Vernissage: Grenzwerte im Quadrat – von Brigitte Windt

von Olga Burlaka

Mit der neuen Ausstellung bei Paula Panke e.V. „Grenzwerte im Quadrat“ nimmt uns Brigitte Windt mit auf ihre ganz persönliche Heldinnenreise. Die Autorin, Poetin und Unternehmensberaterin für selbständige Frauen hat sie im Sommer 2020 bei einer Schreib-Rallye unternommen. Die Ralley lehnte sich an das Prinzip der Held*innenreise an, die Joseph Campbell beschrieben und Christopher Vogler bearbeitet hat. Am 12. Februar  2021 stellte Brigitte Windt bei der Vernissage im Frauenzentrum ihre daraus entstandenen Texte und Bilder vor. Es geht um Grenzen, den Umgang mit Grenzen, das Überschreiten von Grenzen – Grenzwerte eben. Die quadratische Form der Bilder wählte sie bewusst. Denn diese liefert auch Grenzen durch die vier Seiten und damit vier Perspektiven. Das Interview mit Brigitte Windt ist hier in unserem YouTube-Kanal abrufbar.   

Es ging um das Wort, nicht um das Bild

Nadja Bungard und Brigitte Windt im Gespräch

Die Arbeiten entstanden beim Wandern durch die Stadt, durch Gebiete, die man sonst nicht unbedingt sehen würde. Die Inspiration an der Rallye teilzunehmen war für Brigitte das Schreiben. Die Bilder entstanden eher zufällig. „Es ging ums Wort, überhaupt nicht ums Bild“. Durch das Laufen bei der Schreib-Rallye sind die (Bildeindrücke?) Reize entstanden und daraus entwickelten sich die Texte. Diese Texte sind die Basis der ganzen Wanderung und damitder Heldinnenreise. Sie sind die Verbindungen zwischen den Bildern. Die Notwendigkeit des fotografischen Festhaltens kam erst später, auch  die Idee, die Bilder schwarz–weiß zu setzen.

Schritt für Schritt in das Abenteuer

Foto: Paula Panke

Zu Beginn der Rallye war es stürmisch, regnerisch, kalt und windig. Die Heldin lässt sich aber auf den Impuls ein und macht sich auf den Weg.  Schritt für Schritt setzt sie ihr  Abenteuer fort, das sich in der Ausstellung als  wahre Geschichte und echte Heldinnenreise widerspiegelt. Es geht um Herausforderungen, kritische Momente und viel Mut der Protagonistin, sich auf ihren Weg einzulassen.

Der Ausgangspunkt ist das Tempelhofer Feld. Wir blicken in die Weite, in das Leere. Hier beginnt die Reise. Es gibt die Alltagsmomente, die Brigitte Windt in den Texten mit eigenen Erinnerungen verknüpft. Wir als Betrachter sehen viele kleine Details. Und das ist sehr aufregend (inspirierend?), weil das zur  Begegnung mit der eigenen inneren Welt auffordert. „Wir verlassen die äußere Welt und gehen in das Innere“, meint Brigitte Windt.  So kommen wir zum Dämonenreich – hier ein Tunneleingang. Geht es weiter? Das weiß man nicht. Dann sehen wir zwei Schafe, die das Weiße und das Schwarze, die zwei Seiten unserer Existenz, symbolisieren. Es sind auch Fußabdrücke zu finden – etwas, das Menschen auf der Erde hinterlassen. Schließlich sehen wir das Bild mit  Schoten, deren Samen schon vom Wind verteilt werden. Dieses Foto erinnert Brigitte an einen Moment, der für sie ein Sinnbild für Endlichkeit wurde.

Die Reise lohnt sich

Brigitte Windt als Protagonistin ist bei dieser Schreib-Reise  in sich gegangen, um existenzielle Fragen, die für sie in dieser Lebensphase wichtig waren, zu beantworten. Sie konnte Antworten für sich finden und sie in ihr   Leben integrieren. So schloß sich für sie die Heldinnenreise vom Aufbruch ins Unbekannte über das Bestehen von Abenteuern bis hin zur Rückkehr und Integration der Erfahrungen. Diese Ausstellung erzählt davon. Sie inspiriert Betrachter*innen, eine eigene  Held*innenreise anzutreten. 

Besuch der Ausstellung und Workshop

Die Vernissage ist bis zum 30. April 2021 zu sehen und kann zur Zeit nach Anmeldung programm@paula-panke.de einzeln besucht werden.

Am 15. April 2021 bietet Brigitte Windt außerdem den  Online-Workshop “Die Macht ist in mir” an – eine Einladung, sich auf eine eigene kreative Reise zu begeben.


Hierfür bitte auch bei programm@paula-panke.de anmelden.  

Verabschiedung von Evelyn Labsch

Im Januar 2021 haben sich die Berliner Frauenprojekte feierlich und leider noch mit Abstand von Evelyn Labsch verabschiedet.

Astrid Landero und Ev Labsch, Foto: Paula Panke
Astrid Landero überreicht Evelyn Labsch
im Namen aller Frauenprojekte eine Urkunde

Von 1990 bis 2020 hat sie sich bei der Senatsverwaltung für Gesundheit, Pflege und Gleichstellung in 30 Zuwendungsjahren mit Leidenschaft und Verstand für Gleichstellung sowie sozialer Teilhabe von Frauen engagiert.

Vom 18. März 1990 bis in den Januar 2021 stand sie Frauenprojekten im Osten Berlins fördernd und fordernd zur Seite. Auf dem langen Weg von der Projektimprovisation zum professionellen Projektmanagement war sie treue Partnerin der Mitarbeiter*innen aller Berliner Frauenprojekte.

Besondere Verdienste erwarb sie sich auf dem Gebiet der Vermittlung und Anwendung von Qualitätsmanagementstandards. Auch bei der Gleichstellung von Frauen mit Handicaps und der Verbesserung ihrer diversen Lebenssituationen erwarb sie hohe Kompetenz und Zuwendung.

Beharrlich und unterstützungsbereit zeigte sie sich auch bei ihren Anforderungen nach Korrekturen. Sehr bald wurde allen Beteiligten klar, dass diese Frau keine Zahl und Tabelle einfach so hinnimmt, sondern prüft und nachrechnet. Das führte nicht selten zu einigen Verstimmungen, aber letztendlich immer zu einem Zugewinn an Erkenntnissen und Erfahrungen aller Beteiligten.

So erwies sich Ev Labsch in ihrem Wirken stets als konsequent und zielführend zum Wohle der mehrfach gefährdeten Existenz der Berliner Frauenstruktur.

Eine eindrucksvolle Erfolgsgeschichte in den 30 Jahren ihrer Tätigkeit!

Dafür Dank und Anerkennung!!!

Höhepunkte der 30 Jahre waren u.a.:

– mehrfache Umzüge der Frauenverwaltung und des Büros von Frau Labsch

– Kürzungen im Haushaltstitel

– Proteste der Frauenprojekte

– Teilnahme an zahllosen Gesprächen, Konferenzen und Tagungen

– Jubiläumsfeier zum 30. Jubiläum der Frauenzentren im Osten Berlins 2020

31. Geburtstag von Paula Panke

#unverzichtbarfeministisch

31 Jahre Frauenzentrum Paula Panke – das sind 31 Jahre feministische Power! Auch so ein verrücktes Jahr wie das letzte und eine Pandemie können die Tatkraft und Lebensfreude von Paula Paula nicht trüben. Im Gegenteil – sie befindet sich gerade in einem Erneuerungsprozess mit einem wachsenden und sich verjüngendem Team. Zwar können in diesem Januar aus bekannten Gründen keine der schon legendären Paula-Geburtstagspartys mit Büfett, vielen Gäst*innen und DJane feiern. Aber das holen wir so schnell wie möglich nach!

Eine Menge haben wir gemeinsam auf dem Weg geschafft – vor allem tausende Frauen beraten, geschützt, gebildet, inspiriert und ’empowert’. Doch viel ist noch zu tun. Lasst uns deshalb weiter aktiv bleiben und auch feiern!

Paula blickt zurück auf 31 Jahre feministische Aufbauarbeit – gemeinsam mit drei ‘klugen, gewitzten Schwestern’ – wie es Astrid Landero bei der gemeinsamen 30-Jahr-Feier von Matilde, EWA und Frieda im Oktober 2020 formulierte. Bis heute sind brennende Themen: Frauen in prekärer Beschäftigung, Altersarmut, fehlende Kinderbetreuung, häusliche Gewalt, Antifeminismus und viel Skepsis gegenüber soziokulturellen Frauenprojekten.

Auf ein fröhliches, gesundes und feministisches neues Lebensjahr mit Paula Panke – unverzichtbar feministisch ins Jahr 2021.

Lesung mit Lea Streisand: Immer bereit

Lea Streisand, Foto: Paula Panke

Wir sind ‚immer bereit‘ – trotz Lockdown – zumindest digital. Bei Paula Panke zum Jahresauftakt 2021 ist am 14. Januar Lea Streisand zu Gast, Schriftstellerin und Kolumnistin bei radioeins vom rbb und bei der taz. Außerdem ist sie Mutter im Lockdown und für ihre spitze Zunge bekannt. Die Fangemeinde wartet dieses Mal nicht Füße scharrend im Veranstaltungsraum, sondern über 70 Gäste – die gar nicht alle bei uns reingepasst hätten –  vor ihren Bildschirmen zu Hause darauf, dass unser YouTube-Kanal endlich startet.

Lea liest aus ihrer Kolumne ‚Es war schön jewesen‘ für radioeins und aus der taz-Kolumne ‚Immer bereit‘ – passend zu unserer aktuellen Ausstellung ‚Immer bereit!?‘ von der Künstlerin Doreen Trittel (hehocra). Sie ist etwas aufgeregt bei ihrem ersten semi-öffentlichen Auftritt nach Wochen und Monaten.

Wozu sind wir immer bereit?

Lea kennt noch den Pioniergruß aus DDR-Zeiten: Dazu die Hand hochreißen über den Scheitel. Mit Begeisterung. Denn ja – der Gruß beweist: ich bin nicht mehr klein, sondern Pionier(in)!

Heute ist sie u.a. als soloselbständige Künstlerin immer bereit. Da sie wegen Corona (ja, wir müssen das Wort hier aus dokumentarischen Gründen mal beim Namen nennen) nicht mehr ins Studio kann, um ihre Kolumne aufzunehmen, spricht sie seit Monaten gegen ihr Bücherregal. Damit es nicht so hallt. Ihr Redakteur schneidet dann den Rest.

Lea spricht über Kindererziehung: eine gesellschaftliche Aufgabe, keine Privatsache. Eltern in der Pandemie allein zu lassen sei institutionelle Kindeswohlgefährdung durch die Politik. „Lasst uns wütend sein. Denn Wut ist der Eiter der Seele und muss entfernt werden.“

Als Kolumnistin gelingt es ihr trotz ernster Themen humorvoll die Kurve zu kriegen. Die Kommentare im Chat zeigen: Das kommt an. Lachen, Freude, Erleichterung. Ein schöner Abend trotz aller Einschränkungen. Wir haben die Lesung für euch aufgezeichnet.

Und wir können euch versprechen: Es war schön jewesen und wir sind immer bereit Lea wieder zu uns einzuladen.

2020 – Was für ein Jahr!

Liebe Kolleginnen, Mitstreiter*innen und Unterstützer*innen,

Unverzichtbar feministisch

Mit Euch die besten!

Danke sagt das
Frauenzentrum Paula Panke e.V.

was für ein Jahr liegt hinter uns! Ein pralles, bewegendes Jahr, durch das wir mit eurer Hilfe tapfer hindurchgesteuert sind. Selten waren unsere Teampower und unser Zusammenhalt so gefragt wie in diesem 2020er Frühjahr, Sommer und Herbst.


Inmitten von Corona-Pandemie, “gewürzt” mit Einbrüchen, Wasserschaden und rechtspopulistischen Angriffen, ist unser Paula-Panke-Team nicht nur unermüdlich tätig gewesen, sondern sogar noch gewachsen – von 7 Kolleginnen im März auf 10 im Dezember. Dazu ist so manches Know how und (dank Bezirk, Senat und Bund) einiges an digitaler Ausrüstung hinzugekommen.


Das Frauenzentrum Paula Panke war hier im Kiez ein Ort des Miteinanders trotz Abstandregeln und Hygieneauflagen. Über 200 Masken wurden im Frühjahr ehrenamtlich genäht, zahllose Säcke mit Spenden für geflüchtete Menschen bei Paula gesammelt und nach Griechenland transportiert. “Nebenbei” haben wir den Relaunch für unsere Webseite vorbereitet und unser Programm digitalisiert. Sogar eine neue Veranstaltungsreihe, die “Paula Talks” ist im Sommer auf die Welt gekommen und Home Office ist auch bei uns kein Fremdwort mehr.


Aber das Wichtigste bei all dem war, dass wir immer auf eure Unterstützung, eure Solidarität zählen konnten. Eure vielen kleine und großen Gesten und Hilfestellungen – auch in Form von Spenden! – geben uns Mut und Energie, immer weiterzugehen und den Raum für eine vielfältige, demokratische und geschlechtergerechte Gesellschaft Schritt für Schritt zu erweitern.


Dank euch und mit euch werden wir voller feministischer Power das neue Jahr angehen. Gemeinsam werden wir weiterhin unser Bestes geben und mit euch die besten sein! Wir freuen uns auf das kommende Jahr … mit hoffentlich wieder mehr persönlicher Begegnung, noch mehr leuchtender Zukunft und weniger Unwetter. 🙂


Im Namen des Teams und des Vorstands von Paula Panke sagen wir herzlich DANKESCHÖN und wünschen allen einen guten Start ins Jahr 2021.


Herzliche Grüße
Kathrin Möller
& das Team von Paula Panke

Geschlechtergerecht durch die Pandemie?

Am Freitag, den 4.12.2020 fand die 18. efas-Fachtagung zu dem Thema „Geschlechtergerecht durch die Pandemie? Ökonomische Analysen aus feministischer Perspektive“ online auf Zoom statt. Wir von Paula Panke waren als Teilnehmerinnen auch dabei und haben viele spannende Einblicke in die neuesten Forschungen zu Geschlechtergerechtigkeit, Gleichstellung, Care-Arbeit und häuslicher Gewalt in Bezug auf die Corona-Pandemie bekommen.

Die Online-Tagung teilte sich in insgesamt drei Sessions mit unterschiedlichen Schwerpunkten, zu welchen in Form von Kurzvorträgen aktuelle Forschungen vorgestellt und im Anschluss diskutiert wurden.

Das Thema der ersten Session war „Die Corona-Krise und ihre politische Bearbeitung – wie sind Frauen betroffen?“. In vier verschiedenen Kurzvorträgen wurden unter anderem die Auswirkungen von COVID-19 auf Frauen im Bekleidungssektor, gleichstellungspolitische Antworten auf die Arbeitsmarktentwicklung in der Coronakrise und das unterschiedliche berufliche Ansteckungspotential diskutiert. Dieses ist beispielsweise, wie Dr. Katharina Dengler darlegte, bei Frauen deutlich höher, da sie vermehrt in Berufen arbeiten, in denen die Ansteckungsrisiken höher sind. Auf diese Weise kann es zu einer Benachteiligung von Frauen in der Pandemie kommen.

Die Boni für Pflegepersonal bleiben gering

In der zweiten Session zum Thema „Weibliche (Care-)Arbeit zwischen neuer Sichtbarkeit und andauernder Unterbewertung“ drehte sich alles um die Frage, wie die Corona-Krise sich auf Care-Arbeit, deren Anerkennung und Bezahlung auswirkt. Franziska Dorn präsentierte beispielsweise ihre Forschung, in der sie zeigte, dass die Boni an Altenpfleger*innen und Krankenpfleger*innen deutlich geringer ausfielen als in anderen Branchen. Sie betonte, dass eine höhere Bewertung von Care-Arbeit außerhalb des Marktes stattfinden muss. Neue Ideen, wie Pflegearbeit bewertet und gemessen werden kann, sind nötig, um die prekäre Situation derjenigen, die in Pflegeberufen arbeiten, zu verändern.

Systemrelevanz bleibt ein leerer Begriff

Auch Prof. Dr. Margarete Kreimer und Dr. Barbara Hönig kamen zu dem ernüchternden Schluss, dass die stärkere Wahrnehmung von Care-Berufen in den Medien relativ konsequenzlos geblieben ist. Nachhaltige Verbesserungen sind bisher nicht erfolgt. Trotz der Einstufung als systemrelevant bleibt die Situation schwierig und prekär. Systemrelevanz bleibt in dieser Hinsicht ein leerer Begriff.

Gleichberechtigung zu Lasten anderer Frauen in der Türkei

Dr. Irem Güney-Frahm zeigte eine globale Perspektive auf Care-Arbeit am Beispiel der Türkei auf. Sie legte dar, dass dort die Gleichberechtigung von Frauen häufig zu Lasten anderer Frauen erreicht werde: Berufstätige Frauen mit guten Bildungshintergrund haben oftmals Haushaltshilfen aus ökonomisch schwächeren Ländern und verlagern somit lediglich die Ungerechtigkeit.

Home Office – Besser zuhause?

Die dritte und letzte Session trug den Titel „Besser zuhause?“ und beschäftigte sich unter anderem mit Fragen zu Home Office und häuslicher Gewalt.

Es wurde deutlich, dass die Tatsache, dass Frauen nun viel mehr zuhause sind, sehr ambivalente Auswirkungen hat: Viele Frauen sehen das Home Office als positive Veränderung, die ihnen mehr Zeit gibt und die Arbeitszeiten entzerrt. Einige kommen aber auch schlechter zurecht im Home Office, beispielsweise, weil sie zuhause kein eigenes Arbeitszimmer haben und weil eine Kinderbetreuung im Home Office so gut wie nicht möglich und immer noch hauptsächlich Aufgabe der Frauen ist. Forschungen zeigen, dass trotz gleicher beruflicher Belastung Mütter häufiger alleine betreuen als Väter.

Mehr häusliche Gewalt in der Pandemie

Dr. Cara Ebert und Prof. Dr. Janine Steinert zeigten zudem auf, wie sich COVID-19 auf Gewalt gegen Frauen und Kinder auswirkt. Dadurch, dass Frauen den Tätern schlechter entkommen können, es schwerer ist, externe Hilfe zu bekommen und das Level häuslicher Gewalt in Krisen immer höher ist, ist von einer Zunahme häuslicher Gewalt auszugehen. Die beiden Forscherinnen bemängelten aber auch, dass die Datenlage dazu bisher nicht besonders ergiebig ist. Ihr Fazit: Es ist nicht unbedingt immer besser, sondern häufig auch gefährlicher zuhause. Psychologische Angebote sowie KiTas und Schulen sollten offenbleiben, um so einem Anstieg häuslicher Gewalt entgegenzuwirken.

efas Nachwuchsförderpreis

Am Ende der Online-Tagung wurde noch der efas- Nachwuchsförderpreis 2020 an Julia Bringmann verliehen. Sie erhielt diesen für ihre Masterarbeit ‚Daddy Months’ – An Engine of Change Towards More Gender Equality in Parenting Couples.

Bürger*innen Sprechstunde mit Katrin Seidel

Am 17. November 2020 fand unsere erste Bürgerinnen*Sprechstunde mit Katrin Seidel von der Partei DIE LINKE statt. In einem ausführlichen Gespräch mit Nadja von Paula Panke beantwortete Frau Seidel Fragen zu Themen wie Kinder-, Jugend- und Familienförderungen, zu häuslicher Gewalt, Inklusion und musikalischer Bildung in Berlin.

Nadja Bungard und Katrin Seidel im Gespräch

Unterstützung von strukturell benachteiligten Kindern und Jugendlichen in der Coronazeit

Auf die Frage, welche Strategien es gibt, um in der Coronazeit Kinder und Jugendliche, die zuhause wenig Hilfe erfahren, zu unterstützen, erzählt Frau Seidel, dass im ersten Lockdown zu 20% der Kinder aus strukturell benachteiligten Familien kein Kontakt aufgenommen werden konnte.

Um dies in der Zukunft zu verhindern, müssen dringend multiprofessionelle Teams gestärkt und ausgebaut werden. Zudem ist es wichtig, dass das pädagogische Fachpersonal mehr Medienkompetenz erwirbt und dass eine gute digitale Ausstattung an allen Schulen vorhanden ist.

Was für Frau Seidel ebenfalls dazu gehört, alle Kinder mit mobilen Endgeräten auszustatten. Im November wurden bereits 41.500 Geräte gekauft und an Kinder verteilt. Inzwischen gibt es immer mehr Geräte zum Ausleihen, so dass der Bedarf gedeckt werden kann. Kinder dürften aber mit dem Umgang nicht allein gelassen werden.

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Pankower Ehrenamtspreis für Dr. Regina Wegner

Regina Wegner im Gespräch, Foto: Carolin Weinkopf
Regina Wegner (Mitte) im Gespräch, Foto: Carolin Weinkopf

Wir freuen uns sehr, dass unsere Vorstandsfrau Dr. Regina Wegner für ihre langjährige Arbeit für unseren Verein dieses Jahr mit dem Pankower Ehrenamtspreis gewürdigt wurde. Am 4. Dezember 2020 war die feierliche Preisverleihung im Pankower Rathaus, an der wir leider wegen der Hygienebestimmungen nicht teilnehmen konnten.

Wir bedanken uns auch auf diesem Wege ganz herzlich für ihre zuverlässige Unterstützung der Arbeit unseres Vereins und senden unseren Dank und unsere Glückwünsche.

Schon seit 11 Jahren ist Regina Wegner ehrenamtlich als Mitfrau im Vorstand des Frauenzentrums Paula Panke e.V. tätig. Sie ist nicht nur für den Bereich der Zufluchts- und Schutzwohnungen verantwortlich, sondern begleitet auch die Arbeit unseres Frauenladens in Weißensee.

Seit vielen Jahren engagiert sie sich für die Gleichberechtigung und Bildung von Frauen. Beispielsweise initiierte die pensionierte Literatur- und Englischlehrerin den Politisch-Philosophischen Dialog, der regelmäßig bei Paula Panke stattfindet. Daneben ist sie Mitinitiatorin einer Theatergruppe bei Paula Panke und gestaltet seit zwei Jahrzehnten inhaltlich einen Ost-/West-Frauentreff, der zweimal im Jahr stattfindet.

Mit ihrem Wissen und ihrer Kreativität unterstützt sie unsere Arbeit nicht nur ganz praktisch bei der Übersetzung von Texten, sondern auch bei zahlreichen Bildungsveranstaltungen.

An dieser Stelle ein ganz großes DANKESCHÖN REGINA!!

„NEIN zu Gewalt an Frauen!“ Ein Gespräch mit Astrid Landero und Ksenia Sizyakova

Am 25. November ist jedes Jahr internationaler Aktionstag gegen Gewalt an Frauen. Dass es auch immer noch dringend nötig ist, über das Thema zu sprechen, zeigen allein schon die Zahlen in Deutschland:

2019 registrierte das BKA 142.000 Fälle von Gewalt in Partnerschaften in Deutschland. 80 % der Betroffenen waren Frauen. 117 Frauen starben 2019 in Deutschland durch ihre Partner oder Ex-Partner. In der Corona-Krise 2020 verzeichneten die Hilfeeinrichtungen zunehmende Fallzahlen von Gewalt in Familien, besonders gegen Frauen und Kinder.

Es ist dieses Jahr mehr denn je Zeit über geschlechtsspezifische Gewalt in einem Kontext von Abwertung und Unterdrückung von Frauen und einem absoluten Besitzanspruch durch Männer zu sprechen.

Aus diesem Anlass haben wir am Abend des 25. Novembers zwei Gästinnen eingeladen, die in dem transnationalen Projekt der filia-Stiftung „Stärkung der Zivilgesellschaft und von Frauenorganisationen“ für das Frauenzentrum Paula Panke mitgearbeitet haben.

Astrid Landero, die bis März 2020 Geschäftsführerin von Paula Panke war, hat dieses Projekt von Anfang an mit begleitet. Ksenia Sizyakova als junge Feministin hat bei den Online-Workshops mitgewirkt, um eine transnationale Kampagne der Frauenorganisationen aus Armenien, Georgien, der Ukraine und Berlin zu entwickeln.

Nadja, Astrid und Ksenia im Gespräch

Gewalt an Frauen ist ein strukturelles Problem

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„Reden wie Rosa“ – Was ich beim Redeclub für Frauen* gelernt habe

von Linda Davis

Seit September 2020 findet jeden zweiten und vierten Mittwoch im Monat der Frauen*redeclub „Reden wie Rosa“ statt.

„Reden wie Rosa“ möchte Frauen* stärken, selbstbewusster öffentliche Bühnen zu betreten. Er ist vom Konzept her inspiriert von dem Prinzip der Toastmasters-Clubabende, bei denen nach einer klaren Struktur verschiedene vorbereitete und spontane Reden gehalten werden und die Teilnehmer*innen bestimmte Rollen besetzen.

Beim letzten Zusammentreffen des Redeclubs, das noch in Person und nicht per Zoom stattfand, war ich als Praktikantin von Paula Panke auch dabei um mir anzuschauen, was dort eigentlich passiert und wie man lernen kann, gut und frei vor anderen zu reden.

Ablauf des Frauen*redeclubs “Reden wie Rosa”

Die Inspiration kommt von Rosa Luxemburg

Namentlich ist der Redeclub inspiriert von Rosa Luxemburg, die nicht nur dafür berühmt ist, eine wichtige Vertreterin demokratisch-sozialistischen Handelns und Denkens zu sein, sondern auch als starke und beeindruckende Rednerin.
Das Ziel des Redeclubs ist also klar: In einer wertschätzenden Atmosphäre zu lernen, überzeugend frei reden zu können, Führungs- und Moderationskompetenzen zu entwickeln und selbstbewusster vor Publikum aufzutreten. Und das unter Frauen*, die alle voneinander lernen wollen und sich dabei von den anderen unterstützen und inspirieren lassen möchten.

Strukturierte Abläufe und viele Möglichkeiten, mitzumachen

Wie bei den Toastmasters-Clubabenden hat auch der Redeclub für Frauen* einen relativ klaren und strukturierten Ablauf: Zuerst werden verschiedene Rollen verteilt: Es gibt zum Beispiel eine Zeitnehmerin, eine Zuhörerin, eine Äh-Zählerin, eine Gesten-Beobachterin und eine Schöne-Wörter-Sammlerin. Dann halten drei Frauen nacheinander eine kurze Rede, die zwischen fünf und sieben Minuten lang sein darf. Nach einer kurzen Pause gibt es Raum für Stegreifreden. Das bedeutet, dass alle Frauen, die bisher noch nicht vor den anderen geredet haben, eine kurze, mindestens einminütige und spontane Rede zu einem vorgegebenen Thema halten dürfen. Danach folgen Feedback-Reden zu den ersten drei vorbereiten Reden.

Wertschätzendes Feedback ist wichtig

Nach einem kurzem Ankommen und einer Vorstellungsrunde wird zuerst noch einmal darüber gesprochen, wie gutes Feedback gegeben werden kann: Am besten so konstruktiv wie möglich, lieber beschreibend als bewertend, möglichst konkret und in Ich-Form. Im Verlauf des Abends merke ich, dass alle Frauen wirklich gut darin sind, auf eine wertschätzende, respektvolle und freundliche Art Feedback zu geben. Selten habe ich Gruppen erlebt, in denen die Ansprüche an gutes Feedback so gut umgesetzt wurden und gleichzeitig aber auch das Gefühl entstand, dadurch etwas gelernt und für sich selbst mitgenommen zu haben.

Tipps für ein gutes Feedback

Mit ‚Eisbrecherreden‘ fangen alle an

An diesem Abend sind zwei Frauen mit ihrer ‚Eisbrecherrede‘ dran, das heißt, das ist ihre erste Rede, die sie vor der Gruppe halten werden. Ich bin beeindruckt, wie souverän sie ihre Reden trotz anfänglicher Nervosität halten und wie es beiden auf sehr unterschiedliche Weise gelingt, die Aufmerksamkeit ihrer Zuhörerinnen zu bekommen.

Nach jeder Rede dürfen alle auf kleinen Zetteln ein kurzes Feedback verfassen und aufschreiben, was ihnen besonders gut gefallen hat und was sie sich für die nächste Rede noch zusätzlich wünschen würden.

Kathrin hält eine Rede

Reden halten ist gar nicht so einfach!

Nach einer kurzen Pause ist es dann Zeit für die Stegreifreden. Hierfür zieht diesmal nacheinander jede Frau einen kleinen Zettel mit einem Sprichwort, zu dem sie dann eine Minute spontan reden darf, was sie möchte. Jetzt bin ich auch dabei und darf eine kurze Rede halten. Obwohl ich eigentlich immer dachte, dass ich ganz gut reden kann, merke ich, dass es doch gar nicht so einfach ist. Ich bin plötzlich doch nervös, weiß gar nicht mehr so genau, was ich eigentlich sagen soll und ob das alles Sinn ergibt, was ich erzähle. Dadurch bin ich noch beeindruckter von den Frauen, die sich zu Beginn getraut haben, über fünf Minuten frei vor Publikum zu reden.
Ich bin froh, als die Minute vorbei ist, gleichzeitig aber auch stolz, mich getraut zu haben. Und ich habe das Gefühl, dadurch jetzt schon einiges über das Reden halten gelernt zu haben.

Wie wichtig bei „Reden wie Rosa“ nicht nur das Reden, sondern auch das Feedback ist, merkt man zum Schluss noch einmal. Es wird sich besonders viel Zeit für einzelne Feedbackreden genommen, dafür, die verschiedenen Rollen, die zu Beginn verteilt wurden, auszuwerten und die Feedbackzettel zu verteilen, die fleißig ausgefüllt wurden. Auch ich bekomme ein paar Feedbackzettel für meine kurze Rede und merke, wie schön und bestärkend es ist, eine positive Rückmeldung zu bekommen.

Sandra hält eine Rede

Ein wichtiger Raum für Frauen* wird geschaffen

Am Ende des Abends bin ich ziemlich beeindruckt. Ich bin vor allem beeindruckt von der Gruppe, ihrem wertschätzenden und offenen Umgang miteinander und von dem Mut der Frauen, eine freie Rede vor allen anderen zu halten. Ich merke, was für ein schöner und sicherer Raum mit dem Redeclub geschaffen wurde, in dem Frauen* sich ausprobieren und weiterentwickeln können, ohne Angst haben zu müssen, unterbrochen, kritisiert oder nicht ernstgenommen zu werden. Und ich merke, dass es doch gar nicht so einfach ist, eine Rede zu halten. Aber wahrscheinlich gibt es kaum einen besseren Ort für Frauen* dafür, es zu üben als „Reden wie Rosa“.

Der Redeclub „Reden wie Rosa“ findet weiterhin statt, derzeit auf Zoom.
Interessierte Frauen* mit und ohne Redeerfahrung sind jederzeit willkommen. Weitere Informationen gibt es auf unserer Webseite und auf unserer Facebook-Seite.

Nächste Termine:

Mi, 25. November, 19-21 Uhr

Mi, 9.+ 23. Dezember, 19-21 Uhr