum 1. virtuellen Frauentagslauf „Frauen laufen für Frauen“ rief der SC TF Events, Partner des Sportvereins SC Tegeler Forst e.V., vom 8. März bis 5. April 2021 auf.

Teilnehmende konnten eine selbstgewählte Strecke absolvieren – egal ob Walken oder Laufen und wann und wo sie wollten.

Ab dem 12. April 2021 erhielt jede Teilnehmende eine Medaille per Post.


Und was uns besonders freut: Mit dem Lauf haben die Teilnehmenden nicht nur etwas für ihre Gesundheit getan, sondern auch unsere Arbeit unterstützt.

Denn der Verein sammelte einen Teil der Startgelder, um sie dann an uns zu spenden.

Am 17. Mai 2021 kam Isabella vom SC TF Events bei uns vorbei, um persönlich den Scheck von 1000 Euro an uns zu überreichen.

Wir waren echt überwältigt!

VIELEN DANK an alle fleißigen Läuferinnen und den SC TF Events, der uns für die Spende ausgesucht hat, weil das gemeinnützige Unternehmen unsere Arbeit unterstützen will.

Diese Spende hilft uns sehr, damit wir weiterhin Beratung und Unterstützung für von Gewalt betroffene Frauen sowie Angebote für eine couragierte Zivilgesellschaft machen können.


DANKE an alle AKTIVEN!!!

Isabella vom SC TF Events überreicht uns den Scheck vom Frauenlauf                                    Foto: Paula Panke
Isabella vom SC TF Events überreicht uns den Scheck vom Frauenlauf Foto: Paula Panke


Paula Talk mit Arpana Aischa Berndt und Raquel Kischori Dukpa: Feministische und diskriminierungskritische Kulturproduktion

von Olga Burlaka

In den meisten Kulturproduktionen wie in Filmen werden nach wie vor zu wenige Rollen mit Schwarzen Menschen, People of Color (PoC), Menschen mit Einschränkungen oder queeren Menschen besetzt. Warum das so ist und wie es behoben werden kann, darüber unterhielten sich Arpana Aischa Berndt und Raquel Kischori Dukpa, die am 29. Januar 2021 im Rahmen unserer Reihe „Paula Talks“ bei Paula Panke zu Gast waren. Moderiert  wurde der Abend von Lea Marignoni.

Lea Marigoni, Raquel Kischori Dukpa und Arpana Aischa Berndt im Gespräch
Lea Marigoni, Raquel Kischori Dukpa und Arpana Aischa Berndt im Gespräch

Hochschullehre – geprägt von weißen Perspektiven

Arpana Aischa Berndt und Raquel Kischori Dukpa sind beide in der diskriminierungskritischen Beratung und Prüfung von Kulturproduktionen tätig. Sie haben angefangen, sich während des Studiums in Hildesheim mit feministischen und diskriminierungskritischen Fragen auseinanderzusetzen. In der Hochschule wurden vor allem Theorien von weißen Feministinnen gelehrt und grundsätzlich waren die Inhalte von weißen Perspektiven geprägt. Raquel erzählt, dass erst die Auseinandersetzung mit feministischen Werken und Filmen von Schwarzen Personen oder PoC für sie neue Perspektiven eröffnet hat.

Netzwerke sind zentral

Beide sind sich einig, dass das Interesse und die spätere Beschäftigung mit diskriminierungskritischer Kulturproduktion nach wie vor notwendig ist. Denn die weiße Perspektive allein ergibt ein unvollständiges Bild. Wichtig ist es, weitere sichtbar zu machen. Deshalb sind Netzwerke in der diskriminierungskritischen Arbeit wichtig. Sie ermöglichen es, unterschiedliche Menschen und Perspektiven zusammenzubringen und die existierenden Macht-Dynamiken zu erkennen und zu verändern. Es geht darum, die Räume mit diesen bisher nicht sichtbaren Menschen zu besetzen. Und es müssen noch weitere Räume geschaffen werden, in denen Queere und BIPoC (Black Indigenous People of Color) Menschen  gut arbeiten können.

Feminismus = Solidarität

Für Raquel und Arpana bedeutet Feminismus in erster Linie Solidarität. Das heißt, sich gemeinsam für unterschiedlichste Menschen und ihre Perspektiven einzusetzen, um sie sichtbar zu machen. Dazu gehört für sie, ständig zu reflektieren, was man macht, sieht und konsumiert. Entscheidend finden beide, dass Feminismus antirassistisch ist und sein muss. Denn es geht darum, Solidarität mit Menschen zu zeigen, die weniger Privilegien haben.

Rassismus in Deutschland

Schließlich diskutierten sie über das Thema Rassismus in Deutschland. Raquel und Arpana sind überzeugt, dass es Rassismus auch hierzulande unstrittig gibt und man mit den existierenden Strukturen arbeiten muss. Sie erzählten von ihrer Arbeit für den Film „Futur Drei“ und zeigten daran exemplarisch die Situation von der Kulturproduktion in Deutschland sowie die Rolle von Social Media bei einer antirassistischen Haltung. Abschließend gaben sie Tipps zu ihren Lieblingsfilmen und -serien, die nicht diskrimierend sind.

Das gesamte Gespräch ist auf unserem YouTube Kanal verfügbar.

Alle „Paula Talks“ könnt ihr hier in unserem YouTube-Kanal ansehen:

Vernissage: Grenzwerte im Quadrat – von Brigitte Windt

von Olga Burlaka

Mit der neuen Ausstellung bei Paula Panke e.V. „Grenzwerte im Quadrat“ nimmt uns Brigitte Windt mit auf ihre ganz persönliche Heldinnenreise. Die Autorin, Poetin und Unternehmensberaterin für selbständige Frauen hat sie im Sommer 2020 bei einer Schreib-Rallye unternommen. Die Ralley lehnte sich an das Prinzip der Held*innenreise an, die Joseph Campbell beschrieben und Christopher Vogler bearbeitet hat. Am 12. Februar  2021 stellte Brigitte Windt bei der Vernissage im Frauenzentrum ihre daraus entstandenen Texte und Bilder vor. Es geht um Grenzen, den Umgang mit Grenzen, das Überschreiten von Grenzen – Grenzwerte eben. Die quadratische Form der Bilder wählte sie bewusst. Denn diese liefert auch Grenzen durch die vier Seiten und damit vier Perspektiven. Das Interview mit Brigitte Windt ist hier in unserem YouTube-Kanal abrufbar.   

Es ging um das Wort, nicht um das Bild

Nadja Bungard und Brigitte Windt im Gespräch

Die Arbeiten entstanden beim Wandern durch die Stadt, durch Gebiete, die man sonst nicht unbedingt sehen würde. Die Inspiration an der Rallye teilzunehmen war für Brigitte das Schreiben. Die Bilder entstanden eher zufällig. „Es ging ums Wort, überhaupt nicht ums Bild“. Durch das Laufen bei der Schreib-Rallye sind die (Bildeindrücke?) Reize entstanden und daraus entwickelten sich die Texte. Diese Texte sind die Basis der ganzen Wanderung und damitder Heldinnenreise. Sie sind die Verbindungen zwischen den Bildern. Die Notwendigkeit des fotografischen Festhaltens kam erst später, auch  die Idee, die Bilder schwarz–weiß zu setzen.

Schritt für Schritt in das Abenteuer

Foto: Paula Panke

Zu Beginn der Rallye war es stürmisch, regnerisch, kalt und windig. Die Heldin lässt sich aber auf den Impuls ein und macht sich auf den Weg.  Schritt für Schritt setzt sie ihr  Abenteuer fort, das sich in der Ausstellung als  wahre Geschichte und echte Heldinnenreise widerspiegelt. Es geht um Herausforderungen, kritische Momente und viel Mut der Protagonistin, sich auf ihren Weg einzulassen.

Der Ausgangspunkt ist das Tempelhofer Feld. Wir blicken in die Weite, in das Leere. Hier beginnt die Reise. Es gibt die Alltagsmomente, die Brigitte Windt in den Texten mit eigenen Erinnerungen verknüpft. Wir als Betrachter sehen viele kleine Details. Und das ist sehr aufregend (inspirierend?), weil das zur  Begegnung mit der eigenen inneren Welt auffordert. „Wir verlassen die äußere Welt und gehen in das Innere“, meint Brigitte Windt.  So kommen wir zum Dämonenreich – hier ein Tunneleingang. Geht es weiter? Das weiß man nicht. Dann sehen wir zwei Schafe, die das Weiße und das Schwarze, die zwei Seiten unserer Existenz, symbolisieren. Es sind auch Fußabdrücke zu finden – etwas, das Menschen auf der Erde hinterlassen. Schließlich sehen wir das Bild mit  Schoten, deren Samen schon vom Wind verteilt werden. Dieses Foto erinnert Brigitte an einen Moment, der für sie ein Sinnbild für Endlichkeit wurde.

Die Reise lohnt sich

Brigitte Windt als Protagonistin ist bei dieser Schreib-Reise  in sich gegangen, um existenzielle Fragen, die für sie in dieser Lebensphase wichtig waren, zu beantworten. Sie konnte Antworten für sich finden und sie in ihr   Leben integrieren. So schloß sich für sie die Heldinnenreise vom Aufbruch ins Unbekannte über das Bestehen von Abenteuern bis hin zur Rückkehr und Integration der Erfahrungen. Diese Ausstellung erzählt davon. Sie inspiriert Betrachter*innen, eine eigene  Held*innenreise anzutreten. 

Besuch der Ausstellung und Workshop

Die Vernissage ist bis zum 30. April 2021 zu sehen und kann zur Zeit nach Anmeldung programm@paula-panke.de einzeln besucht werden.

Am 15. April 2021 bietet Brigitte Windt außerdem den  Online-Workshop “Die Macht ist in mir” an – eine Einladung, sich auf eine eigene kreative Reise zu begeben.


Hierfür bitte auch bei programm@paula-panke.de anmelden.  

Verabschiedung von Evelyn Labsch

Im Januar 2021 haben sich die Berliner Frauenprojekte feierlich und leider noch mit Abstand von Evelyn Labsch verabschiedet.

Astrid Landero und Ev Labsch, Foto: Paula Panke
Astrid Landero überreicht Evelyn Labsch
im Namen aller Frauenprojekte eine Urkunde

Von 1990 bis 2020 hat sie sich bei der Senatsverwaltung für Gesundheit, Pflege und Gleichstellung in 30 Zuwendungsjahren mit Leidenschaft und Verstand für Gleichstellung sowie sozialer Teilhabe von Frauen engagiert.

Vom 18. März 1990 bis in den Januar 2021 stand sie Frauenprojekten im Osten Berlins fördernd und fordernd zur Seite. Auf dem langen Weg von der Projektimprovisation zum professionellen Projektmanagement war sie treue Partnerin der Mitarbeiter*innen aller Berliner Frauenprojekte.

Besondere Verdienste erwarb sie sich auf dem Gebiet der Vermittlung und Anwendung von Qualitätsmanagementstandards. Auch bei der Gleichstellung von Frauen mit Handicaps und der Verbesserung ihrer diversen Lebenssituationen erwarb sie hohe Kompetenz und Zuwendung.

Beharrlich und unterstützungsbereit zeigte sie sich auch bei ihren Anforderungen nach Korrekturen. Sehr bald wurde allen Beteiligten klar, dass diese Frau keine Zahl und Tabelle einfach so hinnimmt, sondern prüft und nachrechnet. Das führte nicht selten zu einigen Verstimmungen, aber letztendlich immer zu einem Zugewinn an Erkenntnissen und Erfahrungen aller Beteiligten.

So erwies sich Ev Labsch in ihrem Wirken stets als konsequent und zielführend zum Wohle der mehrfach gefährdeten Existenz der Berliner Frauenstruktur.

Eine eindrucksvolle Erfolgsgeschichte in den 30 Jahren ihrer Tätigkeit!

Dafür Dank und Anerkennung!!!

Höhepunkte der 30 Jahre waren u.a.:

– mehrfache Umzüge der Frauenverwaltung und des Büros von Frau Labsch

– Kürzungen im Haushaltstitel

– Proteste der Frauenprojekte

– Teilnahme an zahllosen Gesprächen, Konferenzen und Tagungen

– Jubiläumsfeier zum 30. Jubiläum der Frauenzentren im Osten Berlins 2020

31. Geburtstag von Paula Panke

#unverzichtbarfeministisch

31 Jahre Frauenzentrum Paula Panke – das sind 31 Jahre feministische Power! Auch so ein verrücktes Jahr wie das letzte und eine Pandemie können die Tatkraft und Lebensfreude von Paula Paula nicht trüben. Im Gegenteil – sie befindet sich gerade in einem Erneuerungsprozess mit einem wachsenden und sich verjüngendem Team. Zwar können in diesem Januar aus bekannten Gründen keine der schon legendären Paula-Geburtstagspartys mit Büfett, vielen Gäst*innen und DJane feiern. Aber das holen wir so schnell wie möglich nach!

Eine Menge haben wir gemeinsam auf dem Weg geschafft – vor allem tausende Frauen beraten, geschützt, gebildet, inspiriert und ’empowert’. Doch viel ist noch zu tun. Lasst uns deshalb weiter aktiv bleiben und auch feiern!

Paula blickt zurück auf 31 Jahre feministische Aufbauarbeit – gemeinsam mit drei ‘klugen, gewitzten Schwestern’ – wie es Astrid Landero bei der gemeinsamen 30-Jahr-Feier von Matilde, EWA und Frieda im Oktober 2020 formulierte. Bis heute sind brennende Themen: Frauen in prekärer Beschäftigung, Altersarmut, fehlende Kinderbetreuung, häusliche Gewalt, Antifeminismus und viel Skepsis gegenüber soziokulturellen Frauenprojekten.

Auf ein fröhliches, gesundes und feministisches neues Lebensjahr mit Paula Panke – unverzichtbar feministisch ins Jahr 2021.

Lesung mit Lea Streisand: Immer bereit

Lea Streisand, Foto: Paula Panke

Wir sind ‚immer bereit‘ – trotz Lockdown – zumindest digital. Bei Paula Panke zum Jahresauftakt 2021 ist am 14. Januar Lea Streisand zu Gast, Schriftstellerin und Kolumnistin bei radioeins vom rbb und bei der taz. Außerdem ist sie Mutter im Lockdown und für ihre spitze Zunge bekannt. Die Fangemeinde wartet dieses Mal nicht Füße scharrend im Veranstaltungsraum, sondern über 70 Gäste – die gar nicht alle bei uns reingepasst hätten –  vor ihren Bildschirmen zu Hause darauf, dass unser YouTube-Kanal endlich startet.

Lea liest aus ihrer Kolumne ‚Es war schön jewesen‘ für radioeins und aus der taz-Kolumne ‚Immer bereit‘ – passend zu unserer aktuellen Ausstellung ‚Immer bereit!?‘ von der Künstlerin Doreen Trittel (hehocra). Sie ist etwas aufgeregt bei ihrem ersten semi-öffentlichen Auftritt nach Wochen und Monaten.

Wozu sind wir immer bereit?

Lea kennt noch den Pioniergruß aus DDR-Zeiten: Dazu die Hand hochreißen über den Scheitel. Mit Begeisterung. Denn ja – der Gruß beweist: ich bin nicht mehr klein, sondern Pionier(in)!

Heute ist sie u.a. als soloselbständige Künstlerin immer bereit. Da sie wegen Corona (ja, wir müssen das Wort hier aus dokumentarischen Gründen mal beim Namen nennen) nicht mehr ins Studio kann, um ihre Kolumne aufzunehmen, spricht sie seit Monaten gegen ihr Bücherregal. Damit es nicht so hallt. Ihr Redakteur schneidet dann den Rest.

Lea spricht über Kindererziehung: eine gesellschaftliche Aufgabe, keine Privatsache. Eltern in der Pandemie allein zu lassen sei institutionelle Kindeswohlgefährdung durch die Politik. „Lasst uns wütend sein. Denn Wut ist der Eiter der Seele und muss entfernt werden.“

Als Kolumnistin gelingt es ihr trotz ernster Themen humorvoll die Kurve zu kriegen. Die Kommentare im Chat zeigen: Das kommt an. Lachen, Freude, Erleichterung. Ein schöner Abend trotz aller Einschränkungen. Wir haben die Lesung für euch aufgezeichnet.

Und wir können euch versprechen: Es war schön jewesen und wir sind immer bereit Lea wieder zu uns einzuladen.