Frauentags-TV zum 8. März 2021 bei Paula Panke

von Linda Davis

Dieses Jahr war der Frauentag ganz anders als sonst. Coronabedingt konnten keine großen Demonstrationen oder Veranstaltungen vor Ort stattfinden. Um dennoch unseren politischen Forderungen Raum zu geben, fand bei Paula Panke e.V. unser erstes Frauentags-TV statt. In drei Panels sprachen wir live auf YouTube mit verschiedenen Referent*innen über Themen, die uns und unsere Gesellschaft aktuell bewegen und diskutierten mit den Zuschauer*innen per Chat.

Panel 1: Gleichstellung und Klimaschutz

>> im Youtube-Video ab: 0:01:20 Std.

Im Eröffnungs-Panel ging es um „Gleichstellung und Klimaschutz“. Mit Stephanie Wittenburg, der neuen Pankower Gleichstellungsbeauftragten und Angelika Haaser, der neuen Klimaschutzbeauftragen des Bezirksamts Pankow, sprach unsere Mitfrau und Klimaaktivistin Linda Ann Davis unter anderem darüber, wieso Klimaschutz und Geschlechtergerechtigkeit zusammen gedacht werden müssen und welche konkreten Ideen und Projekte in Pankow in Planung sind.

Es geht um einen gemeinsamen Kampf für Gerechtigkeit

Beide Referentinnen betonen, dass sowohl der Klimabewegung als auch der Frauenbewegung ein tiefes Gerechtigkeitsempfinden zugrunde liege und dass es immer um eine gerechte Verteilung von Ressourcen gehe. Beispielsweise seien finanzielle Ressourcen immer noch ungleich verteilt. Da Frauen heutzutage immer noch öfter Care-Arbeit übernehmen, verfügen Männer meist über größere finanzielle Ressourcen. Und obwohl Frauen häufiger und stärker von den Folgen des Klimawandels betroffen sind, seien sie durch mangelnde finanzielle Ressourcen gleichzeitig schlechter in der Lage, auf den Klimawandel zu reagieren, erklärt Angelika Haaser.

Beide Referentinnen sind sich einig, dass es im Hinblick auf die Klimakrise also nicht nur um Klima- oder Umweltschutz geht, sondern vorrangig darum, Ungerechtigkeiten aufzudecken und gerechte Verhältnisse zu schaffen.

Macht-Ressourcen müssen neu verteilt werden

Dass neben finanziellen Ressourcen auch Macht-Ressourcen eine große Rolle im Kampf gegen den Klimawandel spielen, macht Stephanie Wittenburg deutlich. „Es geht immer darum, dass möglichst viele Menschen mit unterschiedlichen Perspektiven am Tisch sitzen sollten, damit bestimmte Blickwinkel in der Diskussion nicht hintenüberfallen,“ erklärt sie. Dies sei allerdings bisher noch nicht der Fall. Die meisten Entscheidungsposten werden immer noch von weißen Männern besetzt, welche somit nicht nur über mehr finanzielle Ressourcen, sondern auch über mehr Macht-Ressourcen verfügen. Diese ungleiche Verteilung gilt es im gemeinsamen Kampf gegen die Klimakrise und für die Gleichstellung aller Geschlechter aufzubrechen.

Vor allem Frauen sorgen sich um das Klima

Auffällig ist, dass besonders viele junge Frauen in der Klimabewegung zu sehen sind. Dies könne, so Angelika, damit erklärt werden, dass der Gedanke, etwas zu schützen oder sich um etwas zu kümmern, mehr mit Frauen in Verbindung gebracht wird.  Stephanie ergänzt, dass dies vor allem eine Frage der Sozialisation ist: „Es geht um Rollenzuschreibungen und Geschlechterstereotype. Frauen wird das Sich-Sorgen um die Umwelt zum einen und zum anderen das Sich-Sorgen um das Konsumverhalten  häufiger zugesprochen.“

Klimagerechtigkeit statt Klimaschutz!

Gerade wegen der sozialen Aspekte beim Thema Klima gibt es viele Bestrebungen, nicht von Klimaschutz, sondern von Klimagerechtigkeit zu sprechen. Angelika betont, dass der Begriff Klimaschutz zwar geläufiger ist, allerdings auch irreführend sein kann, da es eigentlich nicht darum geht, das Klima zu schützen, sondern unsere eigene Lebensgrundlage.

Der Begriff Klimagerechtigkeit sensibilisiert zudem dafür, dass es um hier ein globales Neudenken von gesellschaftlichen Verhältnissen geht. Der Feminismus, der dahintersteht, müsse zwingend intersektional sein, betont Stephanie Wittenburg. Probleme könnten nicht isoliert voneinander betrachtet werden. Dabei sei auch ein wichtiger Motor für die Klimabewegung, dass sie generationenübergreifend ist. Alle Generationen müssten sich gemeinsam Gedanken darüber machen, was es für die nachkommenden Generationen bedeutet, wenn wir mit dem kapitalistischen Wirtschaftssystem so weitermachen wie bisher.

Klimaschutz und Gleichstellung ist wichtig für die Stadtentwicklung

Dass die Themen Klimaschutz und Gleichstellung auch ganz konkret eine wichtige Rolle in der Stadtplanung und in den Bereichen Wohnen und Mobilität spielen, macht Angelika Haaser deutlich. Dabei sei es besonders wichtig die Infrastruktur zu stärken. In Pankow geschehe dies aktuell beispielsweise dadurch, dass über die Webseite www.flotte.de bald zehn Lastenräder für eine begrenzte Zeit kostenlos ausgeliehen werden können.

In Bezug auf das Thema Mobilität zeigt Stephanie Wittenburg auf, dass Männer und Frauen häufig die Stadt ganz anders nutzen. Für Frauen, die nach wie vor öfter die Care-Arbeit übernehmen, entstünden deswegen oft ganz andere Wege in der Stadt. Dies sei grafisch auch sehr eindrücklich feststellbar, beispielsweise bei einer Studie, die in der Stadt Wien durchgeführt wurde. Das Thema „Genderplanning“ sei daher bei der Stadtplanung ebenso wichtig wie Umweltaspekte.

Mehr Bürger*innenbeteiligung ist gefragt

Damit dies auch geschehe, sei zudem die Beteilung und das Einbringen von verschiedenen Perspektiven sehr wichtig. In Pankow ist dies momentan möglich, da alle Bürger*innen Pankows noch bis zum 31. März Vorschläge für den neuen Bürger*innen Haushalt einreichen können. Lediglich ein Formular mit der eigenen Idee oder einem konkreten Vorschlag muss dafür ausgefüllt und abgegeben werden.

Beide Referentinnen sind sich einig, dass auch in der Zukunft Klimaschutz und Gleichstellung zusammen angegangen werden muss. Dieses Gespräch könne dabei als gelungener Auftakt für eine weitere Zusammenarbeit in Pankow gesehen werden kann.

Panel 2: Gewalt und Täter*innen-Arbeit

>> im Youtube-Video ab: 1:59:25 Std.

Im zweiten Panel mit dem Titel „Gewalt und Täter*innen-Arbeit” waren Natasza Toczek und Till Majewski von dem Projekt „Stop-Stalking“ zu Gast, um mit Inga Ries über ihre Arbeit zu sprechen.

Till Majewski ist Sozialarbeiter im Projekt Stop Stalking des Vereins selbst.bestimmt e.V. und berät dort Menschen, die gestalkt werden oder die selbst stalken. Natasza Toczek ist Psychologin und systemische Familientherapeutin und arbeitet als psychologische Beraterin bei Stop Stalking.

Was ist eigentlich Stalking?

Zum Beginn des Gesprächs erklärt Natasza zunächst, was Stalking überhaupt ist: Darunter wird ein wiederholtes und beabsichtigtes Verfolgen und Belästigen einer anderen Person verstanden, welches die Sicherheit der Person bedroht und sie schwerwiegend in ihrer Lebensgestaltung beeinträchtigt. Eine starke Fixierung, sowohl in Gedanken als auch emotional auf eine andere Person, geht damit einher. Stalking äußert sich meist durch Kontaktaufnahme, Belästigung und Näherungsversuche, konkret auf eine Person bezogen und stellt immer ein Überschreiten ihrer sozialen Grenzen dar. Stalking schafft immer eine Beziehung, wo keine Beziehung mehr ist oder auch nie eine entstanden wäre. „Das Wesentliche dabei ist, dass die andere Person sich klar abgegrenzt hat und auch klar kommuniziert hat, dass sie keinen Kontakt mehr möchte,“ ergänzt Till.

Stalking hat verschiedene Formen

Es gibt verschiedene Formen von Stalking erklärt Natasza. Ganz klassisch kann das zum Beispiel eine Person sein, die ihre*n Ex-Partner*in stalkt. Aber es kann sich auch um einen Bekannten handeln, der anfängt, eine einseitige Beziehung aufzubauen oder um Personen, die nicht die sozialen Kompetenzen haben, eine normale Beziehung aufzubauen. Auch rachsüchtiges Stalking kann vorkommen, beispielsweise gegenüber einer Ärztin oder einem Therapeuten.

Was hat Stalking mit patriarchalen Strukturen und Rollenzuschreibungen zu tun?

Till erzählt, dass zu Stop Stalking sowohl Betroffene als auch Täter*innen kommen. 80% der Stalker sind dabei Männer und nur 20% Frauen. Umgekehrt sind 20% der Betroffenen Männer und 80% Frauen. Diese Verteilung hat auch viele gesellschaftliche Hintergründe. Till erläutert, dass dies mit der geschlechtlichen Sozialisierung und mit Tendenzen, die mit der Struktur der patriarchalen Gesellschaft zu tun haben, zusammenhängt. „Jungs und Männer lernen eher, dass Hartnäckigkeit und Beharrlichkeit etwas Heldenhaftes sind. wo man Leistung zeigt. Stalker sehen sich oft als Helden der Liebe.“  Auf der anderen Seite gebe es aber auch 20% Täter*innen. Wenn Mädchen von klein auf immer hören, dass ein gelingendes Leben bedeutet, dass man einen Partner, eine Ehe hat, die gelingt, dann könne eine Fixierung auf den Partner und die Partnerschaft entstehen, erklärt Till. Stalking hat somit viel mit den patriarchalen Strukturen und wie wir vergeschlechtlicht werden zu tun.  Darum sei es besonders wichtig, diese Geschlechterrollen und -zuschreibungen zu hinterfragen und aufzubrechen.

Auch in der Tatsache, dass sich überdurchschnittlich viele Täterinnen beraten lassen, sieht Till die Gründe in unterschiedlichen Prozessen der Vergeschlechtlichung. Frauen seien öfter dazu angehalten, empathisch zu sein und daher auch Abgrenzungen ernster zu nehmen und problematisches Verhalten selbst zu erkennen und zu reflektieren. Ein großes Problem sei insgesamt, dass Jungs öfter zu hören bekommen, dass, wenn sie ein Nein von Mädchen bekommen, sie am Ball bleiben müssen und ein Nein vielleicht gar kein Nein bedeutet. Mädchen wird eher beigebracht, zurückhaltend zu sein. Natasza ergänzt, dass viele Klienten eine Trennung von der Partnerin als starke Kränkung für ihre Person wahrnehmen und durch fehlende Kompetenz, mit Krisen umzugehen und eigene Gefühle wahrzunehmen, in den ersten Phasen der Trennung hängenbleiben.

Freiwilligkeit ist besonders wichtig für eine erfolgreiche Beratung / Gute Täterarbeit ist der beste Opferschutz

Bei der Arbeit mit Täter*innen ist Freiwilligkeit ein wichtiger Begriff, das betonen beide Referent*innen. Zwar kommen nicht alle freiwillig zur Beratung, sondern werden manchmal auch von der Staatsanwaltschaft oder vom Gericht verwiesen. Für den Erfolg einer Beratung ist es aber essenziell wichtig, dass die Person sich darauf einlässt. Häufig gelingt es auch, dass gewiesene Patienten den Zwangskontext für sich zu einer freiwilligen Beratung umgestalten. „Die meisten Klienten, die gewiesen sind, sehen sich zunächst als Opfer. Es ist wichtig, zunächst klarzumachen, dass es sich um Täterschaft handelt“, betont Natasza. Gerade bei Männern, wo das Opfersein hoch problematisiert wird, sei es wichtig, den Raum so zu gestalten, dass sie mit den Opferanteilen ankommen können. Nur so sei es möglich, das Verhalten in eine andere Richtung zu lenken. Gute Täterarbeit sei somit auch der beste Opferschutz. Es geht auch darum zu verstehen, was dieses Verhalten bedingt. Verstehen ist dabei, wie Till bemerkt, nicht zu verwechseln mit Verständnis. „Es geht nicht darum, die Taten zu relativieren, sondern darum, das Verhalten zu verstehen, um es zu ändern.“

Stalking während der Coronapandemie

Auf die Frage, ob sich während der Pandemiezeit andere oder neue Probleme gezeigt haben, bemerkt Natasza, dass es nun mehr Konflikte in der Nachbarschaft gibt. „Im Moment entstehen oft Dynamiken, die Menschen schnell als Stalking verstehen. Das hat damit zu tun, dass Menschen sehr viel zuhause sind und auch mehr belastet und sensibler sind.“
Ein weiteres Problem sei, dass viele Ressourcen wegbrechen, die den Opfern eine Pause oder Auszeit vom Stalking geben wie Treffen mit Freund*innen. Auch in der Beratung habe die Coronakrise einige Veränderungen gebracht, da nun viel Beratung per Telefon oder Video stattfinden muss.

Gewaltvolle Strukturen und herrschende Geschlechterrollen müssen überwunden werden

Für die Zukunft wünscht sich Natasza, dass eine noch bessere Beratung für die Betroffenen angeboten werden kann und dass auch die Unerreichten erreicht werden können. Auch hofft sie, dass herrschende Geschlechterrollen aufgebrochen werden. „Mein Traum ist, dass Männer sich nicht dadurch definieren, dass sie sich von Frauen abgrenzen und Dominanz ausleben müssen, um sich männlich zu fühlen und dass Frauen sich nicht durch die Augen der Männer bewerten, sondern dass alle in sich und für sich stehen.“

Auch Till wünscht sich, dass gewaltvolle Strukturen wie das Patriarchat völlig überwunden werden können und diese nach und nach immer mehr aus den Köpfen und Herzen herausgebracht werden. Auch möchte er, dass es möglich wird, weniger stigmatisierend auf Täter*innen zu blicken, damit es ihnen leichter fällt, sich Hilfe zu suchen.

Panel 3: Geschlechtergerechtigkeit in der Corona-Krise und Abschaffung des § 218

>> im Youtube-Video ab: 3:59:37 Std.

Im dritten und letzten Panel unseres Frauentags-TV unterhielten sich Tannaz Falaknaz, gleichstellungspolitische Sprecherin der SPD-Fraktion in Pankow und Ulrike Rosensky von der Arbeitsgemeinschaft der SPD-Frauen (ASF) in Pankow mit Kathrin Möller von Paula Panke über Geschlechtergerechtigkeit in der Corona-Krise und Abschaffung des § 218.

Wie ist es aktuell um die Gleichstellung bestellt?

Auf die Eingangsfrage, wie es um die Gleichstellung aller Geschlechter im Moment bestellt ist und was aktuell noch zu tun ist, antwortet Tannaz Falaknaz zunächst, dass es auch darum geht, sich zu fragen, woran wir Erfolg und Fortschritt messen. Da sie selbst aus dem Iran kommt, weiß sie ganz besonders, dass Gleichstellung eine Sache der Perspektive ist. Dies bedeutet aber nicht, dass wir in Deutschland schon genug getan haben. Ulrike Rosensky betont, wie wichtig eine gerechte Verteilung in den Parlamenten für eine echte Gleichstellung ist, denn nur Frauen können sich auch für Frauen einsetzen. Ebenfalls sieht sie es als eine der Hauptaufgaben, Alltagssexismus zu bekämpfen und aufzulösen und beispielsweise Frauen nicht immer auf ihr Äußeres zu reduzieren: „Es gehört auch zum Feminismus, dass man so auftreten kann, wie man ist“.

Dass auf dem Weg zu einer gerechten Verteilung in den Parlamenten Parität eine wichtige Rolle spielt, erklärt Tannaz: „Die Parität ist dafür da, Strukturen zu überdenken und führt zu einem Umdenken. Alte weiße Männer sind nicht mein Feindbild, sondern ein Synonym für ein Immer-weiter-so“.

Die Coronakrise hat die Defizite noch verschärft

Gemeinsam schauen die Referent*innen auch auf die Coronakrise im Hinblick auf die Situation von Frauen. Tannaz betont, dass die Defizite, die schon da sind, durch Corona noch präsenter werden und sich verschärfen. „Eigentlich sind Frauen die großen Verliererinnen der Krise“ sagt sie. Dies zeige sich vor allem in der Vereinbarkeit von Beruf, Kindererziehung und Haushalt, die durch Home-Schooling und Home-Office deutlich erschwert werde. Auch erleben mehr Frauen nun häusliche Gewalt und gleichzeitig werden weniger Menschen darauf aufmerksam. Auch die digitale Gewalt nehme in der Coronakrise deutlich zu da sich sehr viele Lebensbereiche ins Digitale verschoben haben. Tannaz bemängelt, dass hier noch nicht genug Beistand von unserem Rechtsstaat und keine ausreichenden Beratungsangebote zum Thema digitale Gewalt vorhanden seien.

Gerade in Bezug auf häusliche Gewalt betont Ulrike, dass nun noch mehr eine Sensibilisierung der Nachbarschaft gefragt sei und die Solidarität und Aufmerksamkeit wachsen müsse. Ein weiteres Problem der Coronakrise sei, dass viele Frauen in alte Rollenbilder zurückfallen und sich allein um Kinder und Haushalt kümmern müssen.

Wie können Alleinerziehende und ältere Frauen unterstützt werden?

Auf die Frage, was es für konkrete Ideen gibt, um die Krise besonders für Alleinerziehende und ältere Frauen besser zu bewältigen, ist Tannaz zufolge vor allem der Ausbau von Betreuungsangeboten und KiTa-Plätzen wichtig. „Sich politisch zu engagieren mit kleinen Kindern ist fast unmöglich. Auch da braucht es staatliche Unterstützung, die Kinderbetreuung zur Verfügung stellt, dass Frauen sich politisch engagieren können,“ erklärt sie. Gleichzeitig sei es ebenso wichtig, ein Lohntransparenzgesetz zu implementieren und dafür zu sorgen, dass gleicher Lohn für gleiche Arbeit gezahlt wird. Auch müssten Frauen bessere Möglichkeiten erhalten, in Führungspositionen zu gelangen, um eine bessere Verteilung der Sorge- und Fürsorgearbeit zu erreichen.

In Bezug auf ältere Frauen sieht Ulrike vor allem die Einsamkeit als großes Problem. Hierfür sei es wichtig, mit verschiedenen Akteur*innen an einem runden Tisch zusammenzukommen und nach Lösungen zu suchen. Gemeinsame Telefonkonferenzen und Schulungen für die digitale Kompetenz für ältere Menschen könnten erste Lösungsansätze sein, um die Einsamkeit und Isoliertheit zu mindern.

Der globale, feministische Kampf um legale Schwangerschaftsabbrüche

Neben der aktuellen Coronakrise und ihrer Auswirkung auf Frauen sind nach wie vor die Paragraphen 218 und 219a ein wichtiges Thema auf dem Weg zur Gleichstellung. Ulrike erklärt, dass durch § 218  ein Schwangerschaftsabbruch in Deutschland immer noch eine Straftat ist. In Polen wurden die Gesetze dahingehend nochmals verschärft. Das Thema ist also ein globales, feministisches Anliegen. „Mein Bauch gehört mir! Ich entscheide darüber, ob ich ein Kind zur Welt bringen möchte oder nicht. Dass der Staat da so massiv eingreift, ist völlig unverständlich,“ macht Ulrike deutlich. Eigentlich müsste noch viel mehr dagegen gekämpft werden. Die Entwicklungen in Polen zeigen, dass in vielen Ländern ein Trend in Richtung Rechtspopulismus auszumachen ist.  

„Uns kann nicht egal sein, was in Polen passiert“, betont Tannaz und macht deutlich, wie wichtig es ist, dass sich demokratische Kräfte nun zusammentun: „Gerade in einer globalisierten Welt können sich Gedanken und Wertvorstellungen rasant verbreiten. Wir müssen aufpassen, dass die Entwicklung, die wir in den nächsten Jahren machen wollen, nicht zu Rückschritten führen. Da liegt es gerade auch an uns Frauen, uns politisch einzubringen. Wenn es darum geht, gegen rechts zu kämpfen, müssen wir uns zusammentun. Wir sind immer am stärksten, wenn wir uns gemeinsam gegen eine Sache verbünden“.

Wünsche für eine feministische Zukunft

Am Ende des Gesprächs kommen die Referentinnen noch auf ihre Wünsche für eine feministische Zukunft zu sprechen. „Ich möchte, dass unsere Töchter keinen Alltagssexismus erfahren müssen, ich möchte, dass sie frei über ihren Körper entscheiden können, dass sie frei entscheiden können, wen sie lieben wollen und wer sie sein wollen, dass sie frei entscheiden können, wie sie leben wollen,“ sagt Ulrike. Sie wünscht sich starke Frauen, die sich auch mal trauen aufzustehen, wenn ihnen etwas nicht passt und dass unsere Urenkelinnen vielleicht einmal miterleben, dass tatsächliche Gleichstellung herrscht.

Tannaz wünscht sich, dass überall auf der Welt der 8. März ein Feier- und Kampftag ist, der irgendwann nur noch ein Feiertag ist, um die Gleichberechtigung weltweit zu feiern. Der Frauentag sollte nämlich nur eine Markierung auf dem Weg zur Gleichstellung sein.

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