Gutes Wetter, harte Zeiten – für den Feminismus streiten!

Unsere Eindrücke von der Demo der Alliance of International Feminists am 8. März 2021 – von Linda Ann Davis

Am 8. März, dem feministischen Kampftag, war so einiges los in Berlin. Wir von Paula Panke e.V. waren nicht nur in unserem Frauentags-TV (hier verlinken) und bei unserer LassPlatzen-Aktion (auch verlinken) zu sehen, sondern auch auf der Demo der Alliance of International Feminists dabei, die um 14 Uhr vor dem Brandenburger Tor startete.

Demo 8. März 2021, Foto: Paula Panke
Demo 8. März 2021
Foto: Paula Panke

Eine Demo für alle Frauen, trans und inter Personen

Obwohl es am 8. März zahlreiche Aktionen gab, war das neben der großen Kundgebung um 11 Uhr die einzige große Demonstration, die an diesem Tag stattfinden konnte. Umso wichtiger, dass diese Demo nicht nur für alle Frauen, trans und inter Personen, sondern ganz besonders alle trans Frauen, Frauen der Arbeiterklasse, geflüchtete Frauen, schwarze Frauen, indigene Frauen, Frauen of Color und behinderte Frauen war. Cis-Männer waren explizit ausgeladen, da es bei der Demo um die gemeinsamen Erfahrungen von FLINTA* (d.h. Frauen, Lesben, Inter, Trans, Asexuals) und das Bündeln von deren Kräften gehen sollte. Cis-Männer wurden aufgefordert, sich auf andere Weisen gegen Gewalt an Frauen zu beteiligen.

Große Demo – unter Einhaltung der Hygieneregeln

Bei strahlendem Sonnenschein standen wir also um 14 Uhr in der Nähe des Brandenburger Tors. Nach und nach füllte sich der gesamte Platz und die Straße so weit, dass ein Ende der Menschenmenge nicht mehr zu erkennen war. Überwiegend junge Menschen waren zu sehen. Viele hatten Schilder mit kreativen Sprüchen, aber auch mit Namen ermordeter Frauen dabei, die zusätzlich auf die mangelnde Aufklärung dieser Morde aufmerksam machten. Die Stimmung war gut. Alle schienen sich zu freuen, dass sie nach so langer Zeit wieder an einer Demonstration teilnehmen konnten. Auch ich war schon lange nicht mehr bei einer so großen Veranstaltung gewesen und fühlte mich anfangs fast ein wenig unsicher. Ich war froh, dass sich ausnahmslos alle an die Maskenpflicht und die weiteren Hygieneregeln hielten.

Über einen Lautsprecher ertönte Musik und Redebeiträge der Veranstalterinnen. Auch sie betonten neben den geltenden Hygieneregeln noch einmal, wie wichtig ein intersektionaler Feminismus ist, der Mehrfachdiskriminierung aufdeckt und der die Erfahrungen unterschiedlicher FLINTA* in den Blick nimmt. Mit lautem Klatschen stimmte ihnen die Menschenmenge zu.

Gemeinsames Handeln ist wichtig

Die Veranstalterinnen der Demo machten noch einmal deutlich, dass nicht alle Frauen gleichermaßen von Sexismus und Diskriminierung betroffen sind und es ganz verschiedene Erfahrungen und Formen der Diskriminierung gibt. Aber gleichzeitig machten sie auch klar, dass wir alle zusammenhalten und gemeinsam für unsere Rechte und für Gleichstellung auf die Straße gehen müssen.

Viel Aufmerksamkeit für feministische Themen

Die Demonstration von über 10.000 Menschen in Gang zu bringen war gar nicht so einfach, aber nach einer Weile begannen wir singend und rufend unsere Route, die über Unter den Linden und Friedrichstraße bis zum Pergamonmuseum führte. Rufe wie „Our bodies, our choice – raise your voice“ und „Gegen Macker und Sexisten – Fight the Power, Fight the System!” waren zu hören. Viele Passant*innen blieben stehen, drehten sich nach uns um, wir sorgten eindeutig für viel Aufmerksamkeit.

8. März ist jeden Tag

Die Stimmung blieb die gesamte Zeit ausgelassen und trotzdem friedlich, obwohl es um so wichtige und ernste Themen wie Gewalt an Frauen, Femizide, Sexismus und das Abtreibungsverbot ging. Die große Anzahl an FLINTA*-Personen, die hier zusammenkam, die gemeinsamen Ziele, das gute Wetter und die Freude, endlich wieder die politischen Forderungen auf die Straße bringen zu können, sorgten für ein schönes Gemeinschaftsgefühl, das entstand. Ich fühlte mich mit meinen Mitstreiter*innen verbunden und merkte, was für eine Kraft und Stärke von uns ausging und was alles bewirkt werden könnte, wenn wir unsere Kämpfe verbinden und zusammen für die Abschaffung des Patriarchats kämpfen.

Auf vielen Plakaten war auch der Spruch „8. März ist jeden Tag“ zu lesen – das stimmt. Wir müssen jeden Tag für unsere Ziele kämpfen, uns jeden Tag miteinander vernetzen und uns gegenseitig unterstützen. Nicht nur am 8. März, sondern auch an den restlichen 364 Tagen des Jahres ist feministischer Kampftag! Das machte die Demonstration am 8. März noch einmal deutlich.

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