Zum heutigen Equal Pay Day: Die Bedeutung von Care-Arbeit in der Corona-Krise

Kampagnenlogo des Equal Pay Day
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Die Corona-Krise zeigt deutlich, welche Bedeutung Care-Arbeit und Gesundheitspflege haben und wie vor allem Frauen* doppelt davon betroffen sind. Denn einerseits tragen sie die Hauptlast der Arbeit und erhalten auf der anderen Seite zu wenig Anerkennung sowie keine oder keine angemessene Vergütung. Anlässlich des Equal Pay Day möchten wir ein paar Gedanken dazu mit Euch teilen.

Was ist Care-Arbeit?

Unter Care-Arbeit wird bezahlte und unbezahlte Fürsorge-Arbeit verstanden – in der Kinderbetreuung, der Altenpflege, der häuslichen Pflege oder familiären Unterstützung. Ein Großteil dieser Arbeit, sowohl im beruflichen als auch im privaten Umfeld, wird von Frauen* geleistet – oft unsichtbar und ohne Bezahlung. Seit 2016 findet am 29.02. bzw. 01.03. der Equal Care Day statt, um auf die mangelnde Wertschätzung und unfaire Verteilung von Care-Arbeit aufmerksam zu machen. Er wird von dem Verein klische*esc e.V. organisiert. Der schreibt auf seiner Website:

Männer übernehmen also 20% und brauchen damit vier Mal so lange, um denselben Umfang an Fürsorge- und Care-Arbeit beizutragen. Die Anlehnung an den Equal Pay Day und die Lohnlücke bei den Gehältern ist also bewusst: Da Care-Arbeit zu 80% von Frauen* geleistet wird, trägt der Care Gap ganz wesentlich zum Pay Gap bei.“ (Quelle: https://equalcareday.de/die-idee/)

Care-Arbeit und Corona-Krise

Da ab heute (17.3.2020) alle Kitas in Berlin und sukzessive alle Schulen bis zum Ende der Osterferien schließen, wirkt sich diese sowieso schon belastende Situation besonders auf Frauen* aus. Sie bleiben überwiegend zu Hause und versorgen die Kinder. Sie kümmern sich um den Haushalt, pflegebedürftige Familienangehörige, Nachbar*innen, Freund*innen – weil sie zu Hause sind.

Das Problem in dieser Situation ist: Die Frauen*, die im Durchschnitt sowie schon vom Pay Gap betroffen sind, können nicht grundsätzlich mit einer Fortzahlung ihres Arbeitsentgelts rechnen.
(Aktuelle Informationen dazu beim Bundesministerium für Arbeit)

Die Corona-Krise macht also zwei Dinge deutlich:

  1. Zentrale Leistungen, die für das Funktionieren unserer Gesellschaft unverzichtbar sind, werden vorwiegend von Frauen* erbracht und entweder gar nicht oder zu gering bezahlt. Vor allem Frauen* tragen daher auch aktuell das Risiko, kein Geld mehr zu verdienen. Sie verfügen nicht nur generell über weniger Geld, sondern in der Zeit der Krise im schlimmsten Fall über gar kein Geld. Sie sind abhängig und auf die Unterstützung des Partners*, der Familie oder Institutionen angewiesen. Beides wirkt sich langfristig auch auf ihre Rente aus. Wenn die Bundesregierung aktuell großzügige Kredite für Unternehmen ankündigt, bleiben diese Frauen* unsichtbar und außen vor. Sie werden leer ausgehen, obwohl sie einen wichtigen Arbeitsbereich – die Care-Arbeit – in der Krise abgedeckt haben.
  • Die Corona-Krise macht außerdem deutlich, wie wichtig die Pflegekräfte in den Gesundheitsberufen sind. Da das Gesundheitssystem bereits systematisch ökonomischen Zwängen unterworfen wurde, bleibt abzuwarten, wie es auf die Krise reagieren kann. Wenn in ‚normalen Zeiten‘ schon von Pflegenotstand, Fachkräftemangel und Überlastung die Rede war – wie wirkt sich die Corona-Krise darauf aus? Ein Großteil dieser Belastung wird von Frauen* geschultert. Die Arbeitsagentur informiert in ihrem Bericht von 2019 (https://statistik.arbeitsagentur.de/Statischer-Content/Arbeitsmarktberichte/Berufe/generische-Publikationen/Altenpflege.pdf, S. 8), dass Pflegeberufe eine Frauen*domäne sind: 80 % der Arbeitskräfte in der Krankenpflege und 84 % in der Altenpflege sind Frauen*. Altenpfleger*innen werden schlechter bezahlt als Krankenpfleger*innen.

Pay Gap, Teilzeit und Care-Arbeit – der Kreis schließt sich

Überdurchschnittlich viele von ihnen arbeiten in Teilzeit, um Care-Arbeit zu leisten. Und hier wiederum schließt sich der Kreis. Denn Pay Gap, Teilzeit und unbezahlte Care-Arbeit führen zu einer prekären finanziellen Situation von Frauen* – jetzt und im Alter. Diese Situation ist nicht nur ungerecht, sondern sie führt auch zu Abhängigkeit – meistens vom Partner.

Neue Fürsorge-Modelle braucht das Land

Die Soziologin Jutta Allmendinger bezeichnet die Teilzeitarbeit als Karrierekiller und fordert die 32-Stunden-Woche.

Letztlich brauchen wir neue Bedingungen, um die nötige Care-Arbeit zu leisten. Eine Dokumentation dazu findet sich in der Mediathek der Bundeszentrale für politische Bildung.

Was nicht passieren darf: das Problem verschieben

Viele Frauen* (und auch Männer*) akzeptieren bereits heute nicht mehr die traditionelle Aufteilung der Arbeit nach Geschlechtern. Sie gehen Vollzeit arbeiten und wollen trotzdem Familie. Wenn die Versorgungslücke der Familie nicht durch die Eltern, Angehörige oder Freund*innen ausgeglichen werden kann, greifen viele zunehmend auf Migrantinnen* aus ärmeren Ländern zurück. Das heißt, das Problem der schlecht bezahlten Fürsorgearbeit wird so nicht gelöst, sondern lediglich auf andere verlagert, die sich durch ihre schlechtere Ausgangssituation darauf einlassen. Die gleiche Entwicklung sehen wir übrigens in der Pflege. Das ist keine haltbare Situation. Der Mindestlohn ist erst ein Anfang. Weitere Schritte müssen folgen.

Geld sinnvoll verteilen

In Krisenzeiten wie die aktuelle Corona-Pandemie zeigt sich, was wir für das gemeinschaftliche Leben essentiell benötigen. So sollten wir daher weniger Geld für Straßen und Militär ausgeben und dafür mehr in Betreuung und Pflege investieren. Und vor allem – längst überfällig: den Gender-Pay-Gap beseitigen!


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