Was tun bei häuslicher Gewalt? Wir helfen!

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Die aktuelle Situation schränkt das soziale Leben stark ein. Familien leiden nicht nur unter Existenzängsten. Die ungewohnte Nähe und Enge belasten auch die Beziehungen zwischen Partner*innen und Familienmitgliedern*.

Nicht selten führen die Konflikte zu gewalttätigen Auseinandersetzungen – in vier von fünf Fällen zu Lasten von Frauen* und Kindern. Das Land Berlin registrierte in den letzten zwei Wochen eine Zunahme von Fällen häuslicher Gewalt um 11 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Gleichzeitig ist es für Betroffene* durch die Ausgangsbeschränkungen schwieriger sich Hilfe zu organisieren.

Wir haben eine zusätzliche Telefonberatung eingerichtet:

Wenn Sie Opfer häuslicher Gewalt geworden sind, erreichen Sie uns neben den regulären Sprechzeiten ab sofort auch

-> donnerstags von 12- 13 Uhr 
-> unter 030 – 485 47 01
-> oder zufluchtswohnung@paula-panke.de

In Notfällen wählen Sie die BIG Hotline: 030 – 611 03 00

Hilfe für gehörlose Frauen

Wir betreuen auch gehörlose Frauen, die von häuslicher Gewalt betroffen sind. Hilfe finden sie auch hier:

Aktionsbündnis gegen Gewalt an gehörlosen Menschen
T: 030 – 2652632
M: info@taub-gewalt-stop.net
www.taub-gewalt-stop.net

Wir empfehlen folgende Schritte

Den eigenen, passenden Weg finden!

  • Was möchte ich?
  • Was brauche ich?
  • Welche Optionen habe ich?
  1. Beratung oder Hilfehotline anrufen – in akuten Fällen die Polizei
  2. Polizei rufen: Wegweisung -> Familiengericht: Antrag nach Gewaltschutzgesetz
  3. BIG-Hotline anrufen -> Wo gibt es freie Plätze? > Schutzunterkunft
  4. Unterkommen bei Familie, Freund*innen, Verwandten
  5. Übernachten in einem Hotel
  6. Eigene Wohnung suchen

Was wir für Sie tun können

Im Moment können wir Ihnen ein offenes Ohr für die Probleme bieten und mit beraten, was die nächsten Schritte sein können. Wir beraten und unterstützen Frauen kostenfrei sowie unabhängig vom Alter, von der Nationalität und vom sozialen Status. Das Frauenzentrum Paula Panke e.V. verfügt zwar über zwei Zufluchtswohnungen. Freie Plätze gibt es im Moment jedoch nicht. Aktuell arbeiten wir mit der Politik an weiteren Lösungen. Mehr Informationen zu unseren Zufluchtswohnungen finden Sie hier.

Zwischen 1994 bis 2019 lebten 194 Frauen* und 200 Kinder in unseren Schutzwohnungen. Eine Besonderheit ist, dass wir auch gehörlose von Gewalt betroffene Frauen* und ihre Kinder aufnehmen können. 192 Frauen* und deren Kinder haben den ersten Schritt in eine eigene Wohnung geschafft, um sich ein gewaltfreies Leben aufzubauen.

Wir bleiben dran, damit das vielen anderen Frauen auch gelingt!

Häusliche Gewalt ist kein privates Problem!

Im Februar 2018 ist die sogenannte Istanbul Konvention in Kraft getreten, die die Bundesrepublik Deutschland neben 32 weiteren Staaten unterzeichnet hat. Es ist der umfassendste menschenrechtliche Vertrag, der rechtlich verbindliche Verpflichtungen der Staaten enthält, um Gewalt gegenüber Frauen* und Mädchen* zu verhindern. In der Konvention wird ein besonderer Fokus daraufgelegt, häusliche Gewalt zu verhindern.

Die Vertragsstaaten sind im Rahmen der ganzheitlichen Gewaltschutzstrategie zu verschiedenen Maßnahmen verpflichtet wie dem Einsatz ausgebildeter Fachkräfte, der Einrichtung von Frauenhäusern, Sanktionen von Gewalttaten und dem sofortigen Schutz von Opfern* durch Kontakt- und Näherungsverbote. Ob die Verpflichtungen eingehalten werden, überwacht die Expert*innenkommission GREVIO.

Endlich wird damit die Gewalt gegen Frauen* und Mädchen* als Menschenrechtsverletzung gesehen. Das hat lange gedauert und wurde von vielen Kämpfer*innen und Unterstützer*innen vorangetrieben.

Die Krise als Chance

In der aktuellen Krise wird schmerzhaft deutlich, was schon lange bekannt ist: In Berlin und bundesweit werden dringend mehr Schutzräume für von Gewalt betroffene Frauen* und ihre Kinder benötigt. Die Einrichtungen sind überbelegt und in der Regel zu wenig finanziert.

Die jetzige Situation hat die Politik auf Bundes- und Länderebene wachgerüttelt und konkrete Maßnahmen sind in Planung. Wir sind dran und arbeiten mit an Lösungen. Aber es ist die gesamte Zivilgesellschaft gefordert, für ein Leben ohne Gewalt einzustehen, nicht wegzusehen und den nächsten Schritt in Richtung Gleichberechtigung zu gehen.

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