Wie funktioniert “AnDi”- Die neue Anti-Diskriminierungs-App?

„Hi, ich bin AnDi. Ich erkläre dir, was Diskriminierung ist und welche Rechte du hast.“

So stellt sich AnDi, die Antidiskriminierungs-App von der Berliner Landesstelle für Gleichbehandlung – gegen Diskriminierung vor. Sie soll nicht nur dabei helfen über Diskriminierung zu informieren, sondern auch passende Beratungsstellen zu finden, Diskriminierung zu melden und sie zu protokollieren. Seit Ende Oktober 2020 können alle Nutzer*innen eines Smartphones diese App herunterladen. Derzeit funktioniert AnDi in sieben Sprachen: Deutsch, Russisch, Türkisch, Englisch, Farsi, Französisch und Arabisch.

Wir haben uns die neue App genauer angeschaut, um herauszufinden wie sie funktioniert, worüber genau sie informiert und wie leicht sie zu bedienen ist.

Screenshot des Homescreens von AnDi

Die Startseite der App ist klar in vier verschiedene Bereiche unterteilt: Informationen anzeigen, Beratungsstellen finden, Diskriminierung melden, Protokoll anlegen.

Informationen anzeigen

Tatsächlich schafft AnDi es, kurz, klar und trotzdem ausführlich genug über verschiedene Aspekte von Diskriminierung zu informieren. In zehn Punkten erklärt sie, was Diskriminierung eigentlich ist, wo sie überall vorkommen kann und was man tun kann, wenn man Diskriminierung erfährt. Sie erläutert, wieso es überhaupt wichtig ist, Diskriminierung zu melden:

 „Nur wenn Diskriminierungen öffentlich gemacht werden, kann sich etwas ändern.“

Sie zählt diverse Gründe auf, wieso Menschen diskriminiert werden und erklärt, welche Gesetze es gibt, die gegen bestimmte Diskriminierungen schützen sollen. AnDi macht zudem deutlich, dass Diskriminierung nicht nur etwas Persönliches ist, sondern dass es auch strukturelle und institutionelle Diskriminierung gibt.

Ebenso gibt es Menschen, die aus mehreren Gründen diskriminiert werden, zum Beispiel, weil sie einen Migrationshintergrund haben und gleichzeitig queer sind.

AnDi macht klar, dass die verschiedenen Gründe für Diskriminierung nicht einzeln betrachtet werden können, sondern immer miteinander verwoben sind. Ein intersektionaler Ansatz ist beim Thema Diskriminierung besonders wichtig.

Beratungsstellen finden

In dem Bereich „Beratungsstellen finden“ können Nutzer*innen der App nun anhand der Gründe, wieso sie diskriminiert wurden, nach geeigneten Beratungsstellen suchen.

Die Aufteilung ist zunächst übersichtlich und ausführlich: Insgesamt zwölf verschiedene Gründe werden aufgelistet, darunter auch die Möglichkeit, anzugeben, dass man nicht genau weiß, wieso man diskriminiert wurde. Klickt man nun auf einen Grund – zum Beispiel „Geschlecht“ – kann man weiter angeben, in welchem Kontext die Diskriminierung stattgefunden hat. Mit diesen beiden Angaben wählt die App Beratungsstellen aus, die passend für die eigene Situation sein könnten.

Die verschiedenen Beratungsstellen können sogar auf einer Karte angezeigt werden, sodass alle Nutzer*innen schauen können, welche in ihrer Nähe sind. Wählt man eine bestimmte Beratungsstelle aus, zeigt AnDi weitere Informationen und die Kontaktdaten an, man kann sofort auf die E-Mail-Adresse oder die Telefonnummer klicken und die ausgewählte Beratungsstelle kontaktieren.

Dieser Bereich der App ist leicht verständlich und niedrigschwellig zu benutzen. Er bietet beeindruckend viele Möglichkeiten, sich zu informieren und die passende Beratungsstelle zu finden. Schwierig wird es allerdings, wenn Menschen aufgrund von mehreren Faktoren diskriminiert werden. AnDi klärt zwar im Informations-Bereich darüber auf, wie wichtig ein intersektionaler Ansatz ist, bei den Beratungsstellen können aber leider nicht mehrere Gründe gleichzeitig ausgewählt werden.

Diskriminierung melden

Wer sich nicht nur über Diskriminierung informieren oder eine Beratungsstelle finden möchte, sondern auch eine Diskriminierung melden will, kann das über diesen Punkt in der App machen.
AnDi weist noch einmal darauf hin, dass man anonym bleiben kann, dass Freund*innen, Familie oder die Polizei nicht davon erfahren müssen und dass die Daten sicher sind.

Auch diese Kategorie ist sehr übersichtlich gestaltet und einfach zu bedienen. Aber: hier kann man nur aus drei Gründen auswählen, wieso man diskriminiert wurde: Rassismus oder Antisemitismus, sexuelle Orientierung oder geschlechtliche Identität und in der Schule oder KiTa.

Andere Gründe für Diskriminierung, wie man sie noch bei den Beratungsstellen finden konnte, tauchen hier nicht mehr auf. Dies könnte zu Verwirrung und Verunsicherung bei einigen Menschen führen, die eine Diskriminierung melden möchten. Erst wenn man sich durch die verschiedenen Möglichkeiten klickt und eine bestimmte Meldestelle auswählt, kann man weitere Gründe für die Diskriminierung nennen. Auch kann man dann angeben, wann und wo es zu einer Diskriminierung kam und genauer beschreiben, was einem widerfahren ist. Was hier leider fehlt, ist die Möglichkeit als Ort das Internet anzugeben. Da Hass und Diskriminierung im Netz ein immer dringlicheres Thema ist, wäre es wichtig, die Möglichkeit zu haben, auch das konkret melden zu können.

Insgesamt wird hier aber, trotz der kleinen Schwächen, eine gute und einfache Möglichkeit geboten, diskriminierende Vorfälle schnell und sicher melden zu können.

Protokoll anlegen

Der letzte Bereich von AnDi ist nur für die Nutzer*innen selbst. Sie haben die Möglichkeit, hier ein genaues Protokoll ihrer Erlebnisse anzulegen, das nicht verschickt oder veröffentlicht wird, sondern dafür da ist, um selbst nichts zu vergessen. So hat man die Möglichkeit, das Erlebte sofort festzuhalten und zu einem späteren Zeitpunkt in Ruhe die Diskriminierung zu melden, wenn man das möchte. Besonders praktisch und inklusiv ist dabei, dass sowohl Sprachaufnahmen als auch Notizen gemacht werden können. Menschen, die Schwierigkeiten haben zu schreiben, oder sich in dem Moment gerade nicht in der Lage sehen, eine lange Notiz zu verfassen, können somit auch die Erlebnisse per Sprachnotiz protokollieren. Für die Protokolle kann zudem ein extra Passwortschutz eingerichtet werden.

Gerade die Möglichkeit der App, geschützt eigene Protokolle der Ereignisse anzulegen, zeigt, dass es bei diesem Projekt eben nicht nur um Informationen geht, sondern auch darum, die eigenen Erlebnisse zu verarbeiten und sammeln zu können. Gerade für Menschen, die viel Diskriminierung erfahren, kann diese persönlichere Herangehensweise wichtig sein.

Unser Fazit

AnDi ist eine gute, sichere und niedrigschwellige Möglichkeit, Diskriminierungen zu dokumentieren, sich darüber zu informieren und Beratungsstellen ausfindig zu machen. Sie ist meist einfach zu bedienen und gibt klare, einfache, aber trotzdem gehaltvolle Informationen.

Einen weiteren Verbesserungsvorschlag haben wir: Noch besser wäre es, wenn AnDi nicht das generische Maskulinum verwenden würde, sondern eine gendergerechte Sprache.

Wir empfehlen die App, weil sie es einfacher macht, Diskriminierungen zu dokumentieren und damit sichtbar zu machen.

Die App kann in den App Stores von Google (Google Play Store) und Apple (iOS App Store) kostenfrei heruntergeladen werden und ist mit allen gängigen mobilen Endgeräten kompatibel.



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